• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Hier Ist Heimat: Wo jeder Tag wie ein kleiner Urlaub ist

19.06.2020

Harbern I Eine Gaststätte oder ein Geschäft sucht man in Harbern I vergebens. Was ist mit Schule, Kindergarten oder Sportverein? Ebenfalls Fehlanzeige. Selbst die letzte Buslinie wurde vor einigen Jahren gestrichen. Aber was reizt dann die Bewohner in diesem Moordorf, in dem scheinbar „nichts los ist“, zu leben? Die Nachbarn Gunda Siebrecht und Horst Leverenz von der Korsorsstraße kennen die Antwort: „Wir leben Nachbarschaft“. Denn die wird zwischen dem Dortmunder Moorweg und der Grenze zu Harbern II groß geschrieben.

„Die tollen Nachbarn“ nennen sich die 35 Bewohner aus diesem Teil von Harbern I. Die Harberner Heide trennt sie von den restlichen 185 Einwohnern, die an der Feldstraße und Am Kanal leben. „Zu Fuß kommt man da nur über den Dortmunder Moorweg hin, der oft in einem schlechten Zustand ist“, nimmt es Horst Leverenz mit Humor.

Die alte Bushaltestelle funktionierte die Nachbarschaft von der Korsorsstraße in Harbern I zu einer gemütlichen Schutzhütte um. BILD: Marén Bettmann

Die ersten Siedler kamen im Jahr 1935

1935 bezogen die ersten Siedler in Harbern ihre Häuser. Der Bau des Küstenkanals, die Torfindustrie und das Moorgut der Stadt Dortmund waren die Grundlage für die Besiedelung und Vergabe von Grundstücken.

Mit 220 Einwohnern ist Harbern I nach Klein Bümmerstede und Höven die drittkleinste der 18 Ortschaften der Gemeinde.

Sein 50-jähriges Bestehen feierte das Dorf im Jahr 1985 mit einem dreitägigen Festprogramm, bei dem der damalige niedersächsische Landwirtschaftsminister Gerhard Glup die Festrede hielt. Zu diesem Jubiläum entstand die bis dato einzige Chronik der Ortschaft.

Der Name Harbern führt auf mittelalterliche Urkunden zurück, in denen sich die alte „Herberger“ Bauernschaft vorstellte. Herbergen (oder auch Harbergen) erstreckte sich über das Gebiet der heutigen Ortschaften Achternholt, Oberlethe, Westerholt und Achternmeer. Der Name wandelte sich im Laufe der Zeit. Mitte des 18. Jahrhunderts taucht erstmals der Name „Harbern“ auf.

Der Gemeinderat Wardenburgs entschied im Jahr 1948 in Anbetracht der weiten Wege und mangels Fahrrädern, die Ortschaft in Harbern I und II aufzuteilen.

Der Bezirksvorsteher und Landwirt im Ruhestand und seine Nachbarin Gunda Siebrecht leben von Geburt an in Harbern I, das erst Mitte der 1930er Jahre von Moorarbeitern gegründet wurde. „Unsere Großeltern mussten das Land erst noch kultivieren“, wissen die 63-Jährige und der 71-Jährige, die sich untereinander nur in ihrer Muttersprache Plattdeutsch unterhalten. Nebenbei seien damals noch kleine Landwirtschaften betrieben worden. Mittlerweile gibt es nur noch zwei landwirtschaftliche Betriebe in Harbern I, einer davon ist der Milchviehbetrieb von Horst und Anita Leverenz, den Sohn Andre übernommen hat. Der Junior lebt mit Frau und vier Töchtern Tür an Tür mit seinen Eltern.

Viel hat sich in der 85-jährigen Geschichte des Dorfes nicht verändert. Den Bewohnern sind Familie, Natur und die Nachbarn wichtig. Neue Nachbarn werden mit einem Kranz begrüßt, kranke und alte umsorgt. Es geht zusammen auf Kohltour und zum Tannenbaum schmücken, und mit vereinten Kräften richtete man auch die alte Bushaltestelle als gemütliche Schutzhütte für Fahrradfahrer her.

Der Lieblingsplatz von Gudrun Siebrecht ist ihr großer Garten mit Naschgarten, Gewächshaus, Rhododendren-Ecke, großer, schattenspendender Eiche und mit vielen alten, liebevoll inszenierten Gegenständen, wie Holzbänken, Wagenrädern oder Milchkannen.

„Hier habe ich mein zweites Wohnzimmer“, sagt die Mutter von zwei erwachsenen Töchtern und zeigt auf die gutgepolsterte Sitzgarnitur. Diese ist aber nur eine von vielen Sitzecken rund um das Wohnhaus, in denen sie und ihr Mann Wolfgang den weiten Blick in Richtung Harberner Heide genießen und dabei nicht selten Rehe, Vögel und Füchse beobachten. „Hier habe ich jeden Tag meinen kleinen Urlaub“, versichert die gelernte Bürokauffrau.

Vereinsleben spielt sich für die Menschen aus Harben I überwiegend im größeren Nachbarort Achternmeer ab. So hat man sich im Bürgerverein Achternmeer-Harbern I vereint, ebenso wie im Sportverein und im Gemischten Chor, dessen Vorsitzender Horst Leverenz ist. „Und zur Schule sind die Kinder schon immer in Achternmeer gegangen“, erklärt Gunda Siebrecht.

Für so machen Zeitgenossen mag es in Harbern I zu ruhig sein, Gunda Siebrecht spürt hier, wie sie sagt, Lebensgefühl.

Marén Bettmann Wardenburg / Redaktion Wardenburg
Rufen Sie mich an:
04407 9988 2730
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.