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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Naturschutz In Der Gemeinde Hatten: Kein Wischiwaschi für den Umweltschutz

30.06.2020

Gemeinde Hatten Das niedersachsenweite Volksbegehren Artenvielfalt wird in Hatten maßgeblich vom Nabu mit einer Unterschriftensammlung unterstützt. Die Initiative bekommt mittlerweile – unabhängig voneinander und von verschiedenen Seiten – Kritik. Hier ein Überblick der Standpunkte:

SPD-Landtagsabgeordneter Axel Brammer, Mitglied im Ausschuss für Umwelt, Vertreter im Stiftungsrat der Bingo!-Umweltstiftung und selber Nabu-Mitglied, zeigt sich im Gespräch mit der NWZ „enttäuscht“ vom Vorgehen des Nabu. Er verweist auf den „Niedersächsischen Weg“, ein Maßnahmenpaket für den Natur-, Arten- und Gewässerschutz, das zwischen dem Land Niedersachsen und den Landesverbänden des Nabu und BUND sowie dem Landvolk Niedersachsen und der Landwirtschaftskammer vereinbart worden ist. In dem Papier verpflichtet sich die Landesregierung dazu, gemeinsam mit Akteuren der Landwirtschaft und des Naturschutzes konkrete Maßnahmen für mehr Natur- und Artenschutz konsequent umzusetzen.

„Das ist kein Wischiwaschi-Papier, sondern wir haben einen konkreten Zeitplan und konkrete Ziele definiert“, betont der Kirchhatter. Auch strittige Themen wie ein Grünlandumbruchverbot würden darin nicht ausgeklammert. Weitere konkrete Ziele: ein landesweiter Biotopverbund (15 Prozent der Landesfläche) bis 2023 sowie von der Bewirtschaftung ausgenommene Gewässerrandstreifen von 3 bis zehn Metern (je nach Gewässerordnung).

Als Beweis dafür, dass das nach der Sommerpause zur endgültigen Beratung vorgesehene Maßnahmenpaket erhebliches Gewicht hat, nennt Brammer mehrere Punkte: 30 Millionen Euro sollen jährlich in den kommenden drei Jahren zusätzlich in den Naturschutz fließen, 15 zusätzliche Ökologische Stationen zur Gebietsbetreuung sogenannter Natura-2000-Gebiete bis 2025 geschaffen werden. Gleichzeitig hält es der SPD-Landtagsabgeordnete für wichtig, dass die Entschädigungen klar geregelt sind. „Die Landwirte müssen für Beschränkungen ihrer Arbeit einen finanziellen Ausgleich erhalten“, sagt er. Nur miteinander könne das Projekt ein Erfolg werden. „Die jetzt erfolgte Polarisierung vor Ort hilft nicht weiter.“ Er wünsche sich, dass auch innerhalb des Nabu über den Niedersächsischen Weg inhaltlich diskutiert werde.

Erhalt und Schutz der Natur und Artenvielfalt seien eine Aufgabe, die alle angehe. „Der Erfolg hängt davon ab, dass alle Seiten an einem Strang ziehen: Politik, Landwirtschaft, Naturschutzverbände, Handel und Verbraucher“, hat bereits der Sprecher der Linken im Kreis Oldenburg, Frans Haverkort (Kirchhatten), gewarnt. Das unterstützenswerte Ziel der Artenvielfalt werde mit dem Volksbegehren womöglich eher gefährdet.

landvolk/Landwirte

„Obwohl es bereits einen Zusammenschluss von vielen Beteiligten gibt, schert der Nabu aus und zieht einen Alleingang vor. So funktioniert keine nachhaltige Kooperation“, kommentiert Thale Meyer vom Kreislandvolkverband Oldenburg die Aktion.

„Der Niedersächsische Weg ist vom Nabu unterschrieben worden. Wir fragen uns, warum diese Art der Zusammenarbeit hintergangen wird und sind enttäuscht von dem Verhalten“, betont ihrerseits Landwirtin Karin Lüschen-Strudthoff aus Tweelbäke.

15 Landwirte und deren Frauen hatten nach eigenen Angaben den Stand der Nabu-Ortsgruppe Hatten auf dem Auvers-le-Hamon-Platz besucht, um dort ins Gespräch über das Volksbegehren Artenschutz zu kommen. Als schockierend haben es die Landwirte nach eigenen Angaben empfunden, wie wenig die Bürger über den Inhalt des Papiers informiert waren. „Die meisten haben den Gesetzestext gar nicht gelesen. Sie lesen nur „Artenschutz“ und unterschreiben. Welche Einschnitte das Volksbegehren auf das tägliche Leben hat, ist kaum jemandem klar“, erzählt Petra Schütte-Lange (Sandkrug).

Unterschreiben sei leicht, das Umsetzen aber nicht, mahnen die Landwirte an und rufen den Nabu auf, zur Zusammenarbeit zurückzukehren. „Naturschutz kann nur funktionieren, wenn man kooperiert und mit allen Beteiligten ins Gespräch geht“, meint Thale Meyer vom Kreislandvolk.

Der Bürgermeister

Hattens Bürgermeister Christian Pundt sagt: „Nach anfänglicher Freude, dass sich neben der Coronapandemie Menschen weiter um Umweltschutz bemühen, plädiere ich für einen gemeinsamen Weg und bin ein wenig ernüchtert.“ Artenvielfalt, wie sie wohl jeder wolle, könne nur gemeinsam erreicht werden. „Deshalb sollten wir weiter mit dem Thema Regionalität und regionale Wertschöpfung auf die Zusammenarbeit mit den Akteuren setzen und nicht Fronten aufbauen. Der eingeschlagene Niedersächsische Weg sei doch ein sehr gutes Beispiel, wie es funktionieren könnte.“

Der Nabu Hatten

Mehr als 100 Unterschriften hat der Nabu Hatten bislang für das Volksbegehren gesammelt. „Der Anfang ist gemacht“, sagt Helmuth Koopmann und spricht von einer erwarteten Resonanz. Weitere Aktionen sollen folgen. Inhaltlich gebe es zwischen dem, was das Volksbegehren Artenvielfalt will und dem Niedersächsischen Weg nur wenige Unterschiede. „Deshalb dürften die Landwirte eigentlich gar kein Problem haben“, betont er.

Ziel des Volksbegehrens Artenvielfalt sei es auch, den Druck auf die Akteure auf Landesebene aufrechtzuerhalten. „Die Inhalte dürfen nicht bis zur Gesetzgebung verwässert werden“, warnt Koopmann, selber SPD-Mitglied. Sein Eindruck: Vielen Landwirten seien die Inhalte des Niedersächsischen Wegs gar nicht klar. „Wenn Axel Brammer es schafft, diese Ziele gesetzlich verankern zu lassen, sind wir die ersten, die das Volksbegehren abblasen“, so Koopmann.

Werner Fademrecht Hatten / Redaktion Wardenburg
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