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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Erster Einsatz schon mit Vier

08.01.2011

Die Ortschaft Ganderkesee hatte 1939 rund 1500 Einwohner (heute ca. 9200) und am 5. September kam noch eine neue Erdenbürgerin dazu. An diesem Tag wurde ein kleines Mädchen geboren. Heute ist diese Frau mit Ganderkesee untrennbar verbunden.

Die Rede ist von Helga Kühn (geb. Schütte). Ihr Vater Gustav Schütte war Friseurmeister und machte sich schon mit 19 Jahren selbstständig. Zunächst in Falkenburg, dann, 1937, im „Haus Riedl“, wie Helga mir berichtet. Dieses stand auf dem heutigen Parkplatz der Volksbank Ganderkesee-Hude.

Schon als kleines Mädchen hatte sie immer großes Interesse an der Arbeit ihres Vaters. Helga war gerade vier Jahre alt, als ihre Mutter Grete Besuch hatte. In einem unbeobachteten Moment nahm die kleine Helga die zweijährige Tochter der Gäste mit in den Salon und schnitt ihr sämtliche Locken ab. Noch heute lacht Helga über ihren „ersten Einsatz“ als Friseurin.

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Schwere Kriegsjahre

Das war 1943. Und gerade diese Kriegsjahre waren auch für Familie Schütte nicht einfach. Als wäre es gestern gewesen, schildert mir Helga die Erlebnisse von den letzten Kriegstagen im April 1945. Mit ihren Nachbarn saßen Grete Schütte und die sechsjährige Helga im Keller, weil über Ganderkesee die Bomben fielen. „Als wir aus dem Keller kamen, war unser Haus dem Erdboden gleich gemacht. Kein Stein stand mehr auf den anderen. Dieses Bild werde ich in meinem Leben nicht vergessen“, erzählt Helga. Die Familien Petershagen und Lebherz stellten der jungen Familie zwei Zimmer in ihrem Haus zur Verfügung.

Nur einige Wochen später wurde Helgas Bruder Gerd-Dieter geboren, und mit der Rückkehr von Vater Gustav aus der Gefangenschaft im Sommer 1945 war die Familie wieder komplett. Gustav Schütte kaufte in Hengsterholz eine Baracke und baute diese auf dem damaligen Marktplatz auf: Familie Schütte hatte eine provisorische Wohnung, der Vater wieder seinen Friseursalon.

Aber schon 1950 zog Gustav Schütte mit Familie und Salon in das neu erbaute Gebäude „Am Ring“ ein. Ihren Vater Gustav hat Helga immer bewundert. „Mein Vater war ein guter Geschäftsmann, ein Dorfmensch und sehr gesellig!“ Da viele Bürger in Ganderkesee nach dem Krieg noch kein eigenes Badezimmer hatten, bot Gustav Schütte neben seinem Damen- und Herrensalon auch „Wellness“ an: Duschen für 75 Pfennig, einmal Baden für 1 Mark.

Für Helga war klar: Nach der Schule werde ich Friseurin. Nach der Ausbildung fing sie bei ihrem Vater an. „Da bekam ich keine „Extrawurst“, ich wurde so behandelt wie jede Angestellte von uns auch“, erzählt sie mir.

Bei einem Friseurwettbewerb lernte sie ihren Traummann Rolf Kühn kennen, der bei diesem Wettbewerb den ersten Preis gewann. Beim anschließenden Ball hatte Rolf noch ein anderes Mädel im Blick. Da dieses aber sehr früh nach Hause musste, ließ sich Helga die Chance nicht entgehen. 1958 wurde geheiratet, im selben Jahr wurde auch Sohn Ronald geboren. Salon Schütte war mit Gustav, Tochter Helga und Schwiegersohn Rolf ein richtiges Familienunternehmen. Heute führt ihr Sohn Ronald die Familientradition fort, und gerne hilft Helga bei Bedarf noch aus.

Erste Kinderprinzessin

Der Fasching in Ganderkesee feiert in diesem Jahr den 60. Geburtstag. Helga Kühn ist noch eine der wenigen, die 1951 schon mit dabei waren. „Fasching war für mich immer wie Heiligabend“, erzählt sie. Kein Wunder, denn ihr Vater Gustav war einer der Mitbegründer und viele Jahre einer der Aktivposten des Ganderkeseer Faschings. „Bei uns im Hause war immer viel los“, erinnert sich Helga.

1953 wurde Helga Kühn zur ersten Kinderprinzessin ernannt. Bei den Büttenabenden stand sie mit der Prinzengarde und später mit den „Ringtauben“ auf der Bühne. Mit August Oetken bildete sie 1969 das Prinzenpaar. Ihr Ehemann Rolf kam gebürtig aus Kirchseelte und hatte anfangs mit Fasching absolut nichts im Sinn. Das änderte sich schlagartig, als er 1963 zum Faschingsprinzen gekürt wurde.

Tränen beim Abschied

Als ich Helga frage, wie es denn war, als ihr Rolf 1982 zum Präsidenten der GGV gewählt wurde, winkt sie nur ab. „Hör auf! Nach einer Versammlung kam Rolf nach Hause und erzählte mir, dass er Nachfolger von Herbert Witte werden sollte. Ich war am Anfang sehr sauer, und wir hatten schon einen ,kleinen Krieg‘ deswegen. Wir hatten unser Geschäft, Rolf war zudem Obermeister der Friseurinnung und im Vorstand des Landesverbandes. Es war zu viel“, erzählt mir Helga mit ihrem Temperament. „Später war ich auf das, was er geleistet hat, doch stolz. Bei seiner Verabschiedung 1995 kamen mir dann auch die Tränen!“

Als Ehrenkappenträgerin ist Helga Kühn dem Fasching immer noch sehr eng verbunden. ,,Ohne Fasching und ohne mein Ganderkesee würde ich es nicht aushalten“, erzählt sie mir zum Abschied.

Helga Kühn, Friseurin, Faschingsveteranin und leidenschaftliche Ganderkeseerin

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