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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Warten auf einen Winter mit viel Regen

19.10.2019

Ganderkesee Der Herbst zeigt sich derzeit mild – und nass. Für die Wälder der Gemeinde sind die Niederschläge, die es den Sommer über kaum gab, jetzt aber keine unmittelbare Entlastung mehr: „Für den Wald kommt der Regen in dieser Vegetationszeit zu spät“, erklärte Rainer Städing, Pressesprecher der Niedersächsischen Landesforsten. Trotzdem begrüße man die aktuellen Niederschlagsmengen. „Mit Blick auf das kommende Jahr gibt es jetzt einen Speichereffekt im Boden“, so Städing.

Es fehlen 400 Millimeter

Für den Hasbruch weiß Revierförster Jens Meier genau, wie viel Niederschläge dem Boden fehlen: „In diesem Jahr sind es noch 100 Millimeter zu wenig.“ Aus dem vergangenen Jahr fehlten aber noch rund 300 Millimeter, was sich im Waldboden bemerkbar mache. „Die obersten Schichten sind feucht, aber unterhalb von 40 Zentimetern Tiefe ist es rappeltrocken“, so Meier.

Für die insgesamt 30 000 Eichensetzlinge, die bis zum April im Hasbruch gepflanzt wurden, habe der trockene Sommer aber erstaunlich wenig Auswirkungen gehabt, zumindest bislang. „Den Setzlingen geht es überwiegend gut“, sagte Meier, „aber genau können wir das erst im Frühjahr bewerten. Was jetzt grün ist, muss nach dem Winter nicht unbedingt wieder grün werden.“

Ähnliches beobachtete auch Günter Westermann auf seinen eigenen Waldflächen im Gemeindegebiet. „Viele junge Bäume sind noch enorm gewachsen, da hat die milde Witterung sehr geholfen“, sagte der Vorsitzende der Forstbetriebsgemeinschaft Oldenburg-Delmenhorst. „Damit haben wir nicht gerechnet.“ Die Zusammensetzung der heimischen Wälder werde sich in Zukunft aufgrund der klimatischen Veränderungen und Belastungen durch Schädlinge wie den Borkenkäfer aber verändern.

Höhere Verdunstung

„Wir rechnen bis 2041 mit einem Temperaturanstieg von 1,6 Grad“, erklärte Westermann. Dies würde sich unmittelbar durch eine höhere Verdunstungsmenge von Wasser bemerkbar machen. „Wir haben jetzt schon über 80 Millimeter Verlust durch erhöhte Verdunstung.“

Weihnachtsbäume

Der zweite trockene Sommer in Folge macht auch den Anbietern von Tannenbäumen zu schaffen. „Der Regen ist für das Wachstum jetzt zu spät gekommen“, erklärte Hofbetreiber Stefan Bruns aus Bergedorf.

Wo sonst rund 30 Zentimeter Wachstum bei Nordmanntannen zu erwarten sind, sei es 2019 nur die Hälfte gewesen, so Bruns. Jungpflanzen dieser Baumart seien teilweise auch komplett vertrocknet.

Die Preise für seine Weihnachtsbäume werden laut Bruns aber auf dem Vorjahresniveau bleiben – rund 17 Euro pro Meter, je nach Güte des Baums. Eine Preiserhöhung sei in zukünftigen Jahren aber wahrscheinlich.

Warme Sommer wie die letzten beiden bereiten aber nicht nur der „Mutter des Waldes“ – der Buche – Schwierigkeiten, sondern sorgen auch dafür, dass vermehrt andere Baumarten gepflanzt werden. „Wir geben eine uneingeschränkte Empfehlung für Douglasien, Roteichen, japanische Lärchen“, zählte Westermann auf. „Bei Mischbeständen auch für Weißtannen“, . Diese Arten kämen deutlich besser mit geringen Niederschlägen und Temperaturschwankungen zurecht.

Sollte es 2020 erneut warm und trocken werden, ohne dass vorher die Bodenvorräte durch Niederschläge aufgefüllt werden, sieht Bezirksförster Hubert Brüning, der die Mitglieder der Forstbetriebsgemeinschaft betreut, eine weitere Gefahr: Borkenkäfer. „Wenn es Ende April wieder gegen 20 Grad geht, werden die Viecher, die jetzt überall unter den Rinden sitzen, alle schlüpfen.“ Ein weiterer Sommer wie der letzte wäre deshalb „eine Katastrophe“, weil die befallenen Bäume durch den fehlenden Wasserdruck nicht richtig harzen können – was der natürliche Abwehrmechanismus gegen Schädlinge ist. „Wenn wir einen verregneten und kühlen Sommer bekommen, dann könnten wir den aktuellen Zustand wieder normalisieren“, sagte Brüning.

Um die Schadflächen in Wäldern wieder aufzuforsten, wird Saatgut benötigt. Genau das stellt aber im Hasbruch ein Problem dar: „Die Eichen sind alle kahlgefressen worden, bis runter zu den Jungpflanzen“, erklärte Jens Meier, „die Aussichten sind deshalb sehr schlecht.“ Es gebe generell viele Unwägbarkeiten bei der Eichelernte, die für eine vernünftige Mast alle stimmen müssen, so würden Eichen auch nicht jedes Jahr Früchte tragen. „Das ist regional auch sehr unterschiedlich“, so Meier, der im Frühjahr deshalb einjährige Setzlinge aus dem Küstenraum erwartet.

Es fehlen Bucheckern

Ähnlich sieht es bei den Bucheckern aus, für die es im Hasbruch jedoch keinen Saatgutbestand gibt. „Trotz guter Blüte fällt die Erntemöglichkeit von Bucheckern in anerkannten Saatgutflächen äußerst bescheiden aus“, teilte Rainer Städing mit. Für die Region gebe es deshalb ein „eklatantes Missverhältnis“, da für die Bewaldung sehr viel Saatgut gebraucht werde.

Für private Waldbesitzer gibt es aktuell immerhin einen Lichtblick: „Die Fördermittel von Landesseite sind jetzt dreimal höher“, sagte Westermann. 3,8 Millionen Euro Waldschutzhilfe stellt Niedersachsen mittlerweile für die Auswirkungen von Ex­tremwetter zur Verfügung.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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