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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Förster aus Leidenschaft

09.01.2016

Der Hasbruch ist ein europaweit bedeutendes Naturschutzgebiet und dazu ein beliebtes Ausflugsziel. Heino Tielking (73) kennt den Hasbruch wie seine „Westentasche“, denn hier war er 30 Jahre als Revierförster tätig. Bei seiner Verabschiedung hieß es: „Sie waren in all den Jahren das Gesicht des Hasbruchs!“

Als Förster kümmerte sich Heino Tielking nicht nur um seine regulären Aufgaben wie Waldpflege und Jagd, sondern ganz besonders um den Waldnaturschutz und die Öffentlichkeitsarbeit. Gerade diese Öffentlichkeitsarbeit lag ihm sehr am Herzen. In vielen Büchern über den Hasbruch ist er als Mit-Autor vertreten.

Im „Vielstedter Bauernhaus“ gibt es eine Ausstellung mit alten Forstgeräten (1900 bis 1960). Die Idee dazu stammt von Heino Tielking, er hatte auch die 300 Ausstellungsstücke gesammelt. 35 Jahre war er im Vorstand der „Freunde des Hasbruchs“ – und er war auch einer der Initiatoren, die das traditionelle Hasbruchsingen wieder belebt hatten.

Dem Hasbruch war Heino Tielking nicht „nur“ durch den Beruf verbunden, vielmehr war und ist dieser Wald für ihn eine Herzensangelegenheit. „Mein Großvater August hat mich geprägt“, erzählt er mir.

Heino wurde in Hildesheim geboren. Sein Vater fiel im Krieg, als er gerade zwei Jahre alt war. Zusammen mit seiner Mutter und seinem älteren Bruder zog er dann zu den Großeltern, die auf der Elbinsel Krautsand lebten und dort einen Bauernhof hatten. „Hier hatte ich eine tolle Kindheit“, schwärmt Heino. Oft nahm ihn sein Großvater mit auf die Jagd, und schon in jungen Jahren war er fasziniert von der Natur.

Als er 13 Jahre alt war, heiratete seine Mutter erneut, und die Familie zog nach Stade. Auf der Realschule war Mathematik sein Lieblingsfach. „Ich hätte Banker werden können, aber nur im Büro sitzen? Nein, das konnte ich mir nicht vorstellen.“ So machte er eine Ausbildung zum Förster. Bevor er diese aber beginnen konnte, musste er sich in Barsinghausen einem mehrtägigen Test unterziehen. Von den zehn Anwärtern kam nur einer durch – Heino Tielking.

Die ersten eineinhalb Jahre seiner Ausbildung absolvierte er in einem Forstbetrieb in Rotenburg. „Es war nicht immer einfach, aber ich habe von der Pike auf alles gelernt!“ Freies Wochenende? Daran war nicht zu denken. „Nach Hause durfte ich nur alle vier Wochen.“

Die nächste Station seiner Ausbildung war die zweijährige Forstschule in Düsterntal. „Wir lebten dort mit 80 Forstleuten wie in einem Internat, da kannst Du Dir vorstellen, was da los war“, erzählt mir Heino lächelnd. Nach weiteren drei Jahren sogenannter „Vorbereitungszeit“ war Heino 1966 mit 24 Jahren ausgebildeter Förster beim Land Niedersachsen. Nun wurde er als „Springer“ von einem Revier zum anderen geschickt. „So schwer es auch war, so sehr habe ich von dieser Zeit profitiert“, blickt Heino zurück.

In dieser Zeit lernte er seine Hanna kennen. „Nachts um halb zwei im Tanzlokal Krückeberg in Oldenburg“, wie Heino mir verriet. 1969 wurde geheiratet. Das junge Ehepaar hatte in den ersten sechs Jahren fünf Wohnungen, weil Heino immer wieder versetzt wurde.

Sein Traum vom eigenen Revier im Oldenburger Land erfüllte sich 1975, als er ab dem 1. August seine Stelle als Revierförster im Hasbruch antreten konnte. Danach wohnte er – bis zu seiner Pensionierung – mit Hanna und seinen beiden Kindern im Forsthaus Vielstedt. Da sich Hanna und Heino in Oldenburg kennengelernt hatten, zogen sie 2004 in ihr Eigenheim nach Oldenburg.

Schon während seiner aktiven Zeit als Förster, war er maßgeblich an der Entstehung des Friedwalds im Hasbruch (Waldgebiet Schnitthilgenloh) beteiligt. Von 2004 bis August 2015 war Heino Tielking einer von drei FriedWald-Förstern. In dieser Zeit führte er 1500 Gespräche mit Interessenten und verkaufte die jeweiligen Plätze, machte 250 Führungen und begleitete etwa 1000 Beisetzungen im Friedwald.

Ganz besonders schwer war es für Heino, wenn am „Sternschnuppenbaum“ Kinder beigesetzt wurden. Einmal hatte er einem Mann einen Platz verkauft, und nur wenige Tage später musste er schon für diesen Mann das Grab herrichten.

In Gesprächen mit seiner Hanna konnte er viele emotionale Momente verarbeiten. „Die Tätigkeit im Friedwald war für mich Berufung und Erfüllung, obwohl es nicht immer einfach war, die richtigen Worte zu finden“, fasst Heino diese Zeit zusammen.

Jetzt bleibt ihm mehr Zeit für seine fünf Enkelkinder, für die Ahnenforschung und für Reisen mit seiner Hanna. Ganz kann Heino seinen Beruf nicht loslassen, denn er ist im „Bund Deutscher Forstleute“ der Ruhestandsvertreter für das Land Niedersachsen.

Heino Tielking,langjähriger Leiter des Reviers Hasbruch und einer von drei Friedwald-Förstern

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