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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Auf die Schnelle um Jahre gealtert

18.10.2011
NWZonline.de NWZonline 2015-07-30T13:55:11Z 280 158

Geschichte:
Auf die Schnelle um Jahre gealtert

HABBRüGGE Im Jahr 2005 wollten wir 800 Jahre Habbrügge feiern. Das war Anlass für mich, die Habbrügger und Falkenburger Geschichte aufzuschreiben. Die Falkenburgerin Hanna Sprock hatte durch jahrelange Forschung große Vorarbeit dazu geleistet. Diverse Zufälle sorgten jedoch dafür, dass die Geschichte neu geschrieben werden musste.

Ich bin um ein paar Ecken mit Dirk Zoller verwandt. Dessen Vater Dr. Dieter Zoller war früher Bezirksarchäologe in Oldenburg. Die Frage lag nahe für mich, ob er Unterlagen von seinem Vater über unsere Habbrügger Turmhügelburg hat. Damals wusste ich noch nicht, dass auch Dirk Zoller ein Experte auf dem Gebiet der Archäologie ist, insbesondere zum Thema Turmhügelburgen.

Staatsarchiv keine Hilfe

Prompt fand er in seinem eigenen Buchbestand gleich mehrere Abschriften von Urkunden aus der Zeit vor 1205, dem bis dahin bekannten frühesten Jahr der ersten ur-kundlichen Erwähnung Habbrügges. Die älteste Urkunde, die Dirk Zoller jedoch in den Regesten von Bremen gefunden hatte, stammte nach den Angaben des Urkundenbuches von 1189. In ihr wird ein Henric de Hachbruche erwähnt.

Habbrügge war nun also plötzlich 816 Jahre alt. Hanna Sprock war schon einmal ganz dicht dran gewesen, diese Urkunde zu finden. Aber auf eine entsprechende Nachfrage an das Bremer Staatsarchiv hatte sie vor etwa 20 Jahren von dort die lapidare Auskunft erhalten: Hier ist alles verbrannt!

Dirk Zoller wies mich auf eine Dissertation des Historikers Prof. Dr. Dr. Hans-Georg Trüper hin, die seitenlange Ausführungen zu den Habbrügger Rittern enthält. In einem langen Telefonat mit dem Autor erfuhr ich von der Bedeutung der Ritter von Habbrügge. Sie gehörten jahrzehntelang zu den vier höchsten Beamten des Erzbischofs in Bremen und waren als Truchsess für die gesamte Hofverwaltung des Bischofs zuständig. Die Habbrügger besaßen eine weitere Burg in Seehausen bei Bremen und verwalteten zeitweise die Burg Schlutter.

Letzter Stand der Dinge

Einige Wochen später dann die nächste Wende: Professor Trüper teilte mir mit, dass die erwähnte Urkunde von 1189 im Mittelalter falsch datiert worden war. Er und der Historiker Dr. Bernd Ulrich Hucker hätten inzwischen sicher festgestellt, dass die Urkunde dem Jahr 1196 zugeordnet werden müsse. Habbrügge wurde also wieder jünger.

Aber das war nicht die letzte Überraschung: Im Februar 2005 erhielt ich zeitgleich einen Brief von Dr. Adolf E. Hofmeister aus Bremen und eine E-Mail von Professor Trüper mit der gleichen Mitteilung (ich glaube nicht, dass die beiden sich abgesprochen hatten): Habbrügge ist doch noch wieder älter! Die erste urkundliche Erwähnung von Habbrügge sei bereits im Jahre 1185 gewesen, erfuhr ich.

Das ist jetzt also der letzte Stand der Dinge. Die Urkunde von 1185 ist leider nicht mehr im Original erhalten. Es gibt nur noch eine Abschrift.

Suche nach der Burg

Doch zurück zum Ursprung meiner Recherche: der Suche nach der Turmhügelburg. Aus alten Landkarten wussten wir so ungefähr, wo sie gewesen sein musste. Im Januar 2005 war das Wetter so warm, dass sogar das Gras wuchs. Die Sonne stand tief. Das waren die besten Voraussetzungen, um durch Fotos aus der Luft noch Umrisse der Burg zu finden und so den genauen Standort und die Größe der Burg festzustellen.

Erkenntnisse aus der Luft

Ich rief einen Falkenburger Piloten an und fragte, ob er mit mir fliegen könne. Eine halbe Stunde später kreisten wir mehrfach um den vermutlichen Standort der Burg – und wir entdeckten die Umrisse – auf einer Weide im Orth, zwischen dem Hof Abel und der Welse. Die Fotos waren eine große Hilfe für Dirk E. Zoller, der eine Expertise zur Turmhügelburg erstellte. Innerhalb weniger Wochen war Habbrügge 20 Jahre älter, die Bedeutung der Habbrügger Ritter bekannt und die Turmhügelburg gefunden – so spannend kann Heimatgeschichte sein.

Eigentlich sollte es nur eine Loseblattsammlung zur Geschichte von Falkenburg/Habbrügge werden, was Rita Bande da zur 800-Jahr-Feier der Bauerschaft erstellte. Die älteren Häuser und Höfe wollte sie darstellen, deren Geschichte erzählen und sie mit Bildern illustrieren. Aber denkste! Falkenburg und Habbrügge haben Geschichte – und zwar eine so packende, dass daraus am Ende ein 160-seitiges Buch wurde.

Rund fünf Monate brauchte Rita Bande, um dieses Buch zu erstellen. Dabei halfen insbesondere Hanna Sprock, die seit Jahrzehnten die ältere Geschichte von Falkenburg/Habbrügge recherchiert und Ausarbeitungen sowie Teile von Sammlungen beisteuerte, ebenso Heinz-Günther Vosgerau und Heino Tielking, die Fachbeiträge lieferten. Daneben konnte die Chronistin auf die Hilfe von Dirk Zoller, Prof. Dr. Hans G. Trüper, Dr. Adolf Hofmeister, Wolfgang Zoschke und Hermann Oltmanns bauen.

Das Buch ist 2005 erschienen, herausgegeben wurde es vom Ortsverein Falkenburg/Habbrügge. Es kostet 17,50 Euro und ist erhältlich im Bürgerbüro der Gemeinde Ganderkesee, im örtlichen Buchhandel sowie über das Internet.