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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Ausbildung: Trotz schlechter Noten ins Berufsleben

15.09.2017

Ganderkesee Das Dilemma ist schnell umrissen: Auf der einen Seite stehen Jugendliche, die es aus unterschiedlichen Gründen schwer haben, einen Ausbildungsplatz zu finden, auf der anderen Arbeitgeber, die darüber klagen, nicht genügend ausbildungsfähige Bewerber zu bekommen, um ihre Stellen besetzen zu können.

Auf beiden Seiten kann Abhilfe geschaffen werden – diese Auffassung jedenfalls vertritt der Psychologe und Sozialwissenschaftler Dr. Joachim Gerd Ulrich vom Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in Bonn. Wie es gelingen kann, Jugendliche mit schlechtem oder ohne Schulabschluss in den Arbeitsmarkt zu integrieren, erklärt Ulrich am Dienstag, 19. September, ab 18 Uhr bei einem Vortrag im Sitzungssaal des Ganderkeseer Rathauses. „Schwacher Schulabschluss – und dennoch rascher Übergang in die Berufsausbildung?“ ist er überschrieben. Organisiert hat den Vortragsabend der Verein „Zukunftswerkstatt Ausbildungsinitiative Ganderkesee“ (Zwaig).

Mitstreiter gesucht

Seit 1997 verfolgt die „Zukunftswerkstatt Ausbildungsinitiative Ganderkesee“ (Zwaig) das Ziel, die Ausbildungsplatzversorgung Jugendlicher zu verbessern – seit 2003 organisiert als Verein.

Rund 60 Mitglieder, darunter viele Betriebe und Schulen, gehören dem Verein an. Organisatorisch engagieren sich jedoch nur wenige. „Sechs Aktive bilden den harten Kern“, sagt Vorstandsmitglied Norbert Klüh. Diese würden dringend weitere Mitstreiter suchen. „Wir könnten viel mehr Angebote an Schulen und Jugendliche richten, wenn wir mehr Personal hätten“, ist sich Klüh sicher.

    www.zwaig.de

Ansprechen möchte der Verein Vertreter der Politik, Betriebsinhaber, Personalverantwortliche sowie Entscheidungsträger an Schulen aus dem Landkreis Oldenburg und der Stadt Delmenhorst. „Wir möchten als Türöffner fungieren“, sagt Reinhard Bröker vom Zwaig-Vorstand.

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Punkten können Bewerber bei schlechten Schulnoten mit den so genannten „soft skills“ – also Schlüsselqualifikationen, die vom Charakter und der Arbeitseinstellung des angehenden Auszubildenden abhängen. Umgekehrt sei beispielsweise chronische Unpünktlichkeit ein Hinderungsgrund für eine Einstellung, erklärt Jutta-Lotze Scherb, stellvertretende Zwaig-Vorsitzende. Doch es gebe Wege, solche Hinderungsgründe abzustellen.

Auch die Stärkung der Ausbildungsmarktkompetenz von Jugendlichen, also die Motivation und Fähigkeit, selbst aktiv zu werden, spricht Ulrich in seinem Vortrag an. Diese ist von jeher eines der Kernanliegen von Zwaig. Im November startet der Verein ein neues Projekt zur Berufsorientierung: „BOTdirekt“ heißt ein Berufsorientierungstag, der Jugendliche und Betriebe zusammenzubringen soll. Die Teilnehmer würden lernen, Bewerbungsunterlagen zu erstellen und ein Vorstellungsgespräch zu führen, erklärt Zwaig-Vorstandsmitglied Norbert Klüh.

Auch eine Berufsinformationsmesse wird Zwaig laut Klüh wieder organisieren. 2014 hatte die letzte stattgefunden, die nächste soll im kommenden Jahr folgen.

Ein weitere Aspekt, der den Zugang Jugendlicher zu einer Berufsausbildung erschwert: die Mobilität. Insbesondere im ländlichen Raum stelle es ein Problem dar, kein Auto oder sogar keinen Führerschein zu besitzen, erklärt Klüh. Auch hier gelte es, Lösungen – möglicherweise auch mit Unterstützung der Arbeitgeber – zu suchen. Der Eintritt zum Vortrag ist für alle Interessierten frei. Die Organisatoren bitten jedoch um Anmeldung unter Telefon   04222/44407 oder per E-Mail (zwaig@ganderkesee.de).

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Karoline Schulz Redakteurin / Redaktion Ganderkesee
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