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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Auf die Form der Risse kommt es an

19.05.2006

Spargel ab Hof und tolle Rezeptideen

Rund die Hälfte des Spargels liefert der Hof Schwarting direkt an die Gastronomie in Ganderkesee und umzu. Die andere Hälfte wird im Hofladen (Thienfelde 3) verkauft. Dort gibt es auch ausgefallene Rezepte, wie:

Pikante Spargelsuppe

Den geschälten Spargel (500 g) in drei Zentimeter lange Stücke schneiden, ein Esslöffel Öl in einem großen Topf erhitzen und 300 g Hackfleisch (halb und halb) unter Rühren anbraten. Spargelstücke dazugeben und kurz anbraten. Mit einem Liter Gemüsebrühe übergießen und 15 Minuten bei geschlossenem Deckel und schwacher Hitze kochen lassen. 150 g Crème fraiche unterrühren, kurz aufkochen und die Suppe mit Salz und Curry abschmecken, 2 Esslöffel gehackte Kräuter vor dem Servieren unterrühren.

Fünf Kilo kamen in der ersten Stunde zusammen. Die polnischen „Profis“ schafften ein Vielfaches.

Von Markus minten GANDERKESEE - Der Autor dieser Zeilen weiß es immer noch nicht zu deuten, dieses „Viel Spaß“, das ihm seine Kollegen zugerufen haben, als er die Redaktion Richtung Spargelfeld verließ. War es ehrlich gemeint oder doch ironisch?

Dass sie mir aber überhaupt etwas zugerufen haben, bedeutet immerhin, dass ich nicht morgens um 5.30 Uhr aufs Feld musste. Da konnten mich Thorben und Rudolf Schwarting nicht so recht brauchen. Da muss es möglichst schnell gehen mit dem Spargelstechen, für Erklärungen bleibt da keine Zeit.

Zur Schicht am Nachmittag darf ich dann aufs Feld. Mit Seniorchef Rudolf Schwarting folge ich den vier polnischen Erntehelfern Tomek Mlodzieniak, seinem Vater Jan, seiner Schwägerin Mirka und seinem Schwiegervater Marian Debczak auf das 1,2 Hektar große Spargelfeld neben dem Flugplatz.

Dort gibt es eine kurze Einweisung: Entdecken des Spargels, Zeige- und Ringfinger neben die Stange in die Erde Bohren und diese beiseite ziehen, Spargelstechmesser ansetzen und rund 25 cm lange Stangen abstechen, schließlich noch das Loch im Wall mit der Kelle verfüllen. Klingt nicht besonders schwierig, und sieht bei Rudolf Schwarting auch nicht besonders schwierig aus.

Also frisch ans Werk. Die ersten Stangen zeigt mir der Chef noch. Feine Risse im Erdwall deuten auf Spargel hin, der ans Licht strebt. Das gelte es aber zu verhindern, so Schwarting. Kommt der zarte Kopf nämlich erst einmal an die Sonne, wird er schnell violett und ist nicht mehr als 1. Klasse zu verkaufen.

Doch schnell muss ich feststellen, dass sich längst nicht unter jedem Riss wirklich eines der edlen Liliengewächse verbirgt, die in China schon vor 5000 Jahren als Arznei gegen Husten und Harnprobleme Anwendung fanden. Die meisten sind durch die Sonneneinstrahlung in der trockenen Erde entstanden.

Erneut hilft Profi Schwarting: Kreuzförmig sollten die Risse sein. Jetzt klappt’s besser. Immer schneller finde ich die Stangen, immer seltener grabe ich mit zwei Fingern im Nichts. „Das klappt ja schon ganz gut“, lobt Schwarting. Naja, denke ich beim Blick auf die anderen vier Erntehelfer. Tomek, Jan, Mirka und Marian nehmen gerade ihrer zweiten Reihe in Angriff, und meine erste ist noch so lang. Aber: mein Korb füllt sich.

Da, schon wieder eine. Finger gestreckt und in die Erde gebohrt. „Die nicht“, bremst der Landwirt meinen Elan. „Die ist viel zu dünn. Das lohnt nicht.“ Dicker wird sie aber auch nicht werden. Schwarting sticht den zarten Kopf ab und lässt ihn liegen. „Dann wachsen die Triebe nicht weiter“, erklärt er das Verfahren, das Feinschmeckern Tränen in die Augen treibt. Auch wenn es schwer fällt, das Leckerste am Spargel zu vernichten, es macht Sinn. Einmal ans Licht getreten, verfärbt sich der Spargel, wie ich jetzt weiß, schnell. Und wenn das bei dünnen Stangen passiere, so Schwarting, stehe der Aufwand, sie zu stechen, in keinem Verhältnis zum Erlös, den man damit erziele.

Endlich ist das Ende meiner ersten Reihe erreicht – die vier Polen, die teilweise schon im fünften Jahr bei Schwarting arbeiten, haben derweil ihre jeweils dritte begonnen. Und langsam merke ich meinen Rücken. Immerhin muss ich meine 1,93 Meter ja auch ziemlich tief einknicken, um an das begehrte Gemüse zu gelangen. Doch auch da spendet Schwarting Trost. „Letzte Woche kam man gar nicht mehr hoch. So dicht stand der Spargel.“ Schon wieder Glück gehabt. Die gesunkenen Temperaturen haben das Wachstum des Spargels deutlich gebremst. So kann ich auch mal ein paar Meter aufrecht gehen, bis die nächste Spargelstange ans Licht strebt.

Nach einer Stunde ist der erste Sammelkorb gefüllt. Fünf Kilo schätzt Schwarting, als ich meine erste Spargelernte zum Schlepper am Rand des Feldes bringe. Dort folgt aber eine weitere Ernüchterung: Was meine vier polnischen Kollegen in der selben Zeit gesammelt haben ist deutlich mehr als die vierfache Menge.

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