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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Pilotprojekt „Telepflege“ gewinnt an Zustimmung

11.10.2018

Harpstedt „Am Anfang waren wir ziemlich skeptisch“, erinnert sich Elke Lükermann, Leiterin der DRK-Gemeindeschwesternstation Harpstedt. Ein Tablet in der Pflege einsetzen, damit in die Wohnung des Patienten gehen, um zum Beispiel Bilder von dessen Rötung am Arm aufzunehmen und weiterzuleiten – das könnte ganz schön Unruhe verbreiten, so die Befürchtung. Doch das trat nicht ein. Ganz im Gegenteil: Die Patienten seien offen für die neue Technik, die im Zuge des Pilotprojektes „Telepflege“ in der Samtgemeinde Harpstedt eingesetzt wird. Und Zustimmung kommt auch von den Pflegekräften selbst.

Fachkräfte fehlen

25 000 Fachkraftstellen sind im Bereich der Alten- und Krankenpflege derzeit nicht besetzt, so Verena Oetken von der Vita Akademie GmbH. Darüber hinaus fehlen 10 000 Pflegehilfskräfte. Oetken zitierte die Zahlen aus einer Mitteilung der Bundesregierung.

In Niedersachsen seien ambulante Pflegedienste in Bedrängnis. Sie würden bis zu 20 Anfragen im Monat absagen, „weil die Versorgung der Patienten ansonsten nicht gewährleistet werden kann“.

In Harpstedt läuft das Projekt vom 1. Mai 2017 bis 30. April 2019. Laut Vita Akademie war die Telepflege beim Hauptstadtkongress im Juni 2018 vorgestellt worden. Angedacht sei ein Impulsvortrag am Donnerstag, 25. Oktober, beim Innovationsforum Jadebay in Wilhelmshaven.

Worum es geht: Seit dem 1. Mai 2017 nehmen die DRK-Gemeindeschwesternstation und das DRK-Seniorenzentrum Harpstedt an einem zweijährigen, vom Land Niedersachsen geförderten Projekt der Vita Akademie Wittmund teil. Das Ziel: Vor dem Hintergrund fehlender Pflegefachkräfte und Pflegehilfskräfte soll herausgefunden werden, ob digitale Medien helfen können, die pflegerische Versorgung speziell im ländlichen Raum zu verbessern.

Bilder von Verletzung via Tablet verschicken

Wie das laufen könnte, beschreiben Pflegedienstleiterin Elke Lükermann und ihre Stellvertreterin Irmgard Allers an einem Beispiel: Patient X ist in seiner Wohnung gefallen, hat sich dabei eine Rötung zugezogen. Die Pflegehelferin ist sich nicht sicher, was zu tun ist – und nimmt Kontakt zur Gemeindeschwesternstation und damit zu examinierten Kolleginnen auf – oder alternativ zur Hausnotrufzentrale der Johanniter in Berne, die mit dem Klinikum Oldenburg zusammenarbeitet. Via Tablet schickt die Pflegehelferin Bilder von der Rötung mittels datengeschützter Videokonferenz, so dass Fachkräfte Unterstützung leisten können – und nicht selbst herausfahren müssen.

Bislang wurde der Einsatz der neuen Technik von vier der zehn „Examinierten“ der Gemeindeschwesternstation getestet. Bei einer Dienstbesprechung am Mittwoch, 17. Oktober, wird es um eine Ausweitung des Projektes gehen: Jetzt sollen auch Schwesternhelferinnen für den Einsatz mit Tablet und Kamera geschult werden.

Nicht überall Internetzugang

Apropos Kamera: Beim Start des Projektes sei die separate Kamera gar nicht dabei gewesen, berichtet Irmgard Allers. Anfangs habe man stattdessen mit dem Tablet fotografiert – was sich aber als unpraktisch erwiesen habe. Und: „Die Auflösung war schlecht.“ Seit voriger Woche setze man die separate Kamera ein. „Die Qualität der Bilder ist super“, sagt Allers.

Was hingegen (noch) gar nicht super ist: Bei beileibe nicht allen etwa 200 Patienten der Gemeindeschwesternstation in der Samtgemeinde Harpstedt haben die Pflegekräfte Zugang zum Internet. „Vielleicht zwei Prozent“ hätten WLAN, schätzt Allers. Und mit mobilen Daten sei in mehreren Orten – wie etwa Dünsen, Kirchseelte – kein Staat zu machen. Deshalb beschränke sich das Projekt auf den Flecken Harpstedt, wo wohl gut 90 Prozent Zugang zum Internet hätten.

Geändert hat sich im Laufe der bisherigen, etwa 17-monatigen Projektdauer nicht nur die technische Ausstattung der Pflegekräfte, geändert habe sich auch deren Einstellung gegenüber der neuen Technik, hat Elke Lükermann festgestellt. Mittlerweile sehe sie die Telepflege als Chance: Durch den Einsatz der neuen Technik würden Wege kürzer. „Das ist ein Instrument für den Pflegedienst, um die Qualität zu halten.“

Irmgard Allers sieht auch Chancen für eine noch weitergehende Nutzung der Technik. Denkbar sei zum Beispiel, dass auch Examinierte, die noch neu im Beruf sind, via Tablet den Kontakt zur Station halten, um sich bei Zweifeln Rat einzuholen. Und denkbar sei zweitens, auch eine Direktverbindung vom Bett des Patienten zum Arzt zu schaffen.

Karsten Kolloge
Harpstedt
Redaktion Wildeshausen
Tel:
04431 9988 2706

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