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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Eiche noch älter als die Pyramiden

06.04.2013

Charlottendorf-West /Göttingen Am Anfang war da nur der kleine See auf dem Acker. Immer wieder störte Wasser bei der landwirtschaftlichen Nutzung der Fläche, hartnäckig und mehr als an anderen Stellen. „Wir haben auf eine Moorlinse als Ursache getippt“, sagt der Charlottendorfer und Verpächter Achim Grätz. In 4,50 Meter Tiefe stieß der georderte Bagger in der Tat auf Moor – und festen Widerstand.

Der alte Baumstamm, den Grätz mit seinen Helfern im vorigen Jahr unweit der Lethe aus der Erde holte, liegt mittlerweile hinten im Garten. Wie er da so mit seinen ausgetrockneten, rissigen Ästen nach oben zeigt, sieht er ziemlich alt aus. Das war für den Charlottendorfer auch der Grund, wissenschaftliches Know-How hinzu zu ziehen.

„Etwa 250 Jahre dürfte die Eiche geworden sein, dann ist sie ins Moor gekippt“, schätzt Dr. Ulf Beichle und hantiert mit einem Zettel. Was der stellvertretende Direktor des Landesmuseums für Natur und Mensch dann sagt, sprengt das zeitliche Vorstellungsvermögen eines Menschen. „Wir haben es Schwarz auf Weiß aus Göttingen. Der erste Jahresring des Baums bildete sich 3105, der letzte 2881 vor Christi Geburt.“

5000 Jahren ist das her. Fachleute sprechen da noch von der Jungsteinzeit in Deutschland. Die Hochkultur der damaligen Zeit, Ägypten, sollte sich erst 200 Jahre später daran machen, die Pyramiden von Giseh zu bauen. Doch während sich die Steinbauten einer aufs Jahr exakten Datierung entziehen, gelingt dies Wissenschaftlern bei Bäumen immer besser. So wie in diesem Fall dem Labor für Dendroökologie am Albrecht-von–Haller-Institut für Pflanzenwissenschaften der Universität Göttingen. Die Wissenschaftler nutzen dabei die Eigenart der Bäume aus, jedes Jahr Wachstumsringe zu bilden (siehe Infobox). Alles, was die Experten für die jahresgenaue Datierung benötigten, war eine gut erhaltene Scheibe des Charlottendorfer Baumstamms.

Achim Grätz ist sich noch nicht ganz sicher, was nun mit dem beeindruckenden Relikt aus ferner Zeit geschehen soll. Das Moor- und Bauernmuseum in Benthullen, überlegt er, käme sicherlich als ein Ausstellungsort in Frage. Beim Thema Konservierung gibt Dr. Beichle in jedem Fall Entwarnung: „Das Holz ist so hart und ausgetrocknet, das hält quasi ewig. Moore sind so etwas wie die Geschichtsbücher für die ganze Welt.“

Werner Fademrecht
Hatten
Redaktion Wardenburg
Tel:
04407 9988 2731

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