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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Feuer und Glas lassen Kinder staunen

29.08.2018

Dötlingen Eine Stichflamme schießt aus dem Bunsenbrenner: Schnell dreht Helmut Sommer den Glaskolben durch das Feuer. Als er ihn wieder aus der Flamme zieht, hält der 64-Jährige eine gut 30 Zentimeter lange Tannenbaumspitze in den Händen. Helmut Sommer ist der letzte Glasbläser in seiner Familie und einer der letzten, die dieses Handwerk deutschlandweit betreiben.

Seit 35 Jahren arbeitet er als Glasbläser und besitzt eine eigene Werkstatt in Dörfles-Esbach bei Coburg. Dort arbeitet der 64-Jährige die eine Hälfte des Jahres mit vier anderen Glasbläsern und produziert seine Kunstwerke. In der anderen Zeit ist er anderweitig beschäftigt: „Dann toure ich mit meinem Wohnmobil durch Deutschland und besuche Schulen, Messen und verschiedene Märkte“, sagt Helmut Sommer.

So auch die Grundschule in Dötlingen. 56 Kinder der ersten und zweiten Klassen schauen ihm gebannt zu, während er Tannenbaumschmuck mit Farbe verziert und Schwäne aus einer einfachen Glasstange zieht. In seiner Werkstatt arbeitet er mit Temperaturen von bis zu 2000 Grad Celsius, erzählt er.

Nach getaner Arbeit dürfen die Grundschulkinder seine Produkte ausprobieren: Jaron (7) und Josie (6) schauen sich die geblasenen Schwäne an und pusten in ein Loch auf dem Rücken der Tiere. Es geht schnell: Die vorderen Reihen bekommen eine kleine Dusche, die aus den Schnäbeln der Schwäne schießt. Neben dekorativen Artikeln stellt Helmut Sommer nämlich auch Scherzartikel aus Glas her.

Mit seinem Wohnmobil fährt er in der Saison auch die zahlreichen Weihnachtsmärkte an, auf denen er seinen Tannenbaumschmuck verkauft. Insgesamt 50 000 Kilometer fährt der 64-Jährige im Jahr durch die Gegend. Früher waren es aber noch bis zu 80 000 Kilometer. Auch die Produktionszahlen seien stark zurückgegangen. „In der Werkstatt produzieren wir ein Fünftel der Glasprodukte wie früher“, sagt der Handwerker. Trotzdem laufe das Geschäft gut und er hätte sich für keinen anderen Beruf lieber entschieden, meint er.

Bereits in der dritten Generation arbeitet seine Familie in dem Gewerbe. Wenn Helmut Sommer aufhört in ein paar Jahren, verschwindet ein weiterer rar gewordener Glasbläser von der Bildfläche. „Es ist schade, dass so wenige sich für den Beruf begeistern“, sagt er, während er gläserne Kolben in eine Kiste packt. So richtig losreißen von seinem Beruf wird er sich aber wohl nie, meint er.


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