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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Aus dem Keimling erwächst eine Knospe

06.10.2012
NWZonline.de NWZonline 2015-07-23T17:42:07Z 280 158

Kunstwerk:
Aus dem Keimling erwächst eine Knospe

Hude Eigentlich wollte sich der 72-jährige Wolf E. Schultz nach seinem 1000. Werk aus der aktiven Bildhauerei zurückziehen und keine großen Projekte mehr angehen. Doch der „Schnabelkeimling“ lässt ihn nicht los. Das Schicksal der von ihm gestalteten Bronzeplastik, die 17 Jahre vor dem Kreishaus in Wildeshausen stand, hat beim Huder Künstler zu einem Sinneswandel geführt. Das drei Meter hohe Kunstwerk wurde 2010 durch Metalldiebe zerstört. Die Täter hatten damals leichtes Spiel, da die Bronzeplastik Bauarbeiten weichen musste und ungesichert an die Straße gelegt wurde.

Für Schultz war der „Schnabelkeimling“ ein „Symbol der wehrhaften Demokratie“ – mithin zu wichtig, um das Werk in Vergessenheit geraten zu lassen. Gerade die jüngsten Geschehnisse um die rechte Terrorgruppe NSU haben Schultz dazu angetrieben, einen Nachfolger des „Schnabelkeimlings“ zu erstellen. Zwei Jahre hat die Weiterentwicklung gereift – jetzt ist die „Schnabelknospe“ vollendet. Noch steht sie verhüllt in seinem Huder Atelier und wird erst am Sonnabend, 13. Oktober, um 16 Uhr der Öffentlichkeit präsentiert. Und zwar am neuen Standort in Bremen vor dem Eingang des Naturerlebniszentrums „botanika“. Dessen Geschäftsführerin Petra Schäffer freut sich sehr über die künstlerische Bereicherung: „Mit der Schnabelknospe schaffen wir die inhaltliche Fortsetzung des ,Gartens der Menschenrechte’.“ Auf Bronzebändern sind entlang der Bremer Parkwege die 30 Artikel der UN-Menschenrechtskonvention verewigt.

Schultz möchte mit seinem Werk erneut ein Zeichen gegen den rechten Terror und Gewalt setzen. „Eine Demokratie muss Grenzen zeigen, wenn sie selber in Gefahr kommt – daher ist die Bronzeplastik nicht nur Knospe, sondern auch Schnabel, der zur Verteidigung genutzt werden kann und muss“, so Schultz.

Der 72-Jährige bedauert, dass das Thema heute aktueller denn je ist. Für Schultz, dessen Skulpturen im öffentlichen und privaten Raum zu finden sind, ist die neue Arbeit mit der Kraft und Zielstrebigkeit einer Wildpflanze zu vergleichen, die sich „nicht durch menschliche Anfeindung, Unachtsamkeit und Missachtung beirren lässt, sondern hoffnungsvoll weiter wächst“, so der Künstler über sein 750 Kilo schweres Werk.

Schultz hat dem Kreishaus vorab ein Vorkaufsrecht eingeräumt. „Nach der Absage freue ich mich ganz besonders, dass das Werk nun für einige Zeit vor der ,botanika’ in Bremen für Besucher zu sehen ist“, so der Bildhauer.

Der Künstler ließ das Werk auf eigene Rechnung gießen. Die geplante Enthüllung des drei Meter hohen und 1,30 Meter breiten Kunstwerks wird finanziell unterstürzt von der Volksbank Ganderkesee-Hude. Den feierlichen Akt nimmt die Artistin Anna Abrams aus der renommierten Londoner Zirkusschule „The Circus Space“ vor.

Schultz fühlt sich durch das aufkeimende Werk regelrecht beflügelt: „Seitdem arbeite ich wieder an neuen Skulpturen.“


Mehr Infos unter   www.wolf-e-schultz.de/schnabelknospe