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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Bei Tierwohl kein Schwein gehabt

16.05.2015

Kirchkimmen „Wir möchten etwas tun“, sagt Landwirtschaftsmeister Herwig Blankemeyer aus Kirchkimmen. Und deshalb hat der 46-Jährige sich auch gleich angemeldet, um an der neuen „Initiative Tierwohl“ mit seinem Schweinemastbetrieb teilnehmen zu können.

Das Prinzip ist einfach: Landwirte, die weit über den gesetzlichen Rahmen hinaus freiwillig bestimmte Maßnahmen zur tiergerechteren Haltung umsetzen, erhalten unabhängig vom Marktpreis ein „Tierwohlentgelt“. Finanziert wird dieses durch die teilnehmenden Einzelhandelsketten. Seit Januar 2015 zahlen diese für jedes verkaufte Kilo Fleisch- und Wurstwaren vier Cent in einen Tierwohlfonds. Je nach Umfang der Maßnahmen gibt es pro Schwein einen bestimmten Betrag, um die Mindererlöse auszugleichen.

Einzelhandelsketten zahlen in Topf ein

Die Initiative Tierwohl hat nach eigenen Angaben in Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Wirtschaft messbare Tierwohlkriterien entwickelt, die deutlich über gesetzliche Regelungen hinausgehen und eine Erweiterung der in Deutschland anerkannten Qualitätssicherungssysteme darstellen. Landwirte, die freiwillig bestimmte Maßnahmen umsetzen, erhalten unabhängig vom Marktpreis ein Tierwohlentgelt.

Finanziert wird die Initiative durch teilnehmende Einzelhandelsketten. Seit dem 1. Januar 2015 zahlen sie für jedes verkaufte Kilo Fleisch und Wurst vier Cent in einen Tierwohlfonds.

Herwig Blankemeyer hat sich registrieren lassen. Er wollte sich bereiterklären, seinen Tieren zehn Prozent mehr Platz zu geben und ihnen zusätzliches organisches Beschäftigungsmaterial in die Boxen zu stellen. Zwei von mehreren möglichen Wahlpflichtkriterien, die erfüllt werden müssen.

Hinzu kommen Grundanforderungen: Mehr Tageslicht für die eingestallten Tiere zum Beispiel. Das ist bei einem neuen Stall, wie Familie Blankemeyer ihn vor etwas mehr als einem Jahr gebaut hat, schon Standard.

Zehn Prozent mehr Platz

Gefordert sind Stallklima- und Wassertränkescheck, Antibiotika-Monitoring, zertifizierte Qualitätssicherung und die Bereitschaft zur jährlichen Auditierung der Tierwohlkriterien.

Blankemeyer hat genau gerechnet. „Wir müssen schließlich Geld verdienen, damit wir unsere Familien ernähren können“, sagt der Landwirt.

Blankemeyer hat 1000 Mastplätze pro Durchgang. Im Jahr würde er etwa 290 Schweine weniger verkaufen können, wenn er den Tieren zehn Prozent mehr Platz gibt. Die Rechnung ging auf. 3,80 Euro pro Tier hätte er für den zusätzlichen Aufwand erstattet bekommen sowie pauschal 500 Euro im Jahr. Blankemeyer schuf die Voraussetzungen in seinem Stall. Doch das war erst einmal umsonst.

Der Initiative Tierwohl ist nämlich schon gleich beim Start das Geld ausgegangen. Insgesamt hatten sich 4653 Landwirte registrieren lassen, aber nur 2142 schweinehaltende Betriebe kommen zum Zuge.

Rang 353 der Warteliste

Herwig Blankemeyer ist nicht darunter. Er stehe auf Rang 353 der Warteliste, wurde ihm mitgeteilt. Irgendwie sei das zu erwarten gewesen, so Blankemeyer. Gleichwohl ist er enttäuscht. Schließlich ist er in Vorleistung gegangen und muss nun wieder zurückrudern.

Um wirtschaftlich überhaupt über die Runden zu kommen, wird er jetzt zunächst wieder die Tierzahlen auf das gesetzlich Erlaubte aufstocken. Auch in diesem Rahmen gehe es seinen Tieren gut, so Blankemeyer.

Jeder Euro zählt

In der Schweinemast zählt jeder Euro. Die Verdienstmargen sind eng. Als Nachrücker, so vertröstete man Blankemeyer, habe er, wenn er denn später zugelassen werde, fünf Monate Zeit, die Tierwohl-Kriterien wieder zu erfüllen.

Die Initiative Tierwohl hat offenbar nicht damit gerechnet, dass so viele Landwirte bereit sind, etwas zu tun. Sie brüstet sich nun damit, dass es mehr als zwölf Millionen Tieren künftig besser geht. „Es hätten auch 25 Millionen Tiere sein können“, sagt Blankemeyer. Logische Konsequenz sei für ihn, dass die beteiligten Unternehmen ihre Einzahlungen in den Topf erhöhten. Vier Cent pro Kilogramm Fleisch sind offenbar zu wenig.

Der Verbraucher, der von dieser Abgabe seit Januar kaum etwas gemerkt hat, wäre vermutlich auch bereit, mehr zu geben. Selbst acht bis zehn Cent pro Kilogramm würden kaum ins Gewicht fallen.

Dafür würden aber alle Antragsteller, die bereit sind, über das gesetzliche Maß hinaus, noch mehr für das Tierwohl zu tun, die Chance haben, bei der Initiative dabei zu sein.

Klaus Derke
Hude
Redaktion Hude
Tel:
04408 9988 2721

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