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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Wenn Rehkitze nicht das Feld räumen

18.05.2019

Ganderkesee Das Problem ist ein wiederkehrendes: Wenn die erste Mahd in die Brut- und Setzzeit fällt, sind Wildtiere, besonders junge Tiere, durch die landwirtschaftlichen Maschinen gefährdet.

Theorie und Praxis

Vor allem Rehkitze sind gefährdet, weil sie sich im dichten Gras ducken, wenn sich eine Zugmaschine nähert, anstatt wie andere Tiere wegzurennen. Kritik an den Erntepraktiken von Landwirten gibt es vor allem in Sozialen Medien, hier werden regelmäßig Forderungen nach präventiven Suchmaßnahmen laut.

„Für uns ist das natürlich ein Thema“, sagt Cord Wübbenhorst, Vorsitzender des Ortslandvolkverbandes. „Landwirte leben mit der Natur zusammen. Es tut uns in der Seele weh, wenn ein Tier verletzt wird.“ Ihn ärgert die Kritik von Außenstehenden, seine Zunft würde nicht genug zum Schutz von Wildtieren tun. „Wir passen auf und versuchen alles Mögliche.“

Die Idee, alle Felder vor dem Einsatz von Maschinen abzulaufen, hält Wübbenhorst für unrealistisch. „Das ist eine rein theoretische Betrachtung.“ Ernten seien immer vom Wetter abhängig und daher mitunter kurzfristig organisiert. „Wenn wir genügend Freiwillige hätten, die wir zeitnah anrufen können, wäre das toll“, so Wübbenhorst. „Leute, die nicht nur reden, sondern auch was schaffen wollen.“

Wild richtig vertreiben

Beim Hegering Ganderkesee ist man sich der Gefährdung von Wildtieren durch die Mahd ebenfalls bewusst. „Sofort zu mähen, nachdem ein Feld abgesucht wurde, ist problematisch“, sagt Hegeringleiter Jan-Bernd Meyerholz. Viel effektiver sei es, einen Tag vorher auf den betroffenen Flächen Präsenz zu zeigen. „Dann wird das Wild beunruhigt und sucht sich ein neues Lager, anstatt sich nur zu verstecken“, erklärt Meyerholz. Er empfiehlt, Stangen aufzustellen, an denen eine flatternde Tüte oder ein ähnlich raschelnder Gegenstand befestigt ist. Das werde auch von vielen Landwirten bereits praktiziert.

Eine Verantwortung des Hegerings beim Schutz von Wildtieren sieht Hans Fingerhut, Vorsitzender der Ortsgruppe des Naturschutzbundes (Nabu). „Wir verweisen da auf die Jägerschaft“, sagt er. Ein Absuchen von Flächen lege er jedem Landwirt nahe, auch wenn man diesen letzten Endes zugestehen müsse, solche Aktionen selbst zu organisieren. „Niemand kann das kontrollieren“, so Fingerhut, ähnlich wie die Anleinpflicht für Hunde während der Brut- und Setzzeit.

Für den Fall, dass jemand ein verletztes Tier finde, verweist Fingerhut auf die Wildtierauffangstation in Rastede. „Jeder Bürger ist nach Bundesnaturschutzgesetz angehalten, ein verwundetes Wildtier dorthin zu bringen“, erklärt er.

Drohnen finden Rehkitze

Es gebe fachübergreifende Gespräche zu dem Thema, sagt Fingerhut. „Wir haben einen runden Tisch mit der Jägerschaft, da reden wir auch über präventive Maßnahmen, zum Beispiel Drohnenflüge. Intensiv haben wir uns damit aber noch nicht beschäftigt.“ Das bestätigt Jan-Bernd Meyerholz. „Es laufen Versuche im Hegering mit Drohnen, die Wärmebildkameras haben.“

In Nachbargemeinden wie Harpstedt und Wildeshausen wird bereits Ganderkeseer Technik in der Wildtierrettung erprobt: Thermographie-Drohnen von „Syswe Systemtechnik“. „Im südlichen Kreisgebiet haben wir damit Rehkitze gefunden“, sagt Firmeninhaber Stephan Neitzel. Syswe verleiht Geräte auch für 10 Euro pro Hektar oder 72 Euro pro Tag. Gewinn erwirtschafte er dabei nicht, „aber wir machen das aus Leidenschaft“, sagt Neitzel.

Cord Wübbenhorst weiß um derartige Drohnen. „Die Fehlerquote ist dabei aber zu hoch“, sagt er, „das nützt mir als Fahrer wenig, weil ich auch meine Arbeit machen muss.“ Er fände es ideal, wenn Landmaschinen direkt beim Mähen Tiere zeigen könnten. „So etwas gibt es auch, das ist im Augenblick nur leider nicht praxistauglich“, sagt Wübbenhorst.

Arne Haschen Volontär, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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