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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Begegnung mit der eigenen Geschichte

31.10.2007
NWZonline.de NWZonline 2015-07-16T08:38:24Z 280 158

WESTERHOLTER ZIEGELEI:
Begegnung mit der eigenen Geschichte

WESTERHOLT Vorsichtig nimmt Robert Brockmann den Tonziegel in die Hand, so als könnte er jeden Moment zerbrechen. Doch das tut der im Vergleich zu modernen Klinkersteinen in der Tat weiche Stein natürlich nicht. Bis 1966 wurden Exemplare wie dieser in der alten Ziegelei in Westerholt produziert, dann schloss sie – wie viele andere Ziegeleien in der Region – für immer.

Für viele Besucher ist sie heute ein interessantes Museum, das Auskunft über die Geschichte dieser Produktionsweise gibt und darüber hinaus einige historische Maschinen zeigt. Es gibt im gesamten Weser-Ems-Gebiet keine zweite Ziegelei mehr, die diese Einblicke gewähren könnte. Für den 74-jährigen Brockmann, der mit seiner gleichaltrigen Frau Frieda für eine Woche aus dem fernen Esther bei Alberta (Kanada) angereist ist, bedeutet der Ort allerdings noch mehr. Hier haben seine Vorfahren über viele Jahrzehnte lang entscheidend die Geschicke der Ziegelei gelenkt. „Die Brockmanns stammen ursprünglich aus Lippe-Detmold und sind als absolute Experten für den Tonziegelbrand in Westerholt um 1840 angeheuert worden. Hier lernten sie ihre Frauen kennen und ließen sich nieder“, erzählt Frank Speckmann. Der an Heimatgeschichte sehr interessierte Westerholter hat u.a. die Familiengeschichte der Brockmanns durchleuchtet, er selbst ist über „viele, viele Ecken“ mit den in Kanada lebenden Brockmanns

verwandt.

Fest steht, dass der 1898 in Westerholt geborene Heinrich Brockmann, der wirtschaftlichen Misere in Deutschland entfliehen wollte und 1928 den Entschluss fasste, nach Kanada auszuwandern. Mit ihm ging damals seine Frau Frieda, geborene Schütte aus Tungeln. In Esther gründeten sie mit Erfolg eine Farm und bekamen drei Kinder. Das mittlere, jetzt selbst ein Mann im reifen Alter, ist Robert Brockmann. Zum vierten Mal ist er bereits in Deutschland, aber die Begegnung mit der alten Ziegelei und seiner eigenen Familiengeschichte hinterlässt einen besonderen Eindruck bei dem Auswanderer. Nachdenklich und ruhig mustert er die Maschine, die die im Ton vorhandenen Feuersteine zermahlte, und den Ringofen, der, auch 41 Jahre nachdem das letzte Feuer in ihm erlosch, immer noch eine besondere Kraft ausstrahlt.

Speckmann erntet überraschte Blicke, als er seinen Zuhörern erzählt, wie lange die Brockmanns als Vorarbeiter der Ziegelei arbeiteten. „Sie hatten 24 Stunden am Tag vor Ort zu sein, um jederzeit die Temperatur des Ofens kontrollieren und gegebenenfalls erhöhen zu können“, so der Heimathistoriker. Das Essen wurde den Männern von ihren Frauen oder Kindern gebracht. Zumindest das Aufwärmen war kein Problem, die Behälter wurden einfach in einen der vielen runden Schächte gehängt, über die auch das Brennmaterial in den Ofen gelangte.

Am Ende des gemeinsamen Rundgangs ist sich der Gast aus Kanada zumindest in einem Punkt sicher: „Häuser aus diesen Steinen müssen besser sein als unsere Holzhäuser.“