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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Spieldorf steht nach Großspende leer

20.01.2020

Bookholzberg Für die Ausbildung von Kosmetikerinnen in Bookholzberg ist der Stuhl nicht mehr zu verwenden: „Der ist nur mechanisch verstellbar, sowas will hier keiner mehr haben“, weiß Anna Sudek. Die Geschäftsbereichsleiterin der INN-tegrativ gGmbH ist zuständig für den Umzug des Kosmetikbereichs innerhalb des Berufsförderungswerks (BFW): Die bisherigen Räume im Spieldorf der ehemaligen Freilichtbühne werden nicht mehr benötigt – und viele Möbelstücke wie der türkisfarbene Stuhl ohne elektronische Funktionen können weg.

Aber nicht zum Sperrmüll. Sondern nach Gambia: „In unserer Station können wir den Stuhl für die Zahnbehandlung gebrauchen“, sagt Christian Göken. Oder auch für gynäkologische Zwecke. Und dass er nur von Hand zu verstellen ist, kommt sogar ganz gelegen – so oft wie in Gambia der Strom ausfällt.

Der Bookholzberger Christian Göken ist Vorsitzender des Vereins Riverboat Doctors International (RDI), er kümmert sich von Deutschland aus vor allem um die Organisation von Spenden für die vom Verein betriebene Gesundheitsstation in dem gambischen Dorf Buniadu. Und so eine große Sachspende auf einen Schlag wie jetzt im BFW hat er nach eigenen Angaben noch nie bekommen.

Was die „Riverboat Doctors“ In Gambia bewirken

Seit 2007 betreibt der in Bookholzberg ansässige Verein „Riverboat Doctors International“ (RDI) die Gesundheitsstation im Dorf Buniadu/Gambia. Mittlerweile kooperiert RDI mit der deutschen Projekthilfe Gambia, deren örtlicher Partner, die Nichtregierungsorganisation „Project Aid The Gambia“, die Projekte vor Ort betreut. Im August 2017 übernahm RDI auch die Leitung des Kindergartens, der sich neben der Gesundheitsstation befindet.

Im vergangenen Jahr wurden in der Gesundheitsstation rund 15 000 Patienten versorgt. Der Kindergarten betreut zurzeit 115 Mädchen und Jungen zwischen drei und sechs Jahren. In beiden Einrichtungen finden zahlreiche Einheimische Beschäftigung zu adäquaten Bedingungen. Aber auch viele Freiwillige aus Deutschland und anderen europäischen Ländern unterstützen das Projekt. Bis auf wenige Wochen im Jahr sind immer Ehrenamtliche im Einsatz.

Der Verein RDI wurde 2004 von einem damals in Ganderkesee lebenden Ehepaar gegründet, das auch mehrere Jahre lang die Gesundheitsstation leitete. Ursprünglich sollte in Gambia ein Lazarettschiff eingesetzt werden – daher der Name. Der Verein zählt rund 80 Mitglieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz und benötigt etwa 35 000 Euro im Jahr an Spendenmitteln, um die Einrichtungen betreiben zu können.

Mehr Infos unter rdi-ev.de

Sonnabend ab Hamburg

160 Tische, knapp 200 Stühle, mehr als 20 Schränke, ein Dutzend Tafeln, dazu medizinische Geräte und Büromaterial: Das alles – darunter übrigens auch ein paar Möbel aus dem Kindergarten in Falkenburg – wuchteten Göken und seine Helfer aus Familie und Freundeskreis am Sonnabend in einen großen Container, der schon am Freitagabend im Spieldorf abgestellt worden war. Am Montagmorgen wird er auf einen Sattelzug geladen und am nächsten Sonnabend von Hamburg aus verschifft. Am 23. Februar soll der Container in der gambischen Hauptstadt Banjul ankommen. Christian Göken wird am 6. März hinterherfliegen und die Verteilung der Möbel begleiten.

Nur einen kleinen Teil davon braucht RDI in der Gesundheitsstation. „Das meiste wird über unseren Partnerverein Project Aid in Gambia an Schulen, Kindergärten und Krankenhäuser verteilt“, erklärt Göken. Bedarf ist überall, und die Möbel aus dem BFW sind zwar größtenteils 20 Jahre alt und noch älter – aber stabil und von hoher Qualität. „Nur das, was wirklich nicht mehr zu gebrauchen war, bleibt hier und wird entsorgt“, sagt Anna Sudek.

Und dann stehen die alten, reetgedeckten Fachwerkhäuser – insgesamt ein Dutzend plus Nebengebäude – im ehemaligen Spieldorf der Freilichtbühne Bookholzberg komplett leer. Gebaut einst als Kulisse für die Masseninszenierungen während der NS-Zeit, genutzt später von der Landesversehrtenanstalt und danach über Jahrzehnte vom Berufsförderungswerk – und nun nicht mehr gebraucht?

Was wird aus Häusern?

Immerhin ein Gebäude, das sogenannte Haus 21, wird zurzeit saniert, um künftig das Informationszentrum Freilichtbühne Bookholzberg zu beherbergen. Für die übrigen Gebäude und auch die imposante Tribüne auf der anderen Seite des Wassergrabens sucht die INN-tegrativ nach einem „sinnvollen Nachnutzungskonzept“, wie Geschäftsführer Lars Pallinger vor einigen Wochen schon sagte. Der Erhalt unter Denkmalschutz verursacht dauerhaft hohe Kosten. Auch vor diesem Hintergrund ist der Eigentümer an einer schnellen Lösung interessiert.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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