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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Mehr Personal gern – aber woher nehmen?

25.05.2018

Ganderkesee Das waren im Prinzip gute Abendnachrichten im Fernsehen und Matthias Hermeling hat auch gleich ausgerechnet, was ihm das von Gesundheitsminister Jens Spahn am Mittwoch verkündete Sofortprogramm für die Pflege bringen würde: 1,5 Vollzeitstellen könnte der Geschäftsführer der Seniorenresidenz Waldschlösschen in Stenum zusätzlich besetzen, wenn die versprochenen 13 000 Fachkraft-Stellen geschaffen würden. Das wären 60 Wochenstunden mehr für die 111 Bewohner. Nur: „Wo sollen die Leute herkommen?“, fragt Hermeling. Es gibt kaum qualifiziertes Personal auf dem Arbeitsmarkt.

Ähnlich bewerten auch die Leiter anderer Pflegeheime in der Gemeinde Ganderkesee die Berliner Pläne zur Verbesserung der Pflege: ein positives Signal, dessen Umsetzung abzuwarten bleibt. „Ich nehme gerne einen höheren Personalschlüssel“, sagt Maik Drieling vom Bookholzberger Wohnpark an der Ellerbäke. „Aber das Personal müssen wir auch finden.“

Und das bleibt die größte Schwierigkeit für die Heimbetreiber. Der Pflegeberuf hat stetig an Attraktivität verloren, Bezahlung und Rahmenbedingungen haben sich zusehens verschlechtert. Diejenigen, die ihn dennoch ausüben möchten, sind umworben. Wenn eine Bewerbung ins Büro flattere, schildert Friedrich Mohn, Leiter des Altenpflegeheims im Elmeloher Wichernstift, „dann lassen wir hier alles stehen und liegen.“ Das Wichernstift würde gern einen neuen Wohnbereich aufbauen – „aber für ein solches Projekt finden wir nicht die notwendigen Mitarbeiter“, räumt Mohn ein.

Grenzen setzen den Heimbetreibern auf der anderen Seite auch die mit den Kostenträgern ausgehandelten Personalschlüssel, die wiederum von den Pflegegraden der Bewohner abhängig sind. Sie werden derzeit untersucht und Friedrich Mohn geht nach der Neuberechnung, die 2020 erfolgen soll, von einem besseren Schlüssel für seine Einrichtung aus: „Dann können wir mehr Personal einstellen – aber wo ist es?“

Für Hans Schröder, der unter anderem das „Haus am Wald“ in Immer betreibt, liegt die Hauptursache des Problems mehr als 20 Jahre zurück: Mit Einführung des Pflegeversicherungsgesetzes sei die Branche mehr und mehr dem Wettbewerb geöffnet worden. „Die Löhne sind runtergegangen und viele kommunale Einrichtungen, die an den Tarif des Öffentlichen Dienstes gebunden waren, haben dichtgemacht.“ Auch Friedrich Mohn bereitet diese Entwicklung Sorge. Er würde sich einen einheitlichen Tarif für die ganze Branche wünschen.

Zurzeit gelten unterschiedliche Tarife der verschiedenen Träger. Aber die dramatische Lage auf dem Arbeitsmarkt hat für Bewerber immerhin den Vorteil, dass sie sich die besser bezahlten Stellen aussuchen können. Wer in dieser Region weniger als 2800 Euro brutto für eine examinierte Fachkraft anbiete, so eine von verschiedenen Seiten bestätigte Zahl, habe Schwierigkeiten, die Stelle besetzt zu bekommen. Höhere Personalkosten müssen indes auch gegenfinanziert werden. „Im Moment geht das zu Lasten der Bewohner“, gibt Matthias Hermeling zu. Er ist jetzt gespannt, ob es dem Gesundheitsminister gelingt, die zusätzlichen Milliarden für sein Sofortprogramm auch wirklich zu bekommen.

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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