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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Landvolk: Jede zweite Messstelle weist Mängel auf

03.04.2020

Großenkneten /Hude /Ganderkesee Beim Thema Düngeverordnung sehen die Landwirte rot. Das hat zum einen damit zu tun, dass Teile ihrer Nutzflächen in den amtlichen „roten Gebieten“ liegen – die eine erhöhte Nitratbelastung nachweisen. Zum anderen haben sie Zweifel an der Richtigkeit dieser Werte und fühlen sich von der Politik hintergangen. Nun liegt das von 23 niedersächsischen Kreislandvolkverbänden in Auftrag gegebene Gutachten vor.

Erhebliche Mängel“

„Auch die relevanten Messstellen im Landkreis Oldenburg weisen in der zusammenfassenden Bewertung erhebliche Mängel auf“, stellt der Vorsitzende des Kreislandvolkverbandes Oldenburg, Detlef Kreye aus Großenkneten, fest. Sowohl bei der Ausbauqualität der Messstellen wie bei der Wartung und Dokumentation seien Unregelmäßigkeiten festgestellt worden. Die Wasseranalysen spiegeln davon ausgehend zum Teil fehlerhafte Werte wider.

„Die Feststellungen, dass die Gebietsabgrenzung nicht nach grundwasserhydraulischen Aspekten erfolgte, stellt die roten Gebiete-Kulisse vollständig in Frage. Da, wo Probleme sind, soll verursacherbezogen gearbeitet werden. Wir sind aber dagegen, dass die Landwirtschaft in Sippenhaft genommen wird“, so Kreye in seiner ersten Bewertung.

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Das Gutachten hat 41 Grundwasserkörper hinsichtlich ihres Zuschnittes mit den zugehörigen Typflächen/Teilräumen analysiert. Es kommt zu dem Ergebnis, dass die geringe Dichte der Messstellen in den Grundwasserkörpern nicht repräsentativ ist. Die ausgewiesenen Messstellen bilden nicht die reale Landnutzung ab. Das unterirdische Fließverhalten des Grundwassers wird zudem bei der Abgrenzung der Grundwasserkörper nicht ausreichend beachtet.

648 Messstellen wurden konkret auf ihre Qualität überprüft, parallel dazu die auf Grundlage dieser Messstellen beruhende Zustandsbeschreibung der Grundwasserkörper nach EU-Recht. 190 der 648 überprüften Messstellen weisen gravierende Mängel auf, beispielsweise in den bautechnischen Anforderungen. An weiteren 194 Messstellen belegt das Gutachten noch geringe Mängel. In 264 Fällen ist die Dokumentation der Ausbaupläne der Messstellen für eine Bewertung unzureichend, deshalb sind belastbare Aussagen zur Nitratbelastung dieser Messstellen nicht möglich. Hydor hat dazu eine Vielzahl von Parametern entlang der Messstellen geprüft. Schließlich sieht das Fachgutachten nach einem Vergleich der Messstellennetze europäischer Nachbarländer und der Schweiz mit dem in Deutschland eine nachteilige Behandlung der deutschen Landwirte gegenüber den europäischen Kollegen.

„Das hilft uns kaum“

Am vergangenen Freitag beschlossen die Länder im Bundesrat die umstrittene Novelle – die allerdings erst ab Januar 2021 vollumfänglich gelten soll. Ein Kompromiss, der von der EU gebilligt wurde, Landwirte können dem Aufschub allerdings nur wenig abgewinnen.

„Das hilft uns kaum“, sagt Onno Osterloh vom Ortslandvolk Ganderkesee, „weil die Verordnung eh erst ab Mai gegriffen hätte, für das Düngejahr hätte das keinen Einfluss mehr gehabt.“ Was genau der Entschluss der Länder im Einzelnen jetzt bedeutet, müsse sich noch klären. Grundsätzlich äußert Osterloh aber Sorgen über die Zukunft und spricht von einer Katastrophe.

„Die Politik hat lange nicht reagiert und jetzt, wo Strafzahlungen von der EU-Kommission drohen, kommt das alles so plötzlich“, sagt auch Landwirt Wilfried Wieting. Der größte Teil seines Hofes liegt im roten Gebiet, im Bereich Hurrel/Sandersfeld.

Sandersfeld ist laut Wieting zudem der Ausgangspunkt des roten Gebietes. Der Grund: Dort befinden sich zwei Brunnen, wo Nitratmessungen durchgeführt wurden. Doch ob diese Brunnen überhaupt für Messungen geeignet sind, ist fraglich. „Einer der Brunnen ist in den 70er-Jahren gebaut worden. Heute hat man dort Nitrat nachgewiesen, aber weiß nicht, wo es herkommt“, sagt Wieting. Ebenfalls seien die Brunnen unterschiedlich tief.

Verlust an Einkommen

Für den Landwirt und Vorsitzenden des Huder Landvolkvereins, Ingo Wachtendorf, hat eine Reduzierung von 20 Prozent der Düngung zur Folge, „dass wir unseren Tierbestand um sechs bis sieben Prozent reduzieren müssen“. Das würde einen erheblichen Einkommensverlust bedeuten. Denn mit dem Großteil der Tiere würden die laufenden Kosten abgedeckt und „die letzten Prozent sind unsere Einnahmen“, sagt Wachtendorf. Die Konsequenz wäre, dass der Landwirt, wie andere auch, mehr Nutzfläche pachten müsste, um den Verlust auszugleichen. Oder der Milchpreis müsste um ungefähr fünf Cent je Liter steigen.

Übrigens: Die im Gutachten des Landvolkes untersuchten Messstellen sind nicht identisch mit denen des Landkreises Oldenburg. „Die Kritik des Landvolks bezieht sich auf die Messstellen des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz“, erklärt Stephanie Siefken-Hahn, die Leiterin des Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft im Kreishaus Wildeshausen. Die 58 regelmäßig untersuchten Brunnen im Kreisgebiet seien mit dem Kreislandvolk abgestimmt. Bei jedem Brunnen würden die Veränderungen beobachtet und mit den umliegenden Landwirten besprochen.

Die Tendenz der Untersuchungen des Landkreises Oldenburg und des NLWKN geht aber in die gleiche Richtung: Es ist zu viel Nitrat im Boden. Ein Verursacher: die Landwirtschaft mit ihrem Gülleeintrag.

Christoph Koopmeiners Wildeshausen/Dötlingen / Redaktion Wildeshausen
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Arne Haschen Redakteur / Redaktion Ostfriesland
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