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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Ein Fluss steht unter Strom

17.12.2013

Wildeshausen Es ist unangenehm an diesem Tag im Advent. Das graue Wetter lockt einen nicht gerade nach draußen, aber ich habe mich heute zum Elektrofischen verabredet. Das klingt originell.

Beim Elektrofischen wird Gleichstrom durchs Wasser geleitet. Die im Stromkreis befindlichen Fische werden leicht betäubt, eingefangen, abgelaicht und kurz darauf wieder frei gelassen. Die Tiere empfinden dabei keinen Schmerz.

Beim Treffen am Fischereiheim zeigt Alfred Finke, Ehrenvorsitzender des Fischereivereins, uns Gästen kurz das Bruthaus. Hier lagern die Früchte der bisherigen E-Fisch-Touren. „Wir haben in dieser Saison schon gut 30 Meerforellen und einen Lachs gefangen. Das ergibt mehr als 40 000 Eier“, berichtet Finke nicht ohne Stolz.

Damit Lachse und Meerforellen bei uns wieder heimisch werden, sorgt der Wildeshauser Fischereiverein seit Jahren für eine Renaturierung der Fließgewässer und Besatz, der aus abgestreiftem Fischlaich aufgezogen wird.

Handschuhe zugeklebt

Seit dem 2. November sind die Angler jedes Wochenende unterwegs. Der amtlich geprüfte E-Fischer Tobias Siemer belehrt uns vor dem Start über mögliche Gefahren bei unserem nachmittäglichen Treiben. Ganz wichtig: Wir dürfen unter keinen Umständen ins Wasser fassen.

Nachdem alle nötigen Geräte auf dem Anhänger verstaut sind, geht es per Auto zur Glaner Straße. Hier steigen Tobias Siemer, Marco Kuhn, Niklas Hülsmann und Kevin Utech in ihre wasserundurchlässigen Gummihosen. Sogar die Gummihandschuhe werden mit Klebestreifen versiegelt, schließlich werden die Vier bis in Brusthöhe durch die eiskalte Aue stiefeln.

„Heute ist bestimmt Dampf drauf, denn in den letzten Tagen ist viel Wasser gekommen“, ist Jens Pfänder, Vorsitzender des Fischereivereins, optimistisch.

An der Aue angekommen, steigen Tobias Siemer und Marco Kuhn mit ihren Gerätschaften vorsichtig ins Wasser.

Wir wandern derweil am Ufer nebenher. Es macht Spaß, mal wieder über Zäune zu klettern und vorbei an erstaunt guckenden Pferden und laut muhenden Kühen zu stiefeln. Gut, dass ich Gummistiefel an habe, denn es ist nicht nur sehr nass, sondern auch so manche Tretmine lauert auf der Strecke. Währenddessen marschiert Tobias Siemer mit dem schweren Generator auf dem Rücken und der Metallsonde in der Hand mit stoischer Ruhe gegen die Strömung an.

Auf einmal ist es soweit: Die erste Meerforelle trudelt leicht betäubt an die Wasseroberfläche. Kuhn fängt sie geschickt mit dem Kescher. Ich mache begeistert Fotos, aber mit Blick auf den angelegten Zollstock gibt Finke Entwarnung und den Fisch zurück ins Wasser. „Die Tiere müssen für unsere Zwecke größer als 45 Zentimeter und damit geschlechtsreif sein“, erläutert mir Frank Siemer.

Kurz darauf erwischt sein Bruder Tobias jedoch ein Exemplar, das nicht nur eindeutig größer ist, sondern dessen Kiefer auch zu einem wuchtigen Laichhaken umgeformt ist.

„Damit wollen die Männchen sich gegenseitig einschüchtern im Kampf um die meisten Weibchen“, erläutert mir Frank Siemer. Dabei nehmen sie sogar in Kauf, dass die Nahrungsaufnahme erheblich erschwert wird. Das kann man sich vorstellen wie einen Hirsch, der während der Brunft total abmagert.

Der Forellenbock kommt in den mitgebrachten grünen Metallkasten, der nun in schweißtreibender Arbeit von Niklas Hülsmann und Kevin Utech in der Aue mitgezogen wird.

Weiter geht es durch den diesigen Dezembernachmittag. „Heute stimmt eigentlich alles: Die Zeit ist richtig, es ist Wasser gekommen, aber trotzdem tut sich wenig“, meint Ralf Siemer mit Blick auf den bisher mageren Fang. „Das ist eben Natur“, sagt er achselzuckend.

Dass die Natur sich inzwischen aber auch ganz gut selbst zu helfen weiß, zeigen nicht nur die vielen kleine Fische, die die E-Fischer vorbei treiben lassen, sondern auch die aufgewühlten Kiesbetten in der Aue.

„Den Kies haben wir hier eingebracht, um den Fischen das Ablaichen zu erleichtern“, berichtet Ralf Siemer. Die sandigen Stellen zeigen, dass hier reges Treiben war. Zugleich sind sie für die E-Fischer Anlass, besonders aufmerksam zu sein, denn Männchen, die im Kies abgesamt haben, sind oft noch in der Nähe in der Hoffnung auf weitere Weibchen. „So sind sie, die Männchen“, sagt einer der Gäste unter allgemeinem Gelächter.

Als uns Jens Pfänder auf halber Strecke mit der schweren Ersatzbatterie entgegen kommt, ist noch immer kein weiterer Fang zu verbuchen. Doch nach der willkommenen Kaffeepause zum Aufwärmen läuft es besser. Zwei weitere Forellenmännchen, stolze 61 und 65 Zentimeter lang, landen im Kescher. Doch was immer noch fehlt, ist ein Weibchen.

Die letzte Strecke lassen wir Tobias Siemer und Patrick Kuhn allein ziehen, denn hier ist das Ufer nicht zugänglich.

Fischer haben Glück

Dann endlich, kurz vor Aumühle, ist den E-Fischern das Glück hold. Ein weiteres Männchen und ein Weibchen landen im Kescher. „Das Mädel ist zwar fast leer, aber vielleicht können wir noch ein paar Eier rauskitzeln“, hofft Ralf Siemer mit Blick auf den alles andere als dickbäuchigen Fisch.

Als wir die Station erreichen, wo Jens Pfänder und sein Team geparkt haben, wird es spannend. Marco Kuhn greift sich beherzt einen der Böcke und drückt strahlartig den weißen Samen in den bereit gehaltenen Becher. Fehlen noch die Eier. Die quellen auf sanften Druck orangefarben aus dem ersehnten Weibchen. Die kostbare Fracht wird dann ins Bruthaus gebracht.

Uta-Maria Kramer Wildeshausen / Redaktion Wildeshausen
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