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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

„Task Force“ könnte Jungvögeln helfen

27.06.2019

Bergedorf Hans-Hubert Reisch nimmt in jedem Jahr tausende Fotos von Wildvögeln auf – doch was er am vorigen Sonntag nördlich der Bergedorfer Landstraße bei einer Fahrradtour entdeckte, das ließ das Herz des Naturfotografen aus Ganderkesee höher schlagen: Sechs Kiebitz-Küken und vier Elterntiere spazierten über eine frisch gemähte Wiese. Auf die Vögel aufmerksam geworden war Reisch aus der Ferne, als sich die Elternvögel Luftkämpfe mit Krähen lieferten.

Im Ganderkeseer Gemeindegebiet habe er Kiebitze bislang immer nur an der Sannauer Helmer gesehen, so Reisch. Sofort habe er kehrtgemacht, um von zu Hause seine Kameraausrüstung zu holen und das inzwischen vergleichsweise selten gewordene Bild festzuhalten.

Vom Aussterben bedroht ist der Kiebitz bislang noch nicht, doch auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands taucht die Art bereits in der nächsten Gefährdungsstufe, der Kategorie zwei, auf. In dieser sind stark gefährdete Arten verzeichnet.

Laut dem Ganderkeseer Landschaftsökologen Dr. Klaus Handke handelt es sich beim Kiebitz um einen Bodenbrüter, der in Kolonien brüte und sich auf diese Weise gegen Feinde verteidigen könne. Für ihre Nester bevorzuge die Art offene, baumarme Flächen mit fehlender oder kurzer Vegetation. Um den Nachwuchs erfolgreich aufzuziehen, benötigen Kiebitze laut Handke Flächen, die mindestens fünf Wochen lang nicht bearbeitet werden.

Als Hans-Hubert Reisch zwei Tage nach seiner Entdeckung abermals am Fundort der Kiebitze vorbeischaute, war auf der Fläche nördlich der Bergedorfer Landstraße nichts mehr von der kleinen Vogelkolonie zu sehen. Dafür beobachtete der Hobby-Fotograf auf der gegenüberliegenden Weide vier Altvögel und ein Kiebitz-Küken. Ob es die gleichen Tiere waren, wisse er natürlich nicht, sagt Reisch. Aber er habe sich gefragt: „Wie sollen die über die Straße gekommen sein?“

Unabhängig vom konkreten Fall: Dass die Anzahl der Kiebitze in den vergangenen Jahrzehnten in Mitteleuropa stark zurückgegangen ist, hängt aus Sicht des Vogelexperten Handke mit der intensiven Nutzung der Agrarlandschaft zusammen. Ursprünglich habe die Art in Mooren, Überschwemmungswiesen und Steppen gebrütet, heute habe sich der Vogel jedoch als Kulturfolger auf Wiesen, Weiden und Äckern angesiedelt. Durch Räuber wie Rabenkrähe, Fuchs und Wiesel, aber auch durch intensive Bodenbearbeitung würden viele Gelege verloren gehen.

Für Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes Ganderkesee, ist der Anblick von Kiebitzen kein seltener. „Wir sehen die häufiger“, sagt er, als er von der Beobachtung des Fotografen hört. Zum Konflikt zwischen Artenschutz und Landwirtschaft hält er fest: „Wenn wir Nester sehen, fahren wir drumherum.“ Seine Berufskollegen und er seien „Tiermenschen“, von denen keiner mutwillig über Gelege fahre. Gleichwohl sei es bei der Arbeit im Grünland nahezu unmöglich, die gut getarnten Kiebitz-Eier aufzuspüren.

Dass die Kiebitze an der Bergedorfer Landstraße im Gras gebrütet haben, glaubt Wübbenhorst nicht. Dies sei seiner Erfahrung nach auf Ackerland wahrscheinlicher. Dort seien in diesem Jahr Konflikte bei der Bodenbearbeitung wetterbedingt ausgeblieben. „Wir haben früher geackert als der Kiebitz gelegt hat“, so der Ortslandvolk-Vorsitzende.

Der beste Gelegeschutz wäre aus seiner Sicht durch ein Miteinander von Landwirten und Naturschützern oder anderen freiwilligen Helfern zu erreichen, wie er andernorts bereits praktiziert wird. „Wir bräuchten idealerweise eine kurzfristig abrufbare Task Force, die über die Flächen geht und Nester markiert“, sagt Wübbenhorst. Der Einsatz müsse aber natürlich auf beiden Seiten auf freiwilliger Basis erfolgen, betont er.

Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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