• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Feuer möglichst nach Feierabend

24.10.2007

GANDERKESEE Wenn’s schon brennt, dann lieber am Abend: „Nach 17 Uhr wird’s besser“, weiß Ganderkesees Ortsbrandmeister Rolf Meyer aus langjähriger Erfahrung. Tagsüber hingegen ist es für die Freiwilligen Feuerwehren oft gar nicht so einfach, möglichst schnell in Einsatzstärke auszurücken. „Früher konnte eine Wehr einen Einsatz meistens alleine leisten“, erinnert sich Ganderkesees Gemeindebrandmeister Horst-Dieter Meyer. „Heute alarmiert die Leitstelle meistens gleich eine zweite.“

Die Arbeitswelt wandelt sich rasant – und das bekommen auch die Freiwilligen Feuerwehren zu spüren. Zwar schreibt das Niedersächsische Brandschutzgesetz Arbeitgebern vor, die Brandbekämpfer für Einsätze und Ausbildung freizustellen. Aber in der Praxis ist das nicht immer unproblematisch: Zunehmender Arbeitsdruck, knappere Belegschaften und zum Teil weite Fahrten zur Montage bleiben nicht ohne Auswirkungen auf die Einsatzstärke der Freiwilligen Feuerwehren.

„Die Lage ist noch nicht so problematisch, dass es alarmierend wäre“, schränkt Horst-Dieter Meyer ein. Aber es gebe auch in der Gemeinde Ganderkesee Arbeitgeber, die den bei ihnen beschäftigten Feuerwehr-Kameraden Fesseln anlegten.

Die meisten Firmen freilich regeln das Problem konfliktfrei. Im Autohaus Hoppe in Ganderkesee sind drei der 20 Mitarbeiter in der Feuerwehr. Deren Bemühen, den ehrenamtlichen Dienst und die beruflichen Anforderungen unter einen Hut zu bekommen, wird von der Geschäftsleitung unterstützt: „Wenn es betrieblich irgendwie geht, rücken sie natürlich aus“, sagt Geschäftsführerin Mirja Hoppe. „Aber die Leute sehen auch, wenn es eng wird.“ Löschmeister Timo Stöver etwa arbeitet im Ersatzteillager – dort sind sie zu zweit: „Wenn mein Kollege nicht da ist, muss ich eben hierbleiben“, sagt er. Termine für Aus- und Fortbildung werden bei Hoppe frühzeitig besprochen. „Bisher hat das eigentlich immer geklappt“, lobt Hauptlöschmeister Andreas Müller, der in der Werkstatt arbeitet.

Gerade in kleineren Handwerksbetrieben kann ein Feuerwehr-Einsatz aber auch zum Problem werden. „Es kann natürlich nicht sein, dass der Betrieb gefährdet wird“, erklärt Michael Bruns von der Oldenburgischen Industrie- und Handelskammer. Andererseits, so Dirk Heitkötter vom Arbeitgeberverband Oldenburg, „wissen die Arbeitgeber, was sie an ihren Feuerwehrleuten haben.“

„Wir helfen dem Betrieb zum Beispiel durch Brandschutztipps“, erklärt Ganderkesees Ortsbrandmeister Rolf Meyer, der bei Atlas-Terex beschäftigt ist – „als einziger Ganderkeseer Feuerwehrmann“. Mit Kameraden aus anderen Wehren kommt Atlas-Terex aber auf zehn bis zwölf Feuerwehrleute unter den Beschäftigten. „Bei Einsätzen gibt es hier keine Probleme“, sagt Werksleiterin Nadine Reiners. Im Gegenteil: Die Fehlzeiten der Feuerwehr-Einsatzkräfte werden vom Betrieb voll bezahlt. „Das gab es hier schon immer“, lobt auch Rolf Meyer seinen Betrieb.

Das Steuerberatungsbüro von Heiko Mönning in Falkenburg kann schon mal verwaist sein, wenn’s brennt. „Wenn die Funkmelder anschlagen, laufen wir los“, berichtet Mitarbeiter Andreas Gillerke. Der Oberlöschmeister profitiert davon, dass sein Chef zugleich sein Kamerad ist: Hauptfeuerwehrmann Mönning bleibt allerdings schon mal sitzen, wenn er gerade ein Kundengespräch führt. „Bei mir als Sachbearbeiter ist das einfacher“, meint Gillerke. Am einfachsten aber ist es auch für ihn, wenn es erst nach Feierabend brennt.

Freistellung ist im Brandschutzgesetz geregelt

Paragraph 11 des Niedersächsischen Brandschutzgesetzes befasst sich mit der Freistellung von Feuerwehr-Männern und -Frauen durch ihren Arbeitgeber. Wörtlich heißt es im ersten Absatz: „Die Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehren verrichten ihren Dienst ehrenamtlich. Ihnen dürfen aus dieser Tätigkeit keine Nachteile in ihrem Arbeits- oder Dienstverhältnis erwachsen. Nehmen sie während der Arbeitszeit an Einsätzen oder an Aus- oder Fortbildungsveranstaltungen der Feuerwehr teil, so sind sie während der Dauer der Teilnahme, bei Einsätzen auch für den zur Wiederherstellung ihrer Arbeits- oder Dienstfähigkeit notwendigen Zeitraum danach, von der Arbeits- oder Dienstleistung freigestellt. Für die Teilnahme an Aus- oder Fortbildungsveranstaltungen während der Arbeitszeit besteht der Freistellungsanspruch nur, soweit nicht besondere Interessen des Arbeitgebers entgegenstehen.

„Wenn mein Kollege nicht da ist, muss ich eben

hierbleiben“

Timo Stöver

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
Rufen Sie mich an:
04222 8077 2741
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.