Hohenböken/Hude - Werden sich einmal im Hohenbökener und im Nordenholzer Moor Windkraftanlagen drehen und mit ihrem dort erzeugen Strom bis zu 70 000 Haushalte versorgen? Die Pläne für das interkommunale Energie-Projekt der Bremer Firma wpd, im Moor aufseiten der Gemeinden Ganderkesee und Hude bis zu 13 Windräder aufzustellen, dies auch auf rund 29 Prozent der dortigen Landschaftsschutzgebietsfläche, haben seit ihrem Bekanntwerden die Gemüter erhitzt.
Während die einen den Artenschutz in Gefahr sehen und von Eingriffen in „harte Tabuzonen“ sprechen, sind die anderen ebenso fest davon überzeugt, dass das Projekt an genau diesem Standort richtig und für den Klimaschutz besonders wichtig ist. Grundbesitzer, die ihre Flächen zur Verfügung stellen, sprechen gar von einer „Bringschuld für die Enkelgeneration bei der raschen Abkehr von fossilen Energieträgern“.
Bei einem Vor-Ort-Termin haben die Sprecher der rund 100 Flächeneigentümer und die Vorhabenträgerin wpd zu mehr Sachlichkeit in der Debatte aufgerufen, ihre Motive erläutert und sich zu den Bedenken der Projekt-Gegner geäußert.
Warum drängt die Zeit ?
Strom soll laut Bundesregierung möglichst schnell aus immer mehr Windrädern und Photovoltaik-Anlagen bezogen werden. Laut dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) ab 2030 sogar zu 65 Prozent. Von der Kernkraft hat Deutschland sich schon verabschiedet, bis spätestens 2038 soll auch das letzte Kohlekraftwerk abgeschaltet werden, der Braunkohleausstieg in Nordrhein-Westfalen soll sogar 2030 erfolgen. „Wir sind dabei, eine Quelle nach der anderen abzuschalten, irgendwo muss der Strom aber herkommen“, warnt Grundeigentümer-Sprecher Hans-Jürgen Borchers. Wpd-Geschäftsführer Rami Ramadan sieht Deutschland zum Stromimporteur werden, „erzeugt aus den Quellen Kohle und Kernkraft“.
Im Juli 2022 hat die wpd onshohre GmbH & co. KG (wpd) bei Landeigentümern vorgesprochen, im September wurde das Projekt der Gemeinde vorgestellt. Seit Dezember 2022 laufen Umweltgutachten. Im Februar 2023 gab es einen Antrag zur Änderung des Flächennutzungsplans. Noch steht ein Termin für die Entscheidung über die Aufnahme der Bauleitplanung aus. „Wir brauchen Vorlaufzeit“, sagt Nicolas Hehemann, technischer Projektleiter bei wpd. Denn, sollten das Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie Anlagenlieferung und Bau reibungslos laufen, würden sich dennoch nicht vor Ende 2027 die Windräder drehen. Der Standort gilt wegen seiner prognostizierten guten Windausbeute als attraktiv.
Lassen sich Arten- und Klimaschutz vereinbaren ?
Für die Akteure sind Artenschutz und Klimaschutz nicht unvereinbar. „Das kann man in Einklang bringen“, ist Karin Uhlhorn vom Sprecherrat überzeugt. Die Diskussion mit weniger Emotionen und mehr wissenschaftlicher Prüfung zu führen, fordert Sprecher Arnd Fischer. „Naturschutz und Energieerzeugung ‚beißen‘ sich nicht“, meint zudem Borchers, allerdings: „Wenn das mit dem Klimaschutz nichts wird, brauchen wir auch den Artenschutz nicht mehr“, spielt er auf die rasche Umweltzerstörung durch den Temperaturanstieg und Emissionen an.
Was ist mit dem Vogelschutz ?
Und die Vögel? „Je weiter nach Süden, umso weniger Vögel sind dort“, stellt Fischer grundsätzlich fest. Überhaupt habe sich das Moor doch im Laufe der Jahre sehr verändert. Technologie könnte Vögel schützen, meint Borchers. Sensoren könnten Anlagen bei deren Annäherung abschalten. Auch entstünde durch die Anlagen nur eine punktuelle Belastung.
Wird das Moor zerstört ?
Eines treibt Arnd Fischer um: „Wir stehen in der Nähe des Sielingsees. Der Baggersee im Moor ist durch den Sandabbau entstanden. Angesichts dieser Größe bedeuten Windanlagen nur einen kleinen Eingriff in die Landschaft.“ Auch sei das eigentliche Moor schon längst weg. Warum gebe es so viele Grundeigentümer? „Weil das Moor früher zum Torfstechen für Brennmaterial genutzt wurde“, beantwortet Fischer seine Frage selbst. Viel habe man damals getan, um es zu entwässern.
Alle Flächen, die für die Windkraft vorgesehen sind, würden auch längst schon landwirtschaftlich genutzt. Sprecher Andreas Menkens betont den temporären Charakter der Maßnahme: „Die Anlagen sind nur 20 bis 25 Jahre in Betrieb.“
Wie kommen Bürger in Kontakt ?
Hehemann: „Wir verstehen, dass Bürger sich sorgen, darum bieten wir am 31. Mai, 17 bis 21 Uhr, einen Infoabend im Vielstedter Bauernhaus an.“ Die als „Markt“ angelegte Veranstaltung soll an vielen Ständen über relevante Themen aufklären, von der Umweltverträglichkeit bis zur finanziellen Beteiligung für Privatleute und Kommunen.
