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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Volle Auftragsbücher – lange Wartezeiten?

17.08.2018

Ganderkesee /Delmenhorst /Landkreis Manch einer kennt es: Im Haus muss dringend etwas erledigt werden, aber Handwerker sind nicht zu finden. Den deutschen Handwerksbetrieben geht es gut, die Auftragsbücher sind voll – so zumindest die landläufige Meinung. Aber was sagen die Innungen?

„Das kommt ganz darauf an, auf was die Betriebe spezialisiert sind“, sagt Carsten Wichmann von der Ganderkeseer Tischlerei Sandkuhl. Wichmann ist Obermeister der Tischler-Innung in der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land. Gerade die Tischlereien, die vornehmlich für Bauträger arbeiten, seien „voll bis oben hin“. Aber auch generell sei das „Stimmungsbild sehr gut“, Betriebe, die Däumchen drehen müssten, seien ihm nicht bekannt. Aber in manchen Bereichen sei der Fachkräftemangel schon zu spüren.

Vernetztes Problem

Ein Eindruck, den auch Uwe Kliemisch, Obermeister der Innung für Gebäude- und Informationstechnik, bestätigt. „Es gibt schon zu wenige Handwerker in vielen Bereichen“, sagt er gegenüber der NWZ. Die Zahl derer, die in den Ruhestand gehen, könne nicht durch den Nachwuchs aufgefangen werden. Das schlage sich auch am Markt nieder. „Die meisten Betriebe sind wirklich gut ausgelastet“ und entsprechend müssten einzelne von ihnen Aufträge ablehnen oder nacheinander abarbeiten. Das betreffe aus seiner Erfahrung vor allem den Bereich Sanitär und Heizung sowie die Elektriker. Die Situation sei aber nicht nur an einem Gewerk festzumachen: „Ich könnte viel mehr Badezimmer machen, wenn ich Fliesenleger hätte“, nennt Kliemisch als Beispiel.

Weniger Angebote

Dass man als Auftraggeber mittlerweile durchaus strategisch vorgehen muss, merkt auch die Gemeinde Ganderkesee. „Es ist eine Kunst, den richtigen Zeitpunkt bei Ausschreibungen zu finden“, bestätigt Gemeindesprecherin Meike Saalfeld. Sei man zu spät, würden die Preise in die Höhe schnellen. Aber auch die Gemeinde als öffentlicher Auftraggeber merke, dass die Zahl der Angebote bei Ausschreibungen immer mehr abnehme. Jüngst habe man das bei den Ausschreibungen für die Kita-Neubauten in der Gemeinde sowie für die Arbeiten am Freibad im kommenden Jahr festgestellt.

Aber auch bei kleinen Aufträgen, die ohne Ausschreibung vergeben werden können, sei es mitunter schwierig. Die Gemeinde habe zwar gute Kontakte zu Handwerkern aus Ganderkesee und der Umgebung, mitunter seien kurzfristige Arbeiten aber auch nur schwierig zu vergeben. „In der Regel bekommen wir das aber hin“, so Saalfeld.

Geld verdienen

Nicht ganz ins gleiche Horn stößt derweil der Ganderkeseer Bauingenieur Friedrich Düßmann. Zwar sei die Stimmung im Bau- und Handwerksbereich „recht ordentlich“, aber: „Die große Euphorie, die mancherorts ausgerufen wird, bezweifele ich.“ Auch die Aussage, dass gerade Privatpersonen Probleme hätten, Handwerker zu finden, sieht Düßmann kritisch. „Es sind zwar alle gut ausgelastet, aber dass man gar keine Handwerker mehr bekommt, halte ich für ein Gerücht.“ Düßmann, der auch stellvertretender Obermeister und Fachgruppenleiter Zimmerer der Baugewerken-Innung ist, sieht das Problem eher beim Preis: „Wenn ich erwarte, dass der Handwerker auch noch Geld mitbringt, wenn er zu mir kommt, dann finde ich natürlich keinen.“ Die Haltung, dass immer alles möglichst billig sein müsse, habe sich „bei vielen eingefressen“. Dass Handwerker aber auch Geld verdienen müssen, das würden manche Kunden anscheinend verdrängen.

Claus Arne Hock
Volontär, Agentur Schelling
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2743

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