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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Trockenheit macht Heu zum kostbaren Gut

16.08.2018

Ganderkesee Wer dieser Tage in Online-Anzeigenportalen das Stichwort „Heu“ eingibt, stößt auf weitaus mehr Gesuche als auf Angebote. Wer kaufen möchte, stellt schnell fest: Der Landkreis Oldenburg ist praktisch leergekauft. Aufgrund der langen Trockenphase konnte nur ein kleiner Teil dessen an Gras geerntet und zu Heu getrocknet werden, was sonst auf den Markt gelangt.

Das betrifft insbesondere Pferdehalter, die auf gutes Heu als Grundfutter angewiesen sind. Wer sein Lager jetzt noch nicht für den Winter gefüllt hat, muss nicht nur weit fahren, sondern auch tief in die Tasche greifen: Bis zu 100 Euro rufen Anbieter aus dem norddeutschen Raum für einen Rundballen auf. Ohne Frachtkosten, versteht sich.

„Im Moment zahlt man etwa das Doppelte bis Dreifache fürs Heu“, bestätigt Arthur Baumfalk, Vorsitzender des Reit- und Fahrvereins Schönemoor. Er hatte sein Lager noch rechtzeitig gefüllt – doch er werde mit dem Bestand, anders als beim Einkauf kalkuliert, nicht bis ins Frühjahr kommen, mutmaßt Baumfalk, der auf seinem Betrieb knapp 50 Pferde beherbergt. „50 Ballen sind jetzt schon weg“, sagt Baumfalk. „Uns werden am Ende etwa 100 fehlen“, überschlägt er.

Freie Wähler fordern Ausgleich

Finanzielle Unterstützung für die Landwirte seitens der Landesregierung fordern die Freien Wähler (FW) Ganderkesee. Volker Schmidt, Landwirt aus Landwehr und agrarpolitischer Sprecher der FW im Landkreis Oldenburg, sieht seine Kollegen durch Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) im Stich gelassen. „Die Weigerung, notleidenden Betrieben Sofortmittel aus dem Haushalt zur Verfügung zu stellen und stattdessen auf eventuelle EU-Mittel im Jahr 2021 zu verweisen, zeugen von der fehlenden Kenntnis der Situation der Milchbauern in unserer Region.“

Einen Ausgleich fordern die Freien Wähler vor dem Hintergrund, dass die Vorgängerregierung eine Weideprämie in Aussicht gestellt hatte, die jedoch nicht umgesetzt wurde.

Dass die meisten Pferdehalter schon jetzt einen Teil ihrer Wintervorräte aufgebraucht haben, liegt daran, dass die Weiden ausgetrocknet und kahlgefressen sind. Als Ersatz fürs nahrhafte Gras muss Heu zugefüttert werden.

Baumfalk hofft, dass er noch bei einem seiner Lieferanten nachordern kann. Kompensieren will er die höheren Futterkosten nicht durch eine Erhöhung der Boxenpreise, sondern durch eine einmalige Umlage der Einstaller. „Wir gehen ja davon aus, dass der Engpass im Frühjahr überwunden ist“, so der Stallbetreiber.

Deutlich besser stehen jetzt Pferdebetriebe da, die ihr Heu selbst produzieren – der Reiterverein Hohenböken etwa. „Wir haben einen sehr guten ersten Schnitt reingebracht", sagt Vorsitzende Birgit Wöbken. „Außerdem haben wir noch Heulage vom vorigen Jahr.“ Letztere werde jetzt auf den Weiden verfüttert, der Heuvorrat für den Winter bleibe unangetastet.

Aus Sicht des Ortslandvolk-Vorsitzenden Cord Wübbenhorst ist die Heuknappheit nur ein kleiner Teil jenes Problems, vor dem seine Berufskollegen in Norddeutschland gerade stehen. „Wir müssen von einer Futtermittelknappheit im Allgemeinen sprechen“, betont er. Anders als die Pferdehalter bekomme das Gros der Verbraucher davon nichts mit. „Sie können sich freuen, dass wir am Weltmarkt kleben“, so Wübbenhorst. Jedes Lebensmittel sei so jederzeit verfügbar.

Tatsächlich stehen die Lebensmittelproduzenten laut Wübbenhorst aber an einem Punkt, an dem es nur noch darum gehe, ihre Tiere satt zu bekommen. „Wir reden beim Futter nur noch nur über Menge – nicht mehr über Qualität oder Energiegehalt“, verdeutlicht er.

Die Preise für zugekauftes Futter, das teils aus dem europäischen Ausland bezogen werden müsse, sind laut Wübbenhorst explodiert. Die Folge: Das kostbare Futter bekommen Mast- und Zuchtvieh sowie Milchkühe. Von weniger produktiven Tieren, alten Milchkühen etwa, trennen sich die Landwirte jetzt schneller als üblich.

Auch wenn die akute Trockenheit überwunden scheint: Auf ihren abgeernteten Flächen jetzt einfach ein schnell wachsendes Ackergras ansäen, das dürfen die Landwirte nicht. „Kurzfristiges Handeln ist nicht möglich“, moniert Wübbenhorst. Er wünscht sich von der Politik mehr Flexibilität und praxisnahe Entscheidungen.

Karoline Schulz Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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