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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Autopioniere geben Gas mit „Hudolin“

13.02.2009

HUDE Wer Anfang des 20. Jahrhunderts bereits ein Automobil mit Benzinmotor besaß, der konnte an Norddeutschlands Tankstellen seine Karosse mit „Hudolin“ befüllen lassen. Ein Liter Sprit kostete 22 Pfennige! Hude war Namensgeber für die Benzinmarke, die im 1890 gegründeten Werk der „Bremer Chemischen Fabrik AG“ hergestellt wurde. Kaufleute aus der Hansestadt hatten mit einem Aktienkapital von 700 000 Mark die Gesellschaft aus der Taufe gehoben und die Konzession für die Errichtung einer Fabrik in Hude erworben. Hude spielte also in den Anfängen der deutschen Mineralölwirtschaft, insbesondere der Benzinverarbeitung, eine bedeutende Rolle.

Die Entwicklung war eng mit Georg Bornemann verknüpft. Er hatte zusammen mit dem Chemiker Treupel zusammen von 1886 bis 1893 in Nordenham eine Benzinfabrik besessen. 200 000 Barrel wurden damals dort jährlich umgeschlagen, mehr als irgendwo sonst an der Nordseeküste, mehr als in Antwerpen und Rotterdam. Mit zunehmender Versandung des Weserhafens wurde der Handel jedoch unrentabel. Die Nordenhamer Firma wurde schließlich mit dem Huder Stammwerk der „Bremer Chemischen Fabrik AG“ verschmolzen, dessen Leitung Bornemann inne hatte. Dank Hudes günstiger Lage mit Bahnanschluss konnten Industriebetriebe auch im Ruhrgebiet und in Hannover beliefert werden.

Georg Bornemann, der ebenso kaufmännisch wie technisch begabte Werksleiter, gründete kurz vor der Jahrhundertwende noch ein Zweigwerk in Klaffenbach (Erzgebirge). Er organisierte die deutsche Benzinverarbeitung, die damals aus über 20 kleineren Betrieben bestand, und gründete die „Vereinigten Benzinfabriken“, deren Sitz zunächst Hude, später Berlin war.

In den Jahren vor dem 1. Weltkrieg war der Name Hude in der Benzinfabrikation durch Bornemann ein Begriff in ganz Deutschland geworden. Das Huder Fabrikgelände erstreckte sich von der Bahnlinie (Hohe Straße) bis zur Gartenstraße und von der Breslauer Straße bis zur Lerchenstraße. Das Rohbenzin, das aus dem Rohöl herausdestilliert wurde, musste von Amerika nach Deutschland importiert werden. Über Bremerhaven gelangte es in Eisenbahnwaggons auf das Huder Betriebsgelände. Hier wurde das Rohbenzin in große Vorratstanks gefüllt, in eine Destillationsblase im Destillationshaus gepumpt und mit Dampf aus dem Kesselhaus erhitzt. Das so gewonnene „Gasolin“ wurde zur Wollentfettung verwendet, Extraktionsbenzin benötigte man zur Herstellung von Seife aus Knochen, Waschbenzin zum Reinigen, Testbenzin zur Lackherstellung. 1911 hatte die Benzinproduktion einen Umfang von rund 10 000 Tonnen. Der Absatz erstreckte sich nicht nur auf Deutschland, die Benzinfabrik hatte weltweite Kunden, u. a. in

Südafrika.

Wegen Rohstoffmangels musste 1917 die Produktion eingestellt werden, wurde 1920 aber wieder aufgenommen. Ab den 20er Jahren wurde das benötigte Rohöl aus der Sowjetunion sowie Rumänien bezogen, die Importe aus den USA wurden komplett eingestellt. Die wirtschaftlichen Verhältnisse nach dem 1. Weltkrieg und der Bau der großen Raffinerien in Hamburg und anderen Hafenstädten ließen es nicht zu, das Huder Werk wiederzubeleben. 1928 wurde das Stammwerk in Hude stillgelegt und die Hauptverwaltung nach Klaffenbach bei Chemnitz verlagert.

Die Bemühungen von Otto Meyer-Bornemann, kurz vor dem endgültigen Abbruch, das Werk als moderne Mineralölraffinerie wiederzueröffnen, scheiterte an der Abwasserfrage, die in den Jahren vor dem 1. Weltkrieg, als das Nordenholzer Moor noch unbesiedelt war, keine Bedeutung gehabt hatte.

1936 begann der Abbruch des Werkes, 1937 wurden die Anlagen der Chemischen Fabrik gesprengt. Übrig geblieben sind bis heute ein Mehrfamilienhaus an der Breslauer Straße, in dem früher Arbeiter gewohnt haben, sowie drei Villen. Die prachtvollste Villa im westlichen Teil des Geländes war die des früheren Direktors Georg Bornemann. Das als „Haus Marienhude“ bekannte Gebäude wird heute vom Diakonischen Werk als Bildungsstätte für Zivildienstleistende genutzt. Die Villa des zweiten Prokuristen Hermann Luks ist das heutige katholische Pfarrhaus. Die dritte Villa, in den vergangenen Jahren von der Familie Mehrings stilvoll renoviert, war ein Verwaltungs- und Wohngebäude.

Stephan Onnen
Redakteur
Redaktion Oldenburg
Tel:
0441 9988 2114

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