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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Klönschnack zwischen Kabeln und Kleber

12.12.2019

Ganderkesee Als ich am Dienstag um kurz nach 17 Uhr an der Schule am Habbrügger Weg ankomme, ist vor dem Gebäude kein Parkplatz mehr frei. Menschen tragen Kisten und Gegenstände ins beleuchtete Innere – es ist wieder Repair-Café. Klimawandel und Nachhaltigkeit – das sind auch für die NWZ in Ganderkesee fast tägliche Themen. Weil ich aber noch nie bei einem Repair-Café war, will ich mir die bereits 20. nachbarschaftliche Instandsetzung in der Gemeinde einmal genauer ansehen. Meine „Eintrittskarte“: ein defekter Audioverstärker. Der geht zwar noch an, tut aber keinen Mucks mehr. Ob da was zu retten ist?

Die Leute stehen Schlange

Am Eingang zum Trakt mit den Werkräumen erlebe ich die erste Überraschung: Wie viele Leute hier sind! Kein Platz mehr frei am Kaffeetisch, vor der Anmeldung eine lange Schlange. „Das ist noch ganz normal“, erfahre ich von Margit Ohlebusch, die als eine von rund 30 Ehrenamtlichen vor Ort die Zuweisung der mitgebrachten Gegenstände vornimmt, „da hätten Sie mal letzten Monat hier sein müssen!“ Professionell wird mein Anliegen auf einem Formular erfasst. Am Ende bekomme ich eine gelbe Marke, der Farbe für Elektrogeräte.

Ein neues Anmeldesystem

Zahlen und Termine

Das Repair-Café fand in Ganderkesee mittlerweile 20-mal statt, stets in der Schule am Habbrügger Weg.

2019 gab es zehn Termine, bei denen insgesamt 405 Gegenstände bearbeitet wurden. 55 Prozent davon konnten vor Ort erfolgreich repariert werden.

Aufgrund der Resonanz werden für 2020 elf Termine geplant. Los geht’s am Dienstag, 14. Januar, 17 Uhr, danach immer am zweiten Dienstag eines Monats.

Das Repair-Café online:    www.bit.ly/rep-cafe

Das System ist neu, verrät mir Rebecca Remke, die Koordinatorin des Landkreises für Repair-Cafés, und auch ein Zeichen des Erfolgs: Die händische Zuweisung der Geräte an die Reparateure war aufgrund des Andrangs zu chaotisch geworden. Jetzt muss ich nur warten, bis sich jemand meines Verstärkers annimmt – Zeit für Kaffee und Kekse. „Ich bin nur zum Klönen hier“, verrät mir mein Nebenmann. Er ist nicht der einzige, der für die Gemütlichkeit hierher kommt: „Hier entstehen Freundschaften“, höre ich von Rebecca Remke, die heute ihre eigene Nähmaschine mitgebracht hat. Als ich mir Kaffee nachschenken will, sehe ich, dass der Verstärker weggetragen wird – ab in den Werkraum!

Reger Werkstattbetrieb

Dort riecht es nach Holz, Metall und Kleber. An den Tischen beugen sich Ehrenamtliche mit prüfenden Blicken über Lampen, Spieluhren und Radios. Im Vorbeigehen höre ich Fachsimpeleien, das Kratzen von Schraubenziehern. Schilder weisen aus, wo was repariert wird. Fachmann Walter Strömer testet bereits die Schalter meines Verstärkers. „Wem gehört der Staubsauger?“ ruft jemand im Hintergrund, während nebenan die Kabel einer Adventsbeleuchtung durchgemessen und im Nachbarraum Hosen genäht werden... ganz schön was los hier.

Reparaturen gelingen häufig

„Ziehen die Relais an?“ murmelt Strömer, der sich mittlerweile über die Eingeweide meines Gerätes beugt. Ich bin überrascht, wie komplex die Reparaturversuche hier sind: Gegen den Ebook-Reader mit Wackelkontakt, der am Nebentisch vorsichtig auseinandergeschraubt wird, stinkt mein Verstärker geradezu ab. Von den Ehrenamtlichen erfahre ich, dass Instandsetzungen grundsätzlich aber häufiger klappten als dass sie fehlschlagen.

Besucher sogar aus Bremen

„Die Atmosphäre hier ist besonders. Wenn einer nicht weiter weiß, hat jemand anders eine Idee“, beobachtet Schulleiter Rainer Müller, der kurz im Werkraum Hallo sagt. Die Reparatur von Elektrogeräten und Nähmaschinen gehöre zu den hiesigen Spezialitäten, weshalb auch schon Besucher aus Bremen da gewesen seien. „Das ehrenamtliche Engagement hier ist wirklich toll“, findet eine Dame, die ihr repariertes Bügeleisen mit nach Hause nimmt. Auch Rebecca Remke hat Glück, ihre Nähmaschine ist nach fachkundiger Prüfung am Ende des Abends wieder einsatzbereit.

Spezialist nimmt Gerät mit

Walter Strömer legt indes den Spannungsmesser zur Seite, der Defekt meines Verstärkers bleibt leider unklar. „Wenn ich die Schaltpläne hätte...“, sagt er. Sein Vorschlag: Er nimmt das Gerät mit nach Hause, um es dort in Ruhe erneut zu versuchen. Beim nächsten Repair-Café im Januar soll ich wiederkommen – ein Angebot, das ich gerne annehme.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
Rufen Sie mich an:
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