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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Porträt: 90 Tage Herr über 8800 Hektar

04.09.2014

Schierbrok /Windhoek „Der Hut ist das wichtigste Kleidungsstück“, weiß Hillard Bley. „Die Sonne brennt den ganzen Tag.“ Und ein weiterer Tipp: „Stets die Türen im Haus geschlossen halten! Sonst kommen Schlangen rein.“ – 90 Tage lang war der pensionierte Polizist aus Schierbrok als „Farmsitter“ in Namibia, im südwestlichen Afrika, im Einsatz. Nun ist er zurück und hat viel zu erzählen.

Namibia

Das Land, bis Ende des Ersten Weltkriegs deutsche Kolonie, liegt im südlichen Afrika. Der Name des Staates leitet sich von der Wüste Namib ab, die den gesamten Küstenraum des Landes einnimmt. Er wurde bei der Unabhängigkeit als neu­trale Bezeichnung gewählt, um keines der vielen namibischen Völker zu benachteiligen.

Seit 1990 ist das Land unabhängig von Südafrika. Das Land hat etwa 2,1 Millionen Einwohner und ist sehr dünn besiedelt. Etwa die Hälfte der Bevölkerung lebt unter der internationalen Armutsgrenze.

Otjitoroa liegt etwa 100 Kilometer südlich der Etosha-Pfanne, des größten Nationalparks Namibias.

Seit Bruder Ernst hatte ihm im März eine kleine Notiz im Newsletter der Deutsch-Namibischen Gesellschaft zugesandt: „Für eine Jagdfarm in Namibia wird für drei Monate ein Farmsitter gesucht!“. Da Verwandte von Bley 1928 in das Land ausgewandert waren und er Namibia schon 1998 und 2003 bereist hatte, ließ ihn der Gedanke nicht mehr los. Zumal der gebürtige Ostfriese auch gelernter Landwirt ist. Als Ehefrau Anneliese „grünes Licht“ gegeben hatte, traf er sich in Bremen mit Dr. Johanne Scholtissek von der Eigentümerfamilie und ihrem Sohn Yannik. Am 1. Mai erfolgte die Zusage, und bereits am 27. Mai saß Bley im Flugzeug Richtung Südafrika.

10 000 Grasballen

Nach der Landung in Windhoek ging es im Geländewagen zur Jagdfarm Ortji­toroa – was etwa „ausgewählter Platz“ bedeutet. Schon die Anfahrt erwies sich als Abenteuer: Linksverkehr, fast 200 Kilometer durch Gras- und Buschland, am Umspannwerk von der Hauptstraße abfahren, 20 Kilometer über eine Schotterpiste und den Zaun entlang Richtung Farmhaus, das 1904 im Kolonialstil erbaut wurde. Dort wies ihn Farmer Henning Kruse ein. Von nun an war Bley drei Monate lang verantwortlich für eine Farm mit einer Fläche von 88 Quadratkilometer. „Das sind etwa zwei Drittel der Fläche der Gemeinde Ganderkesee“, zieht er einen Vergleich.

Was für Touristen die Erfüllung eines lang gehegten Urlaubstraums, ist für die Gastgeber mit harter Arbeit verbunden. „Bereits um 7 Uhr morgens ging es los“, erzählt der 64-Jährige. Gras mähen, Zäune reparieren, Wasserstellen kontrollieren und Windräder reparieren. Farmer Henning Kruse hatte ihm die einheimischen Mitarbeiter Ludwig, Metusal, Joshua und Hauswirtschafterin Isabell an die Seite gestellt. „Die waren technisch ganz hervorragend ausgebildet“, lobt Bley den Einsatz. Mitten im Gelände wurden Gitter geschweißt und Pumpen repariert. Treuer Begleiter war „Onka“, ein Hannoverscher Schweißhund.

Die Otjitoroa-Farm hält rund 200 Rinder. An einem Tag musste Bley Vieh zusammentreiben – zu Fuß. „Da bin ich etliche Kilometer gelaufen.“ Die Tiere erhielten Ohrmarken und Brandzeichen. Gelegentlich transportierte Bley Schlachttiere weg. Der „Farmsitter“ musste mehr als 10 000 Grasballen auf den schier unendlichen Flächen pressen – als Reserve für die Trockenperiode. Auch die Jagdgäste holte Bley ab.

Trafostation brennt

Nicht immer lief alles glatt. So fing eine Trafostation Feuer. „Fünf Tage lang hatten wir keinen Strom.“ Zudem sei 14 Tage lang das Telefon ausgefallen. Auf seinen Touren über Sand- und Schotterpisten hatte er mehrfach einen Plattfuß. „Besonders ärgerlich ist es, wenn sich Draht um die Achse wickelt“, erinnert sich Bley an eine weitere Episode.

Trotz der Aufgabenfülle blieb Zeit genug, die Schönheiten des Landes zu genießen: Bley schwärmt von der Artenvielfalt – von Springböcken bis Kudu – und den malerischen Sonnenuntergängen. „Es ist so ruhig, da kann man in zehn Metern Entfernung einen Schmetterling hören.“ Erfreut hat ihn auch Hinrich Stechmann (84) von der Nach­barfarm: Der sprach Plattdeutsch mit ihm. Im Rahmen eines Kurztrips an die Atlantikküste traf er in Swakopmund Bruder und Schwägerin, die dort Urlaub machten.

Die Familie Scholtissek hat Hillard Bley bereits gefragt, ob er erneut als „Farmsitter“ zur Verfügung steht. Die Zusage fiel nicht schwer – mit einer Einschränkung: „90 Tage waren doch sehr lang!“

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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