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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Netzbetreiber befürchten Milliarden-Ausgaben

14.05.2018

Ganderkesee /Landkreis Ende vergangenen Jahres haben im Landkreis Diepholz die Bauarbeiten für die Stromtrasse Ganderkesee-St. Hülfe begonnen – in dreieinhalb Jahren, Ende 2021, soll die 61 Kilometer lange Höchstspannungsleitung durch die Landkreise Oldenburg und Diepholz in Betrieb genommen werden. Der Netzbetreiber Tennet hat es eilig, die Übertragungskapazitäten vor allem für die im Norden gewonnene Windenergie werden dringend gebraucht – doch in einer zentralen Frage herrscht weiter Stillstand: Bei der Entschädigung der Grundstückseigentümer, deren Flächen für die Trasse gebraucht werden, sind die Fronten nach wie vor verhärtet.

Drei Kabelübergangsanlagen auf Ganderkeseer Gebiet

Die Stromtrasse Ganderkesee-St. Hülfe ist ein Pilotprojekt für die Erdverkabelung. Allerdings sollen nur 12,5 der insgesamt 61 Kilometer langen Leitung unterirdisch verlaufen, davon 6,9 Kilometer in der Gemeinde Ganderkesee. Zwischen zwei Erdkabelabschnitten ist im Raum Strudthafe eine 1,5 km lange Freileitung geplant.

An den Übergängen vom Erdkabel zur Freileitung und umgekehrt sind große Kabelübergangsanlagen (KÜA) erforderlich. Drei davon werden auf Ganderkeseer Gebiet errichtet: die KÜA Ganderkesee-Süd direkt östlich der B 213 zwischen Landwehr und Strudthafe, die KÜA Havekost nördlich der Straße Auf der Trahe und die KÜA Henstedter Heide unmittelbar an der Gemeindegrenze zu Prinzhöfte.

Die Flächen für die Kabelübergangsanlagen will Tennet von den Eigentümern kaufen. Zurzeit sei man noch dabei, den Grunderwerb zu sichern, so Tennet–Sprecher Fischer. Benötigt werden jeweils rund 5000 m², in der Henstedter Heide etwas mehr.

Der Streitpunkt

Die Landvolkverbände Oldenburg, Diepholz und Mittelweser beharren für ihre Mitglieder auf jährlich wiederkehrende Zahlungen des Netzbetreibers, eine Art Pacht für die Nutzung ihrer Flächen. Tennet indes will lediglich einmalige Entschädigungen zahlen: Angeboten werden 20 Prozent vom Quadratmeterpreis, der mit 8 Euro veranschlagt wird – also 1,60 Euro pro Quadratmeter oder 16 000 Euro pro Hektar. Für den Leitungsbau benötigt wird ein Geländestreifen von etwa 50 Metern Breite.

Position des Landvolks

„Von unseren Mitgliedern sperrt sich niemand dagegen, dass die Trasse gebaut wird“, stellt Bernhard Wolff, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Oldenburg, auf Nachfrage der NWZ klar. „Aber das geht nur mit wiederkehrenden Leistungen für die Nutzung der Flächen. Dann wäre es für Tennet viel einfacher, mit Eigentümern ins Gespräch zu kommen.“ Wolff begründet die Forderung mit der dauerhaften Inanspruchnahme der Flächen: „Sie verlieren dadurch an Wert.“ Und dort, wo die Leitung in der Erde verlegt werde, so wie überwiegend in der Gemeinde Ganderkesee, verändere sich die Bodenstruktur. „Das dauert 20 bis 30 Jahre, bis er sich wieder gefestigt hat. Und das beeinträchtigt die Qualität des Aufwuchses.“

Position von Tennet

Die Energiewirtschaft zieht sich auf die aktuelle Rechtslage zurück, die regelmäßige Zahlungen an Grundstückseigentümer ausschließt. Flur- und Aufwuchsschäden würden aber ersetzt. Tennet-Pressesprecher Mathias Fischer verweist auf eine Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), die bei wiederkehrenden Entschädigungen jährliche Mehrausgaben von 175 Millionen Euro für alle Leitungen errechnet hat. Bei einer Abschreibungsdauer von rund 40 Jahren wären dies sieben Milliarden Euro. Auf die Verbraucher umgelegt, müsste jeder Haushalt 30 Prozent mehr für Strom zahlen – „und das nur, um einer einzelnen Interessengruppe eine zusätzliche Einnahmequelle zu verschaffen“, so der BDEW.

Position der Politik

Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Berlin heißt es auf Seite 87: „Wir prüfen die Grundlage für eine finanzielle Beteiligung betroffener Grundstückseigentümerinnen und -eigentümer an der Wertschöpfung des Netzausbaus, gegebenenfalls sind wiederkehrende Zahlungen eine Option.“ Für Tennet–Sprecher Fischer ist das eine „offene Formulierung“, jetzt müsse eine Entscheidung des Gesetzgebers abgewartet werden. Landvolk-Geschäftsführer Wolff fordert zügige Gespräche mit der Bundespolitik, den Netzbetreibern und der Bundesnetzagentur über eine gesetzliche Regelung. „Wegen des Zeitdrucks“, meint er, „müsste Tennet uns jetzt entgegenkommen.“

Hergen Schelling
Agentur Schelling (Leitung)
Redaktion Ganderkesee
Tel:
04222 8077 2741

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