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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Viel Vogelgezwitscher gibt’s im Pferdestall

27.07.2018

Groß Köhren „Mami Mami, hier sind ganz viele Schwalben“, das habe schon vor 30 Jahren Eva Heinkes Tochter gesagt, wenn sie zum Voltigieren zum Reitclub Sport Harpstedt in Groß Köhren fuhr. Geändert habe sich daran bis heute nichts. Es sei Heinke, die die Ortsgruppe Harpstedt des Naturschutzbundes (Nabu) vertritt, deshalb eine besondere Ehre, dieses Anwesen nun mit einer Urkunde sowie einer Plakette als schwalbenfreundliches Haus auszuzeichnen.

Manuela Meyer, Pressewartin des Reitclubs, hat die aktuellen Nester gezählt. „36 Nester gibt es im Stall. 16 oder mehr davon sind bewohnt“, schätzt sie.

Schwalben seien Kulturfolger des Menschen. Das heißt, sie nutzen auch die Gebäude, die von Menschen errichtet wurden, als ihren Nistraum, erklärt Heinke. „Doch nur, wenn man sie auch lässt. Wenn sie dort Nestmaterial finden.“ Dazu gehöre zum Beispiel feuchter Lehm. Wichtig seien auch Nahrungsquellen, dafür kämen vor allem Insekten in Frage.

„Dass es hier so viele Schwalben gibt, freut mich, es ist etwas Besonderes. Denn die Population geht in Deutschland stark zurück.“ Durch die Versiegelung des Bodens und durch die massive Landwirtschaft gebe es weniger Insekten, so sei es für die geflügelten Wesen immer schwieriger an Nahrung zu kommen. Hinzu kämen die Hygienevorschriften in der Landwirtschaft: „Es darf kein Vogel mehr in einem landwirtschaftlich genutzten Stall zu sehen sein, sonst verlieren die Landwirte ihre Zertifizierungen“, weiß Heinke.

Schwalben sind Langstreckenzieher und überwintern südlich der Sahara. Doch auch dort droht den Tieren Gefahr: „Viele schaffen es nicht übers Mittelmeer, weil sie vorher abgefangen werden und dort als kulinarische Speise gelten“, sagt das Nabu-Mitglied. Auch für die Uferschwalben, eine von mehreren Unterarten, werde es zunehmend schwieriger, durch die Begradigungen der Gewässer einen Brutplatz zu finden.

Oft seien die Vögel auch auf Privatgrundstücken nicht willkommen. Wenn Dämmungsmaßnahmen vorgenommen werden müssen, würden viele Menschen die Nester einfach abschlagen. „Das ist übrigens nicht erlaubt“, weiß Heinke.

Der Reitclub sei hingegen ein tierfreundliches Anwesen. So leben dort auch Waldameisen und Schleiereulen, weiß Heinke. „Wir hoffen natürlich, dass andere Ställe, oder auch Privatleute, Lust haben und aufmerksam werden und den Schwalben wieder mehr Möglichkeiten geben, um zu brüten.“ Auch auf mehr Toleranz, was den Dreck angehe, den die Vögel teilweise hinterlassen, hofft die Nabu-Frau.

Der Naturschutzbund zeichnet schon seit vielen Jahren Gebäude aus, die schwalbenfreundlich sind. „Dafür muss es keine Mindestzahl an Nestern geben, auch ein Haus mit nur einem Nest kann eine Plakette bekommen“, betont Heinke.

Kai-Uwe Lindenbauer, Vorstandsmitglied im Verein des Reitclubs Sport Harpstedt, begrüßt die Plakette. Er sieht in ihr jedoch auch ein Signal, aufmerksam zu werden: „Durch so eine Auszeichnung merkt man, dass etwas mit der Umwelt nicht in Ordnung ist.“ Schwalben auf dem Hof waren für ihn immer selbstverständlich. „Jetzt weiß man erst richtig zu schätzen, dass diese Tiere da sind“, meint Lindenbauer.

Freya Adameck
Volontärin, 2. Ausbildungsjahr
NWZ-Redaktion
Tel:
0441 9988 2003

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