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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Griff zur verbotenen Frucht?

22.09.2015
NWZonline.de NWZonline 2015-09-23T09:58:30Z 280 158

Erntezeit Im Nordwesten:
Griff zur verbotenen Frucht?

Wildeshausen/Landkreis Mit einem dumpfen Laut fällt ein Apfel vom Ast auf den Boden. Der Rasen unterhalb des Baumes ist übersät von kleinen und größeren Früchten in verschiedenen Stadien der Verwesung.

Vielerorts gibt es Obstbäume, deren Äste sich im Herbst unter der Last ihrer Früchte biegen. Oft fallen die aber nur herunter und werden nicht geerntet. Wem gehören diese Bäume? Darf sich dort einfach jeder bedienen? Wenn das Obst gepflückt werden darf, wie viel ist in Ordnung? Diesen Fragen geht die NWZ  auf den Grund.

Mundraub möchte Obst retten

Mundraub ist eine Initiative mit Sitz in Berlin. Sie möchte dafür sorgen, dass Obstbäume nicht in Vergessenheit geraten. Dafür hat sie im Internet eine interaktive Karte erstellt, auf der jeder Obstflächen eintragen kann.

Oberste Mundraubregel sei es jedoch, zuerst zu klären, wem der Obstbaum gehört, erklärt Andie Arndt, Pressesprecherin der Initiative. Nur, wenn es erlaubt ist, darf die Obstfläche auf der Mundraub-Karte eingetragen werden.

Privatpersonen, die nicht mehr mit der Ernte ihrer Früchte hinterherkommen, können über Mundraub sogenannte Erntecamps organisieren. Ein Aufruf wird gestartet und zu einem vereinbarten Zeitpunkt treffen sich freiwillige Helfer, um das Obst abzuernten.

Wer seine Obstbäume auf der Mundraub-Karte eintragen möchte, kann sich kostenlos registrieren.

   

   www.mundraub.org

Die Stadt Wildeshausen hat einige Flächen, die mit Obstbäumen bepflanzt sind, erzählt der stellvertretende Pressesprecher der Stadt, Sebastian Pundsack. „Wenn Bürger dort Obst pflücken wollen, sollen sie vorher kurz bei der Stadt nachfragen.“

Nicht nur die Stadt Wildeshausen hat Obstbäume gepflanzt, die Naturschutzstiftung im Landkreis Oldenburg ebenfalls. Sie hat es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, umweltfreundliche Bewirtschaftungspraktiken zu fördern. Eins ihrer Projekte ist die Förderung von Streuobstwiesen. Ziel ist es, insbesondere alte Obstsorten am Leben zu erhalten. Die Naturschutzstiftung stellt die Bäume bereit, was dann jedoch mit der Ernte geschieht, entscheiden die Grundstückseigentümer, erklärt Thomas Warns, Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörden des Landkreises.

„Generell sehe ich kein Problem darin, Obst für den Eigenbedarf zu pflücken, wenn man die Besitzer gefragt hat. In der Regel sind die von uns geförderten Flächen in der Nähe von Höfen. Wenn man gerne Obst pflücken würde, kann man zum Haus gehen, klingeln und fragen“, erklärt er.

Wer gefragt hat und somit die Erlaubnis hat ein paar Äpfel, Quitten, Birnen oder Pflaumen zu pflücken, ist immer auf der sicheren Seite. Denn wer übermäßig Obst klaubt, macht sich des Diebstahls schuldig.

Der Verein Biologische Schutzgemeinschaft Hunte Weser Ems (BSH) erlebt immer wieder den Missbrauch ihrer Obstflächen. Es sei zwar in Ordnung, wenn Rastende auf ihren frei zugänglichen Obstflächen Früchte pflücken würden, um sie direkt zu essen. Aber alles aufzusammeln mit der Begründung, es würde sonst unnötig verderben, sei nicht richtig, informiert der BSH-Vorsitzende Prof. Dr. Remmer Akkermann.

Denn Obstbaumwiesen erfüllen auch mit liegengebliebenem Fallobst ihre zugedachte Aufgabe. Für zahlreiche Organismen und Wild ist es eine wichtige Notnahrung in der kalten Jahreszeit.

Nicht nur Menschen naschen gerne von den süßen Früchten, zumindest solange sie nicht verboten sind.