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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Auf diese(r) Wiese fliegen Insekten

22.08.2018

Ganderkesee Zuerst merkten es die Autofahrer an der Windschutzscheibe, dann zunehmend auch Gartenbesitzer auf der Terrasse und Spaziergänger in der Landschaft: Die Insekten werden immer weniger. Experten indes wissen das schon sehr viel länger: „Der Rückgang ist seit Jahrzehnten belegt“, sagte Dr. Klaus Handke am Montagabend im Ganderkeseer Rathaus. Dorthin hatte Bürgermeisterin Alice Gerken Vertreter des Runden Tisches Natur und der Naturschutzverbände in der Gemeinde sowie die beteiligten Landwirte zur Abschlussveranstaltung des diesjährigen Blühstreifenprogramms eingeladen.

Um wie viele
Insektenarten geht es
?

Weltweit gibt es laut Klaus Handke mehr als eine Million Insektenarten, in Deutschland sind es rund 35 000 – darunter zum Beispiel 7000 Käferarten und immerhin noch gut 1000 Wanzenarten. Der Rückgang betrifft fast alle Arten, einige aber besonders stark. Von den 500 Wildbienenarten, die es vor ein paar Jahrzehnten noch gab, sind mehr als die Hälfte verschwunden oder extrem gefährdet. Schleswig-Holstein hat einer Langzeitstudie zufolge binnen 50 Jahren 20 Prozent seiner Schmetterlingsarten verloren – die anderen sind stark rückläufig.

Was sind die Ursachen
für den Rückgang
?

„Es liegt nicht allein an der Landwirtschaft“, das betonte Handke mehrfach. Aber es hat eben viel damit zu tun: Die Intensivierung der Landwirtschaft, der monotone Anbau auf größeren Flächen, der Verlust von kleinen Strukturen, der Umbruch oder die „Verbuschung“ von Grünland. . . Es gibt viele Gründe, warum Insekten immer weniger Nahrung und Unterschlupf finden. Und es liegt auch an den modernen und effektiven Maschinen: „Die mähen zu gut“, beklagte Handke – und hatte dabei nicht nur landwirtschaftliche Geräte im Blick, sondern auch die Gartenroboter, die zunehmend die Rasenmäher ablösen. Wenn es denn überhaupt noch Rasen gibt – auch der Trend zu Kiesbeeten und Steingärten in immer enger bebauten Wohngebieten trägt seinen Teil zum Insektensterben bei.

Ist das Insektensterben noch aufzuhalten ?

„Ich bin da sehr optimistisch“, sagte der Ganderkeseer Landschaftsökologe. Es müssten nur bestimmte Regeln und Maßnahmen umgesetzt werden wie: die weitere Anlegung blühender Ackerrandstreifen („groß, vernetzt und besonnt“), das einseitige Mähen der Wegeseitenränder, damit die Insekten auf der anderen Seite noch Nahrung finden, die Verschiebung der Mahd in den August und September, das Tolerieren von Brachen und nicht gemähten Bereichen, die Schaffung von Säumen an Waldrändern und Wallhecken. . . „Wir brauchen mehr offene Lebensbereiche in der Natur“, forderte Handke. Das könnten Schlatts oder Sandgruben sein, aber auch einfach totes Holz, das liegen bleibt.

Was geschieht bereits
in Ganderkesee
?

Eine ganze Menge: Hilfreich sind renaturierte Sandgruben, etwa am Schlutterberg oder „Fingertipp & Daumengrün“ in Rethorn, es wurden Kleingewässer angelegt, die von extensiv genutztem Grünland umgeben sind, und Blühstreifen entstanden nicht nur an Ackerrändern, sondern auch in Gewerbegebieten, so an der Westtangente in Ganderkesee und beim Netto-Logistikzentrum an der A 28. Hier sieht Klaus Handke noch mehr Potenzial – und natürlich in jedem privaten Garten.

Was bringt das
Blühstreifenprogramm
?

Pro Jahr werden auf rund 30 Hektar Fläche an Acker- und Wegerändern in der Gemeinde Ganderkesee Blumensaaten ausgebracht, die zum Teil auch mehrere Jahre blühen. Beteiligt sind die Gemeinde, das Landvolk, die Kreisjägerschaft, der Fuhrenkamp-Schutzverein und der Naturschutzbund (Nabu). Einige Landwirte legen auch in Eigenregie Blühstreifen an.

Wie sehen das
die Landwirte
?

Das Blühstreifenprogramm sei „eine Dienstleistung für die Gesellschaft“, sagte Ortslandvolk-Vorsitzender Cord Wübbenhorst am Montag im Rathaus. Er regte eine Aufwandsentschädigung für die Landwirte an, wie es sie in der Gemeinde Hude gebe. Onno Osterloh vom Landvolk-Vorstand bezifferte den Ertragswert der bisher für das Programm zur Verfügung gestellten Flächen auf rund 30 000 Euro. Er gab zu bedenken, dass diese Flächen dauerhaft aus der landwirtschaftlichen Nutzung herausfielen. Aber, so Osterloh: „Es ist einmalig, was in dieser Gemeinde schon erreicht worden ist!“

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741

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