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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

TRADITION: Eine „zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit“

30.06.2009

EMSTEK Wenn am Sonnabend nach Johanni Kanonenschüsse am Desum bei Emstek die Luft zerreißen, dann weiß man: Das erwürdige Gogericht tagt, das im früheren Lerigau auch für Wildeshausen zuständig war und heutzutage historische Rechtsfälle nachspielt und aktuelle exemplarisch verhandelt. Wie immer fragt dann der Gograf Willibald Meyer, ansonsten Bürgermeister von Goldenstedt, die Schöffen „ist es Stund’ und Stelle, hier ein offenes Ding zu hegen?“ Die klare Antwort des Urteilsweisen Josef Emke darauf: „Des Rechts zu pflegen, kommen wir bei Mittagshelle, um ein offenes Ding zu hegen. Beides ist es, Stund’ und Stelle.

So ging es in diesem Jahr um die Frage der Kostenübernahme beim Beseitigen von Bomben aus dem Zweiten Weltkrieg. Rechtsanwalt Ferdinand Wehage, Oldenburg, trug die „zum Himmel schreiende Ungerechtigkeit“ dem Gericht und den rund 300 Besuchern vor. Der Anwalt berichtete unter anderem von einem Fall, bei dem für das Beseitigen des Blindgängers der Wintergarten abgerissen und ein Loch ins Fundament des Hauses gebohrt werden musste. Den entstandenen Schaden von 50 000 Euro aber musste der Eigentümer selbst tragen.

Die Schöffen sprachen von einer nicht nachvollziehbaren Regelung, von „kleinkrämerhaften Verordnungen“. Das Urteil: Der Bürger muss befreit werden, von dem Druck des drohenden Ruins, wenn Kriegsmunition auf seinem Grundstück gefunden werde.

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Der historische Fall der Gerichtssitzung wurde in diesem Jahr von der Theatergruppe und den Heimatfreunden aus Goldenstedt gestaltet. Hierbei handelte es sich um einen Erhängten, um dessen Leichnam sich das Amt Vechta und Barnstorf stritten. Der Fall aus dem Jahr 1650 wurde von Dr. Bernhard Brockmann, Goldenstedt, aufgearbeitet. Im Streitgespräch mit wüsten Beschimpfungen standen sich der Drost zu Diepholz und der Drost zu Vechta unversöhnlich gegenüber. Die unterstützenden Bürger der Ämter heizten mit ihren Zwischenrufen die Stimmung auf dem Desum an. Bis plötzlich ein Reiter durch das Unterholz brach und die Kunde vom Verbrennen des Toten in Vechta brachte. „Die Vechteer un Gollensteer häbt vollendete Tatsachen geschaff.“ „Krieg! Krieg!“, riefen die Barnstorfer und Diepholzer. Für die Schöffen und den Urteilsweisen konnte es nur ein Urteil geben: „Wo nichts mehr ist, hat der Kaiser sein Recht verloren“.

Gograf Willibald Meyer verwies in seiner humorvollen Ansprache auf heutige Fälle von „Leichenklau“. Der gestohlene Leichnam des Milliardärs Friedrich Karl Flick etwa oder der des 13-jährigen Mädchens aus Wildeshausen vor etlichen Jahren, seien Beleg dafür, dass der 360 Jahre alte Fall noch höchste Aktualität besäße.

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