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Schwerer Lasterunfall in Ahlhorn
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Aktualisiert vor 1 Minute.

Lkw-Fahrer Verliert Kontrolle
Schwerer Lasterunfall in Ahlhorn

NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Ein Wasserprojekt mit sehr viel Tiefgang

15.06.2017

Moorbek /Dötlingen /Großenkneten Von 1965 bis 1979 sind rund 5,7 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus der Bohrung Dötlingen T1 gefördert worden. Diese Bezeichnung irritiert etwas: Die Förderstelle befindet sich in Moorbek in der Gemeinde Großenkneten, zu erreichen über eine Stichstraße von der Kreisstraße 242. Das Gut Moorbeck ist nur wenige hundert Meter entfernt. In den vergangenen Jahrzehnten diente die Bohrung nur noch zur Beobachtung des Erdgasspeichers Dötlingen. Jetzt soll sie für den Konzern Exxon-Mobil neue Bedeutung gewinnen. Ab dem Jahr 2021 soll in Moorbek Lagerstättenwasser eingelagert werden.

So sieht der Solling-Sandstein aus 2680 Meter aus: So kleinteilig sind die Poren, in denen das Wasser gespeichert wird, dass sie mit bloßem Auge nicht zu erkennen sind. Die großen Löcher sind maschinell gebohrt. BILD: Exxon

neue Gesetzeslage zwingt zu neuen Lagerstätten

Die Gesetzeslage zur Ablagerung von Lagerstättenwasser hat sich im August 2016 gravierend geändert. Danach darf Lagerstättenwasser ab August 2021 nur noch in druckabgesenkten ehemaligen kohlenwasserstoffhaltigen Gesteinsformationen erfolgen (wie in Moorbek). Ab 2021 wird es ausschließlich in tiefliegende geologische Horizonte zurückgebracht, deren Druck durch die Erdgasförderung zuvor abgesenkt worden ist (Kreislaufgedanke). Bisher wurden Gesteinsschichten (Kalkarenit) genutzt, die als geologisch gut geeignet galten, dieses Wasser sicher aufzunehmen, aus denen aber zuvor kein Erdgas gefördert wurde. Industrieweit wurden bereits fünf von zehn Kalkarenit-Versenkbohrungen außer Betrieb genommen, die restlichen folgen bis spätestens 2021, so Exxon-Mobil.

Das Genehmigungsverfahren hat sich gravierend geändert. Bisher waren die Lagerstätten allein in Abstimmung mit den Behörden errichtet worden. Jetzt ist ein öffentliches bergrechtliches Planfeststellungsverfahren vorgeschrieben. Exxon-Mobil hatte im März die Aufsichtsbehörde, das Landesbergamt in Meppen, sowie Gemeinde und Landkreis informiert. Nach der Projektvorstellung beim Landkreis im April war die frühe Öffentlichkeitsbeteiligung am Dienstagabend der nächste Schritt. Hier sind Anregungen der Bürger bis zum 3. Juli möglich. Am Mittwoch folgte im Rathaus der „Scoping-Termin“. Es handelt sich um eine Antragskonferenz, in der unter anderem die Grundlagen der Umweltverträglichkeitsprüfung festgeschrieben werden. Im dritten Quartal 2018 soll der umfangreiche Antrag fertig sein. Er wird öffentlich ausgelegt. 2019 soll der Erörterungstermin sein und der Planfeststellungsbeschluss erfolgen. Im Jahr 2020 will Exxon mit den Umbauarbeiten in Moorbek beginnen, 2021 mit der Ablagerung von Lagerstättenwasser.

    www.erdgas-aus-deutschland.de

Mit zehn Mitarbeitern stellte Exxon unter der Leitung von Dr. Thorsten Hinz die Planung vor mehr als 50 Zuhörern am Dienstagabend in der Gaststätte Kempermann in Großenkneten vor. Zunächst geschah das durch einen Vortrag von Projektleiter Wolfgang Köbe, später durch direkte Gespräche mit den Gästen – darunter Knetens Bürgermeister Thorsten Schmidtke – vor den Infotafeln zu den verschiedenen Aspekten. Der Fragebedarf war hoch, auch Bedenken wurden reichlich geäußert. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Was ist überhaupt
Lagerstättenwasser
?

Mit dem Erdgas aus den Gesteinsporen (nur unter dem Mikroskop zu sehen) wird automatisch auch dieses Wasser an die Oberfläche gefördert und dann vom Gas getrennt. Im Lagerstättenwasser sind viele Salze und Mineralien gelöst, dazu kann es Kohlenwasserstoffe, Quecksilber und natürlich schwach radioaktive Stoffe enthalten. Diese Bestandteile werden in Sammeltanks „weitgehend“ vom Wasser getrennt und entsorgt, so Exxon. Über Versenkbohrungen soll das gesundheitsschädliche Wasser ab 2021 in druckgesenkte Lagerstätten (wie in Moorbek) zurückgeführt werden. Das gilt als Kreislauf.

Was passiert an der Oberfläche in Moorbek ?

Momentan befindet sich auf dem Gelände nur der obererdige Bohrlochabschluss. Dabei handelt es sich um ein mit hydraulischen Absperrschiebern ausgerüstetes Eruptionskreuz (E-Kreuz), Der Platz wird für die künftige Nutzung nach Nordwesten um zehn Meter erweitert. Neu aufgebaut werden zwei Tanks mit je 100 Kubikmeter Fassungsvermögen, Mess- und Pumpenhaus sowie eine Entladeeinrichtung für die Tankwagen mit Gaspendelung, so dass kein Gas ins Freie gelangen kann. In den Tanks frei werdendes Gas wird über einen Aktivkohlefilter gereinigt und bei Bedarf per Bodenfackel (bis zu sechs Meter hoch) verbrannt. Die vollautomatische Anlage wird fernüberwacht vom Exxon-Werk Großenkneten. Die Einmündung zur Kreisstraße wird auf 5,5 Meter verbreitert, damit sich zwei LKW begegnen können. Das Investitionsvolumen liegt bei 6,5 Millionen Euro.

Wie kommt das
Wasser zur Bohrstelle
?

Per Tankwagen. Drei bis sechs Tankkesselwagen werden täglich 60 bis 130 Kubikmeter Lagerstättenwasser anfahren und entladen. Die Entladevorgänge sind zwischen 6 und 20 Uhr geplant. Über einen neuen Förderstrang (der den bisherigen ersetzt) wird das Wasser in die Tiefe befördert.

Wo wird das Wasser
gespeichert?
?

In rund 2680 Meter Tiefe. Dort befindet sich der Solling-Sandstein, aus dessen (mit dem bloßen Auge nicht sichtbaren) Poren einst das Gas gefördert wurde. In die 25 Meter dicke Schicht lasse sich das Wasser gut einleiten, so die Fachleute. Der Grundwasserschutz sei sichergestellt. In einem Monitoring würde der Ist-Zustand des Grundwassers aufgenommen und regelmäßig kontrolliert, so der Konzern. Das über 2500 Meter mächtige Deckgebirge gewährleiste eine sichere Abtrennung zwischen den oberflächennahen süßwasserführenden Schichten und den Lagerstätten. 200 Meter Steinsalz und 1000 Meter dicke Tonschichten seien die geologischen Barrieren. Dabei bleibe man jederzeit unter dem ursprünglichen Druck. Die Aufnahmefähigkeit des Sandsteins sei gewaltig. Bis zum Jahr 2045 soll die Lagerstätte genutzt werden – mit insgesamt 25 000 Tankkesselwagenladungen.

Hat die Anlage etwas mit Fracking zu tun?

Nein, in der Region sei nichts gefrackt worden, so Köbe auf Nachfrage. Teilweise würde Lagerstättenwasser aus Bohrungen kommen, wo gefrackt worden sei. 2012 habe Exxon letztmals diese Technik anderenorts eingesetzt. Bisher seien „nirgends Spuren der Chemikalien gefunden worden“, so Köbe. 

Wie erdbebensicher ist die Lagerstätte?

Mehrfach hatten sich in den vergangenen Jahren leichte Erdbeben in der Gemeinde Großenkneten ereignet, insbesondere im Bereich um Hengstlage. Hier wird eine Verbindung mit der Erdgasförderung gesehen. In der engeren Umgebung von Dötlingen T1 sei mit keinen Beben zu rechnen, so die Aussage eines Gutachters, da es keine „vorgespannten Störungen“ in der Tiefe gebe. „Woher wissen wir, dass es bis 2045 keine Erschütterungen geben wird?“ so die Dötlingerin Marianne Steinkamp, denn: „Vor der Hacke ist es dunkel.“

Wonach fragten
die Zuhörer
?

Große Themen waren die Sicherheit der Anlage, die Stör­anfälligkeit, der Grundwasser- und der Gesundheitsschutz. Während Politik und Verwaltung aus der Gemeinde Dötlingen nicht vertreten waren, hakten besonders Vertreter der Nabu-Ortsgruppe Dötlingen und weitere Bürger aus der Nachbargemeinde kritisch nach – nicht zuletzt mit Blick auf den Erdgasspeicher in Dötlingen, den Exxon gerade aufgibt. Es wurde nach unabhängigen Gutachten gefragt, ebenso nach möglichen gesundheitlichen Schäden für die Bevölkerung, verbunden mit einer generellen Skepsis am Vorgehen der Erdgasproduzenten. So forderte der Grünen-Kreistagsabgeordnete Eduard Hüsers eine Ist-Analyse aller Häuser in der Umgebung, um später eventuelle Schäden nachweisen zu können. Er warf das „Beispiel Rotenburg“ mit einer „erhöhten Krebshäufigkeit“ ein, zuletzt durch einen NDR-Fernsehbericht großes Thema. Die Erdöl- und Erdgasproduzenten weisen die Vorwürfe entschieden zurück.

Den vom Gesetzgeber geforderten Kreislaufgedanken beim Lagerstättenwasser zweifelte Hüsers beim vorgestellten System an, da das Wasser aus anderen Bohrungen komme. Entgegnung von Wolfgang Köbe: „Das ist, als wenn Sie bei Edeka Pfandflaschen kaufen und bei Rewe abgeben.“

Ulrich Suttka Stv. Redaktionsleitung, Großenkneten/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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