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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Barrierefreiheit im Praxistest

21.12.2018

Ganderkesee Der Parkplatz ist breit genug, ein Rollstuhlfahrer hat hier genug Platz, auch der Weg zum Haus ist im Rollstuhl aus eigener Kraft zu bewältigen, die Schwelle der Haustür niedrig genug, die Eingangstür breit genug, aber dann fällt den Mitgliedern des Ganderkeseer Seniorenbeirates ein Problem ins Auge: Der Griff des Flurfensters sitzt zu hoch. Eigentlich auf normaler Höhe, aber für einen Rollstuhlfahrer ist er kaum zu erreichen.

Der Ganderkeseer Seniorenbeirat hat am Donnerstag auf Einladung des Bauvereins Delmenhorst eine fast fertige barrierefreie Wohnung im Baugebiet „Köhlerwiese“ getestet. Eine der zwölf Wohnungen an der Pestalozzistraße 9/10 ist barrierefrei, so, wie es in der Niedersächsischen Bauordnung vorgesehen ist: Von acht Wohnungen muss eine rollstuhlgerecht sein.

„Wir haben drei bis vier Jahrzehnte nicht neu gebaut und wir wollen wissen, ob das, was nach DIN-Norm gebaut ist, auch tauglich ist“, sagt Reiner Fulst, Vorstand des Bauvereins Delmenhorst. Also warum nicht die Experten fragen? Viele der Seniorenbeiratsmitglieder sind als ehrenamtliche Wohnberater und Seniorenbegleiter tätig. Um die Wohnung auch gleich praktisch testen zu können, hat sich Beiratsmitglied Erika Lisson in den Rollstuhl gesetzt. Und damit stellt sie auch gleich das nächste Problem fest: Im Rahmen der Badezimmertür würde sie sich mit ihrem breiten Rollstuhl die Finger klemmen.

Nur wenige Mängel

Das dahinterliegende Badezimmer kommt aber beim Seniorenbeirat sehr gut an. Die Dusche ist ebenerdig und groß genug, die Armaturen der Sanitäranlagen niedrig und der Waschtisch unterfahrbar. Auch Wenden klappt hier mit dem Rollstuhl.

In den übrigen Räumen gibt es nur die zu hoch angebrachten Fenstergriffe zu bemängeln. Positiv heben Erika Lisson und ihre Begleiter unter anderem die breite Terrassentür, die vielen abgerundeten Ecken und die großzügigen Räume, die viel Platz bieten, um mit dem Rollstuhl zu wenden, hervor. Besonders ins Auge fällt Erika Lisson der sogenannte Rollstuhlwechselplatz auf dem Flur. Wenn jemand draußen einen elektrischen Rollstuhl nutzt, kann er ihn hier, direkt neben der Wohnungstür, abstellen und laden. Eine Steckdose ist in passender Höhe vorhanden. „Das ist wirklich ganz clever gemacht“, findet Erika Lisson.

Reiner Fulst verspricht, für die Fenstergriffe eine Lösung zu finden. Die Badezimmertür lasse sich wohl nur schwer verändern, in der nächsten barrierefreien Wohnung solle die Tür aber definitiv breiter werden. Und für diese Wohnung in der Pestalozzistraße werde er jemanden mit schmalem Rollstuhl suchen. Es sei zwar keine Bedingung, dass hier ein Rollstuhlfahrer einzieht, so Fulst, aber ja sinnvoll.

30 Interessenten haben sich bereits für die acht Wohnungen gemeldet. 8,50 Euro pro Quadratmeter beträgt der Mietpreis. Dieser Preis lasse sich aber bei zukünftigen Bauvorhaben nicht wahren, da die Baukosten steigen, so Fulst. Als Genossenschaft seien sie aber bemüht, den Preis so gering wie möglich zu halten. „Wir müssen am Ende nur die schwarze Null haben.“

Zu wenig Wohnungen

„Wir haben zwar einen Bauboom, aber zu wenig bezahlbare Wohnungen für Senioren“, sagt Jürgen Lüdtke, Vorsitzender des Seniorenbeirats. Für die Zukunft plant der Beirat ein Kataster, in dem verfügbare altersgerechte Wohnungen gelistet sind, aber auch Häuser, die Senioren verkaufen wollen, weil sie ihnen zu groß geworden sind. Hier will der Beirat mit dem Bauverein kooperieren. Auch generationenübergreifendes Wohnen und Senioren-WGs seien ein Thema, mit dem sich der Seniorenbeirat zukünftig zusammen mit dem Bauverein Delmenhorst intensiver befassen will. Reiner Fulst will zudem im März auf Einladung des Beirats einen Vortrag zum Themenkomplex „Wohnen im Alter“ halten.

Sonja Klanke Redakteurin, Agentur Schelling / Redaktion Ganderkesee
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