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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Flüchtlinge: Gastgeberin wird verehrt wie eine Mutter

24.12.2015

Ganderkesee Das klappt schon prima: „Sitz!“, ruft Sepan Lewand und brav setzt sich Rauhaardackel Sera auf seinen Platz. „Eigentlich kennen die Menschen aus Syrien es nicht, dass ein Hund im Haus wohnt“, sagt Gastgeberin Elke Mestemacher. „Aber kein Hund ist so nett wie Sera“, erwidert Sepan das Kompliment.

Sepan Lewand (29) und sein Cousin Walat Murad (28) sind aus al-Malikiya im östlichen Zipfel Syriens geflohen. Nun gehört das Duo zu den wenigen Migranten in der Gemeinde Ganderkesee, die direkt in einer Familie aufgenommen wurden. Ihre Kollegin Christa Lingenau aus dem Ganderkeseer Weltladen habe sie angesprochen, ob Sepan bei ihr nicht einmal „14 Tage Urlaub“ machen könne, berichtet Elke Mestemacher. Das war im September. Beide verstanden sich gut. Später kam Sepans Cousin Walat dazu.

Eine Gegenleistung erwartet die 75-jährige Ganderkeseerin nicht. Sie bringe die Flüchtlinge aus Nächstenliebe unter, aber auch ein wenig aus Eigennutz. Denn sie möchte nicht allein in dem großen Haus leben. „Es ist quasi eine Win-Win-Situation, wie man heute sagt.“

Die beiden Kurden sind froh, nach ihrer tagelangen Flucht über den Balkan und diversen Aufenthalten in Notunterkünften ein behütetes Zuhause gefunden zu haben. Wo es geht, packt das Duo kräftig mit an. Sepan hilft im Weltladen mit. „Walat hat den Tannenbaum in den Ständer gestellt“, erzählt Mestemacher. Die Migranten fegen Laub oder helfen bei der Gartenarbeit.

Küche und Kühlschrank werden geteilt. Bei den Mahlzeiten haben Gastgeberin und Mitbewohner aber noch keinen gemeinsamen Rhythmus gefunden. „Ich esse gern mittags warm“, sagt Elke Mestemacher. Sepan und Walat kochen sich lieber am Abend warme Speisen. Schweinefleisch ist tabu. Zu den Lieblingsgerichten gehören unter anderem „Mamounia“, ein süßer arabischer Griesbrei, oder „Mujaddara“, ein einfaches arabisches Gericht mit Reis und Linsen. „Sie kochen sehr abwechslungsreich“, sagt Mestemacher. Allein das arabische Fladenbrot sei nicht ihr Ding. Auch die deutschen Gerichte mögen die Migranten: Kürzlich servierte Mestemacher Fisch mit Brokkoli.

Mit dem Weihnachtsfest können die gläubigen Moslems durchaus etwas anfangen: „Wir hatten eine christliche Familie in unserer syrischen Nachbarschaft“, so Sepan, während in der guten Stube von Elke Mestemacher die Kerzen auf dem Adventskranz brennen. Völlig unbekannt war den Cousins allerdings der deutsche Weihnachtsmarkt.

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Gemeinsam mit Elke Mestemacher und ihrer Familie werden die beiden aber nicht die Weihnachtstage verbringen. Sepan und Walat nutzen die Ferienpause ihrer Sprachkurse, um zu einem Onkel zu fahren, der schon seit einigen Jahren in Schweinfurt lebt. „Schade“, findet Elke Mestemacher, „dann gibt es die Geschenke eben erst im Januar.“

Dem guten Miteinander tut das keinen Abbruch: „Wir fühlen uns sehr wohl hier“, bedanken sich Sepan und Walat. Ihre Vermieterin rufen sie mit dem Wort „Dade“ – das bedeutet Mutter.

Stefan Idel Redakteur / Landespolitischer Korrespondent
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