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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Alles im Rahmen der Heimat

30.05.2014

Dötlingen /Vossberg /Wildeshausen „Früher wurden Autos noch aufgemotzt. Heute macht das kein Mensch mehr. Da werden Fahrzeuge geleast. Airbrush ist vorbei. Epochen ändern sich halt.“ Wolfgang Rohenkohl lässt seinen Blick durch das Vossberger Wohnzimmer schweifen.

Wehmütig? „Nein. Man muss mit der Zeit gehen.“ Ein paar Relikte aus der goldenen Schaffensperiode in den wilden 80ern hat sich der Künstler bewahrt: Auf Leinwand, Fotos – und Jahrmarktkarussells sind seine Airbrush-Bilder noch immer zu bewundern. „Ich hab’ die Szene damals in Bremen ins Leben gerufen“, sagt der 64-Jährige. Als keiner mehr gesprühte Kunstwerke auf der Motorhaube herumkutschieren wollte, hat sich der Werbetechniker 20 Jahre Beruf statt Berufung gewidmet.

Den Pinsel hat der gebürtige Wildeshauser schon als Sechsjähriger geschwungen: „Mit Ölmalerei hat es angefangen.“ Dahin ist Wolfgang Rohenkohl nun zurückgekehrt: Zwischen Couchgarnitur und Wohnzimmertisch steht eine Staffelei. Dahinter stapeln sich Tuben, Spachtel, Schwämmchen und Pinsel in allen Größen. „So kurz vor dem Ruhestand wollte ich meine Kreativität wieder rausholen“, sagt der Dötlinger. Diesmal soll sie bleiben – auch für die Nachwelt: „Ich male Denkmäler“, sagt er und deutet auf das aktuelle Werk – der Wildeshauser Bahnhof um 1900. „So kennt den keiner mehr. Mit dem Anbau. Und in Farbe.“ Recherche und Fotocollage ermöglichen Künstler und später Betrachter einen realistischen Rückblick.

Momentan sind alle Augen jedoch auf das aktuelle Projekt gerichtet: Kurz vor den Festtagen hat der Dötlinger den zweiten Teil seines Gilde-Zyklus vollendet. Nach den Trommlern im Vorjahr hat er diesmal den Musikkorps Wittekind auf Leinwand verewigt. Zweieinhalb Monate hat er an dem Acrylbild gesessen: „Nach der Arbeit, richtig schweißtreibend.“ Das Erstlingswerk der geplanten Serie um alle Wildeshauser Musikzüge ziert inzwischen eine Vitrine im Rathaus – sein Beitrag zum 2014er-Gildefest prangt nun im Schaufenster des Friseursalons Garmhausen – gut sichtbar für alle Vorbeimarschierenden und Zuschauer. Zu letzteren gehört der Künstler selbst: „Aktiv beteilige ich mich nicht – aber als Wildeshauser ist man immer irgendwie mit der Gilde verwachsen.“

Nach 33 Jahren Abstinenz ist er an die Stadtgrenze der Heimat zurückgekehrt, hat das Haus in Vossberg gekauft – und freut sich auf den Ruhestand: „Ich hoffe, mir mit dem Malen meine Rente etwas aufbessern zu können“, sagt er. Auftragsarbeiten nimmt er jetzt schon an und verewigt Enkel mit leuchtenden Kinderaugen für glückliche Großmütter. Die Gilde-Bilder sind honorarfrei – ein Geschenk ans Zuhause.

Von einigen Relikten vergangener Tage mag sich Wolfgang Rohenkohl nicht trennen: Die verbleibenden Airbrush-Bilder behält er, trotz hoher Gebote bleiben sie unverkäuflich – eine Erinnerung an die Zeiten, in denen Autos noch aufgemotzt und besprüht wurden. Jetzt ist eine neue Epoche für Wolfgang Rohenkohl angebrochen: „Wenn die Sonne scheint, bin ich im Garten – wenn es regnet, male ich.“

Lea Bernsmann
Redakteurin
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2106

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Musikkorps Wittekind

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