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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Geschichte Ii: Ein Wilddieb spielt Gästeführer

24.01.2012

IMMER „Kennt Ihr den Hasen-Ahlers, die Goliath-Gestalt? Er ist zwar nicht von Adel, doch hat er viel Gewalt.“ – Es muss schon eine eigentümliche Szene gewesen sein, wenn Sonntags-Ausflügler aus Bremen vor rund 110 Jahren in Immer aus dem Zug stiegen. Da stand ein ergrauter Hüne auf dem Bahnsteig, in völlig zerschlissener Kleidung, der ihnen jetzt ein gesungenes Gedicht vortrug. „Hasen-Ahlers“ wurde der Publikumsmagnet genannt – Eremit und berühmtester Stühe-Bewohner, Wilddieb und Entertainer in einer Person.

Zunächst zu den Personalien. Hinrich Ahlers – so der bürgerliche Name des singenden Eremiten – wurde am 14. Oktober 1831 in Klattenhof geboren. In Brettorf ging er zur Schule. Wegen einer nicht standesgemäßen und deshalb verbotenen Liebe sei er später zum Einsiedler geworden, so hat Hertha Osterloh es viel später erklärt. Seit 1885 habe er in Immer gewohnt, erst in einem Schafkoven, später in einem massiven Gebäude.

„Luxus“ war im Leben des Hasen-Ahlers nicht zu entdecken. Zeitzeugen schilderten das genaue Gegenteil: Er habe auf Stroh geschlafen, ein zerrissener Teppich als Decke. Ärmlich und vielfach geflickt die Kleidung, die klotzigen Schuhe durch Bindfäden zusammengehalten.

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Die leidenschaftliche Wilderei brachte ihn des Öfteren ins Gefängnis – seine „Winter-Residenz“, wie der ansonsten freiheitsliebende Hasen-Ahlers es einmal dem Großherzog Peter von Oldenburg erklärt haben soll.

Ohnehin ranken sich etliche Geschichten um den Mann, der gerne auch „hohe Herren“ veräppelte und der, so sagte es Gästeführerin Helga Blobel einmal, „arbeiten konnte für zwei und essen konnte für drei“. Ein Beispiel? Der Hüne sei einmal ins Krankenhaus gekommen, sei dort gewaschen worden – und habe sich prompt erkältet. Die Erklärung liege auf der Hand: „Die Schutzschicht fehlte.“

Die Welt des Hasen-Ahlers änderte sich mit dem Jahr 1898 – als die Bahnlinie Delmenhorst-Hesepe gebaut wurde. Jetzt begann für Immer und auch das benachbarte Bürstel ein Aufschwung – und es kamen Ausflügler. Die konnten auf dem Weg zum Stühe in immerhin fünf Wirtshäusern Rast machen.

Für Hasen-Ahlers boten die Fremden eine ungeahnte Verdienstmöglichkeit im Rentenalter. Er nahm die Ausflügler schon am Bahnhof in Empfang, trug Lieder und Gedichte vor oder ließ sich – gegen einen Obolus – mit den Gästen fotografieren. „Leider setzte er den Erlös meistens in Getränke um“, bedauerte einst Hertha Osterloh.

Hasen-Ahlers starb am 26. Juli 1913. Seine Geschichten blieben.

  Über Hasen-Ahlers sind im örtlichen Buchhandel erhältlich: „Hasen-Ahlers – Der Wilddieb vom Stühe“ (Gerold Spille/Hermann Speckmann, 2007); „Neues von Hasen-Ahlers“ (H. Speckmann, 2010).

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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