Ganderkesee - Die meisten Fakten lagen längst auf dem Tisch, die Argumente waren ausgetauscht – trotzdem wurde am Donnerstagabend im Ganderkeseer Gemeinderat noch einmal intensiv diskutiert, ehe schließlich das Bauleitplanverfahren auf den Weg gebracht wurde, das dem Satzungsbeschluss für den Bau eines interkommunalen Windparks im Hohenbökener Moor und auf Huder Seite im Nordenholzer Moor vorangeht. Ohne Gegenstimmen gefasst wurde der Beschluss erwartungsgemäß nicht.
In der Gemeinde Hude war die Entscheidung vor gut drei Wochen im zuständigen Fachausschuss auf Antrag der Grünen noch vertagt worden, weil man zunächst das Ergebnis einer Windkraft-Potenzialflächenanalyse abwarten wollte, die der Landkreis Oldenburg an diesem Samstag, 7. Oktober, den politischen Gremien der kreisangehörigen Kommunen vorstellen wird. Forderungen, diesen Termin zunächst abzuwarten, wurden – fraktionsübergreifend – auch in der Ratssitzung in Ganderkesee laut.
Sieben Gegenstimmen
Annegret von Essen (Grüne) mutmaßte, dass der Landkreis Oldenburg sein Flächenziel bei der Windenergie auch erreichen könne und wolle, ohne Landschaftsschutzgebiete einzubeziehen. Auch Eike Brakmann (FDP), Andreas Kowitz (Linke) und der parteilose Ratsherr Martin Faqeri vermissten wichtige Fakten für eine Entscheidung. Faqeri stellte schließlich den Antrag, die Abstimmung zu vertagen – konnte aber am Ende nur sieben Ratskollegen für diesen Vorschlag gewinnen.
Am Ende stimmte eine breite Mehrheit für den Aufstellungsbeschluss – auch der Großteil der SPD-Fraktion, die sich in den Sitzungen zuvor noch nicht zu einem klaren „Ja“ zu den Windpark-Plänen im Moor hatte durchringen können. Klare Ablehnung signalisierte weiterhin Sozialdemokratin Christel Zießler, genau wie die vier Vertreter der Grünen, Faqeri und Kowitz. Brakmann und Cord Schütte (CDU) enthielten sich.
Gutachter-Vortrag
Zuvor hatte Gutachter Dr. Klaus Handke in einem Vortrag noch einmal das Ergebnis des fünfmonatigen Ringens um eine Kompromisslösung vorgestellt, die den Bau von Windenergieanlagen in Hohenböken ermöglicht, aber auch den besonderen ökologischen Wert der in Teilen unter Landschaftsschutz stehenden Flächen für gefährdete Brutvogelarten erhält. Kurz gesagt: eine Kombination aus Verschieben des Plangebiets in südlicher Richtung, dem Verzicht auf Anlagen in der „ornithologischen Kernfläche“ im Nordbereich und Ausgleichsmaßnahmen in eben diesem Bereich. Ohne Anpassungsmaßnahmen wie das Einstauen von Wasser würden die Flächen im Zuge des Klimawandels austrocknen und ihren herausragenden Wert für die Fauna verlieren, machte Handke deutlich.
„Viel dazugelernt“
Die Kompromisslösung hatten der Vorhabenträger, der Bremer Windkraftprojektierer wpd, Handke, der von wpd beauftragter Gutachter Dr. Marc Reichenbach, die Nabu-Ortsgruppen Ganderkesee und Hude sowie der Fuhrenkamp-Schutzverein zuvor gemeinsam erarbeitet. Er habe bei den Gesprächen viel dazugelernt, betonte wpd-Geschäftsführer Rami Ramadan. Besonders stellte er den respektvollen Umgang der Parteien miteinander heraus.
Annegret von Essen merkte nach den Vorträgen an, sie sei sich „zwischendurch vorgekommen wie bei einer Kaffeefahrt“. Weiter kritisierte sie: Der Kompromiss beziehe sich lediglich auf die Brutvogelpopulation, während der Aspekt des Moores außer Acht gelassen werde. Ihre Fraktionskollegin Annett Becker-Edert zeigte sich zudem überrascht, dass der Wert des Sielingsees als Naherholungsgebiet nie thematisiert worden sei.
