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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

„Billiges Fleisch letztlich teuer“

05.09.2011

AMELHAUSEN „Hier findet eine fahrlässige Körperverletzung statt“, erzürnte sich Wilfried Papenhusen, Sprecher des neuen „Bündnisses für Mensch, Umwelt und Tier“ (MUT). Andere Zuhörer riefen dazu auf, den Fleischkonsum einzuschränken. Die Intensivtierhaltung stand am Freitagabend im Mittelpunkt eines Info-Abends der Initiative MUT im Hotel und Restaurant „Gut Moorbeck“. Der Vortrag des Allgemeinmediziners Dr. Thomas Fein aus Norden (Ostfriesland) bewegte die gut 25 Zuhörer im Saal.

Fein (51) hat gemeinsam mit zwei weiteren Medizinern die Studie „Gesundheitsgefährdung durch Hähnchenmastanlagen der Intensivtierhaltung“ verfasst. Die Autoren befassen sich unter anderem mit der Luftbelastung durch Bioaerosole und Keime, den Antibiotika-Verbrauch in der Intensivtierhaltung und mit Krankheitserregern. „Hähnchenmastanlagen sind eine erhebliche Quelle für Bakterien wie Staphylokokken, für Endotoxine sowie für Schimmelpilze, die mit der Stallabluft in die Umgebung abgegeben werden.“ Fast alle Entlüftungsanlagen bei Hähnchenmastställen würden ohne Filter gebaut. Fein zufolge gibt es eine starke Abhängigkeit der Keimemissionen vom Tierbesatz. „Die höchsten Emissionen werden in den letzten beiden Mastwochen erreicht.“

Durch die Stallabluft würden die Keime weit mehr als 500 Meter verfrachtet, so der Mediziner unter Berufung auf Messergebnisse. „An die Staubpartikel heften sich giftige Gase, Antibiotika-Rückstände, Bakterien, Pilze und vieles mehr.“ Noch beim Transport in den Schlachthof gelangten Darmbakterien in die Umwelt. Da die Exkremente der Tiere als Düngemittel zuhauf auf den Feldern landen, hielten sich die Biotoxine dort für mehrere Jahre. Sie spielten durchaus eine Rolle bei der Entwicklung von Atemwegserkrankungen.

Eines der größtem Probleme sei der steigende Einsatz von Arzneimitteln in der Geflügelmast. Bei einem Mastdurchgang von 30 Tagen würden an 13 Tagen Antibiotika eingesetzt, so der Gründer der Norder Bürgerinitiative gegen Massentierhaltung. Folge sei die Resistenzentwicklung bei Bakterien, insbesondere MRSA-Keime, die bereits im Auftauwasser von Mastgeflügel gefunden wurden. Weil es sich um „hochinfektiöses Material“ handele, riet Fein, bei der Zubereitung dieses Fleisches Einweg-Handschuhe zu benutzen. Angesichts der wachsenden Zahl von Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes komme das „billige Fleisch den Verbraucher teuer zu stehen“.

Uwe Behrens, Sprecher der BI gegen die geplante Mastanlage in Amelhausen-Moorbeck, rief dazu auf, im Naturpark Wildeshauser Geest auf eine nachhaltige Landwirtschaft zu drängen. Wie Papenhusen berichtete, wird das Bündnis MUT, an dem bereits zehn Initiativen und Verbände beteiligt sind (die NWZ  berichtete), in nächster Zeit das Gespräch mit Organisationen wie „Attack“ oder „Slow Food“ suchen. „Wir müssen uns besser vernetzen“, betonte er.

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