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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Das ist für Bäcker Tönjes „der Humbug schlechthin“

07.02.2020

Ganderkesee 21 Filialen hat die Landbäckerei Tönjes, sie werden täglich von rund 10 000 Kunden besucht. Das heißt auch: Jeden Tag werfen die insgesamt 40 Kassen des Ganderkeseer Familienunternehmens 10 000 kleine Quittungen auf Thermopapier aus – so verlangt es das Gesetz zur Kassensicherheitsverordnung: Seit Jahresbeginn sind Einzelhändler mit elektronischen Kassensystemen verpflichtet, allen Kunden einen Bon auszuhändigen – ob die ihn haben wollen oder nicht.

Kunden wollen Bon nicht

Die meisten wollen nicht: „Weniger als zehn Prozent nehmen den Bon mit“, ist die Erfahrung von Axel Tönjes. „Das ist der Humbug schlechthin“, schimpft der Geschäftsführer der Landbäckerei Tönjes über das neue Gesetz. Allein in seiner Filiale im Ganderkeseer Famila-Markt falle jeden Tag ein Müllsack voller Kassenzettel an.

In der Famila-Filiale klagte Axel Tönjes am Donnerstagmorgen Vertretern der FDP sein Leid – und stieß nicht nur auf Verständnis, sondern auch auf Unterstützung. Die Liberalen im Bundestag haben bereits einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Befreiung von der Bonpflicht für Betriebe mit zertifiziert gesicherten Kassen vorsieht. „Leider haben Union und SPD und schon zweimal eine Abstimmung darüber im Finanzausschuss verschoben“, sagte der Ganderkeseer FDP-Bundestagsabgeordnete Christian Dürr. Am nächsten Mittwoch komme die Vorlage wieder in den Ausschuss. Wenn sie diesmal verabschiedet werde, könne der Bundestag schon einen Tag später die Gesetzesänderung beschließen, so Dürr. „Das ist kein Hexenwerk und Axel Tönjes wäre geholfen.“

Und nicht nur ihm: Alle Berufskollegen klagen mehr oder weniger laut über die Bonpflicht. Unter den Bäckern ist die Kritik besonders heftig, weil bei ihnen in der Regel nur kleine Bestellungen und entsprechend niedrige Beträge über den Tresen gehen. „Im Schnitt nehmen wir pro Kassenöffnung 3,80 Euro ein“, erklärt Tönjes. Die Bonpflicht verursache aber auch Kosten: „Wir bekommen Kassenrollen jetzt palettenweise“, sagt Tönjes, „da reden wir nicht mehr von Kartons.“

Das Absurde daran

Aber ihn ärgern weniger der Aufwand und die Kosten, Axel Tönjes beklagt viel mehr die Absurdität des Ganzen: auf der einen Seite die Kunden, die den Bon gar nicht wollen (und wer ihn will, konnte ihn auch vorher schon bekommen), auf der anderen Seite Finanzämter, die die Bonpflicht gar nicht brauchen. „Jeder Finanzbeamte kann sich schon jetzt jeden Kassiervorgang bei uns angucken, wenn er das will“, betont Tönjes. Steuerbetrug sei bei den modernen Kassensystemen praktisch ausgeschlossen. Im übrigen habe die Geschäftsführung selber ein großes Interesse an genauer Kassenführung, so Tönjes: „Alle Bestellvorgänge, alle Retouren laufen über die Kassen. Unsere ganzen Produktionsabläufe wären gar nicht nachvollziehbar, wenn die Kassen manipulierbar wären.“

Beispiel Frankreich

Christian Dürr ist nach eigenen Angaben lange davon ausgegangen, dass der Gesetzgeber großzügige Ausnahmen von der Bonpflicht beabsichtige. „Erst im November zeichnete sich ab, dass es dazu nicht kommen würde.“ Daraufhin habe die FDP die Änderung vorgeschlagen. Er hätte auch mit einer Lösung wie in Frankreich leben können, sagte Dürr. Dort sei das Gesetz gerade geändert worden, die Bonpflicht greife nun erst bei Beträgen über 10 Euro – „und die Franzosen überlegen schon, die Grenze auf 30 Euro hochzusetzen.“

Dürr hofft nun, dass sich auch im deutschen Bundestag eine Mehrheit findet, die Betriebe mit gesicherten Kassen von der Bonpflicht befreit. Es gebe durchaus großen Handlungsbedarf, um Steuerbetrug zu unterbinden. „Aber hier wird das Misstrauen ausgerechnet den Ehrlichen entgegengebracht.“

Hergen Schelling Agentur Schelling (Leitung) / Redaktion Ganderkesee
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