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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Gewagt und gewonnen

15.04.2017

Wie sagte Aristoteles so treffend: „Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“ Ihre „Segel“ anders gesetzt hat auch Anke Hinderlich (44), die mit viel Mut von einem Angestelltenverhältnis in die Selbstständigkeit gewechselt ist. Vor fünf Wochen eröffnete sie „Platzhirsch“, ein Fachgeschäft für Wohnkultur im Landhausstil an der Rathausstraße in Ganderkesee.

Obwohl einige ihrer Freunde sie besonders vor dem Standort „Rathausstraße“ gewarnt hatten, setzte sie ihr Vorhaben in die Tat um. „Ich bin mit den ersten Wochen mehr als zufrieden, das hätte ich so nicht erwartet. Allein am Eröffnungstag waren über 500 Besucher hier“, strahlt eine sichtlich zufriedene Geschäftsinhaberin.

Ankes Eltern hatten in Immer eine kleine Landwirtschaft im Nebenerwerb. Schon früh musste Anke Otte, so ihr Mädchenname, zusammen mit ihren beiden Brüdern mithelfen. Mit sieben Jahren trat sie dem Schützenverein Bürstel-Immer bei und ist auch noch heute aktive Schützin. „Leider habe ich es noch nie zu Königsehren gebracht“, gesteht Anke. Beim Sport bevorzugte sie immer die Mannschaftssportarten, wie zum Beispiel Handball. Viele Jahre spielte sie erfolgreich beim TV Falkenburg und später in Neerstedt. „Alleine ist nicht so mein Ding, ich bin eher ein Teamplayer“, sagt Anke über sich.

Als sie mir über ihre aktive Zeit in der Landjugend Ganderkesee erzählt, strahlen ihre Augen. „Ich fand den Zusammenhalt dort so super. Jeder fühlte sich sofort angenommen. Wir hatten jede Menge Spaß, und ich habe hier viele nette Menschen kennengelernt“, schwärmt Anke noch heute.

Nach ihrem Abschluss an der Realschule und ein Jahr Höhere Handelsschule in Wildeshausen machte Anke eine Ausbildung zur Groß- und Außenhandelskauffrau bei Vosteen in Delmenhorst, einem Floristikbedarfsgroßhandel. Nach ihrem Abschluss war Anke nicht nur für den Einkauf in Europa zuständig, sondern auch verantwortlich für die jungen Auszubildenden. Berufsbegleitend absolvierte sie eine Weiterbildung zur Fachkauffrau für Außenwirtschaft. In Portugal suchte sie Firmen, die Waren aus Keramik anzubieten hatten. Ab 2001 erweiterte sich ihr Gebiet von Europa auf zum Beispiel China. Zusammen mit ihrem Chef Heinrich Vosteen suchten sie nach Firmen, die passende Ware liefern konnten. „Verständigt haben wir uns oft mit Händen und Füßen“, blickt Anke zurück. Später erweiterte sich das Geschäftsgebiet auf Indien, Vietnam und Hongkong. Acht bis neun Wochen im Jahr war Anke für den Einkauf unterwegs.

Beim „Public Viewing“ zur Fußball-WM 2006 im Gasthof Witte in Immer lernte sie Stefan Hinderlich kennen. Bei der Faschingsauftaktveranstaltung am 11.11. sah man sich am selben Ort wieder. 2010 wurde geheiratet, und ein Jahr später machte Sohn Jasper das Glück perfekt. Allerdings wurde der Spagat zwischen Familie und Beruf für Anke immer schwieriger.

Wenn es eng wurde, konnte sich Anke dabei immer auf ihre Eltern verlassen. 2015 starb nicht nur ihre Mutter, sondern kurze Zeit später auch ihr Vater. Im September 2016 war Familie Hinderlich auf Urlaub in St. Peter Ording und hier fiel die Entscheidung: Es muss sich etwas tun. Anke entschied sich, ihren Job bei Vosteen aufzugeben und sich selbstständig zu machen.

„Ich hatte schon Respekt vor diesem Schritt“, gesteht Anke. Sie fand den passenden Zulieferer für ihre Geschäftsidee und ist mit ihrem Angebot ein Geschäft von nur 32 dieser Kategorie in ganz Deutschland.

Nie vergessen wird Anke einen Abend im Oktober 2014, als plötzlich drei Herren vor der Tür standen. „Ich habe zuerst gedacht, dass sie zu Stefan wollten und habe daher das Telefonat mit meiner Freundin im Nebenraum fortgesetzt. Bis Stefan mich irgendwann darauf aufmerksam machte, dass diese drei Herren zu mir wollten und mich zur Faschingsprinzessin 2015 ausgesucht hatten“, erinnert sich Anke. „Mit meinem ,Ja’ habe ich zwar etwas gezögert, aber ich hätte eine super tolle Zeit verpasst, wenn ich ,Nein’ gesagt hätte“, schwärmt Anke.

Dem Fasching ist sie mit den Ex-Prinzenpaaren treu geblieben. In ihrer Freizeit engagiert sich Anke Hinderlich zudem für soziale Projekte im Lions-Club. Oft trifft man Familie Hinderlich auch an der Nord- oder Ostsee. „Wir sind absolute Wasserliebhaber und haben auch schon zusammen unseren Bootsschein gemacht“, erzählt Anke. Zusammen mit ihrem Ehemann Stefan geht sie auch regelmäßig ins Bremer Weserstadion und drückt dem SV Werder die Daumen. Vor einigen Jahren noch undenkbar, denn da war sie noch ein Fan vom FC Bayern München. Manchmal können wir Männer doch noch die Damen überzeugen.

Anke Hinderlich,Inhaberin des Möbel- und Wohndesigngeschäftes „Platzhirsch“ in Ganderkesee

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