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NWZonline.de Region

Alle Messstellen im roten Bereich

15.11.2017

Harpstedt Bei der viel zu hohen Belastung des Grundwassers mit Nitrat ist im Landkreis Oldenburg eine Trendwende nicht wahrnehmbar. Das war die zentrale Botschaft, als Dieter Hahn, Leiter des Kreis-Amtes für Bodenschutz und Abfallwirtschaft, am Montagabend dem Bau-, Umwelt- und Planungsausschusses der Samtgemeinde Harpstedt einen Sachstandsbericht zur Grundwasserqualität gab. Auch in der Samtgemeinde gebe es keine Anzeichen für eine Umkehr: Sieben Messstellen gibt es, überall liegen die Ergebnisse im roten Bereich. Zum Teil erreichen sie ein Mehrfaches des gesetzlichen Grenzwertes von 50 Milligramm/Liter (mg/l).

Hahn schilderte zunächst die Bemühungen des Landkreises, zu belastbaren Zahlen zu kommen. Zuständig für das Ermitteln der Grundwassergüte (und gegebenenfalls ordnungsrechtliche Maßnahmen) ist der Landkreis nicht – diese Aufgabe liegt beim Land Niedersachsen. Nur: Dessen Messstellen „sind für eine sachgerechte Diskussion nicht ausreichend“.

Also beschloss der Landkreis, eigene Messstellen zu betreiben. 2013 ging das los, mit zunächst 34 Brunnen. Untersucht werde das Wasser im oberen Grundwasserleiter, meist also etwa fünf Meter unter Gelände.

Die jährlich erhobenen Da-ten bestätigten, „dass wir auf einem viel zu hohen Niveau unterwegs sind“. Beispiel 2017: Von den mittlerweile 56 Brunnen wurden in 16 Fällen Nitrat-Konzentrationen unter 1 mg/l gemessen (Kennzeichnung blau; großenteils im Norden des Landkreises), in zehn Fällen zwischen 1 und 50 mg/l (grün; oft in Waldbereichen) – aber bei 30 Brunnen lag der Wert über dem gesetzlich Zulässigen (rot).

In Abstimmung mit dem Landvolk stieg der Landkreis nach der Beprobung 2015 bei sechs der Messstellen in Detailuntersuchungen ein, sprach mit den betreffenden Landwirten. „Offen“ seien die Gespräche gewesen, kein Betrieb habe sich verweigert, berichtete Hahn. Ergebnisse: Die Grenzen des (alten) Düngerechts seien bis auf eine Ausnahme von den Flächennutzern eingehalten worden. Und: „Die Nährstoffgehalte (Stickstoff, Phosphor) sind oft nicht bekannt. Es wurde nach Richtwerten gedüngt.“

Das Fazit? „Da muss noch wesentlich mehr Beratung in die Betriebe gebracht werden“, ist der Amtsleiter überzeugt. Die Zahl der Kontrollen müsse erhöht werden. Ohne ein Weniger bei der Düngung, an Standort und Bedarf der Pflanze angepasst, werde es ein Mehr beim Gewässerschutz nicht geben.

Offen ist für Hahn, ob das neue, ab 1. Juli greifende Düngerecht mit seinen deutlich verschärften Vorgaben dazu führt, dass der Nitratgehalt im Grundwasser sinkt. Fest steht für ihn: Wenn die Trendumkehr nicht kommt, „wird es teuer“. Denn es laufe das Vertragsverletzungsverfahren der EU gegen die Bundesrepublik. Eine sehr hohe Strafzahlung drohe.

Eine Messstelle im Landkreis Oldenburg BILD: K. Kolloge

Aktuelle Werte liegen zwischen 66 und 280 milligramm/Liter

Sieben Messstellen gibt es in der Samtgemeinde Harpstedt. Und zwar (in Klammern die Nitratkonzentration von 2013 bis 2017 in Milligramm/Liter): Groß Ippener (54; 57; 44; 64; 100). Groß Ippener/Klein Ippener Straße (-; -; -; 85; 86). Harpstedt/Alter Holzhauser Kirchweg (97; 123; 101; 99; 99). Colnrade/Am Hasenberg (115; 120; 120; 119; 110). Prinzhöfte/Wunderburg (110; 120; 130; 123; 130). Prinzhöfte/Wunderburg (110; 110; 91; 76; 66). Klein Köhren/Bei der Purrmühle (271; 210; 180; 218; 280).

Alle Nitrat-Messwerte in den Brunnen im Landkreis mit einer dazugehörigen Landkarte will der Landkreis ab 1. Dezember dieses Jahres auf seiner Website veröffentlichen. Kleinkläranlagen kommen als Verursacher der großen Nitratfrachten nicht in Frage, sagte Dieter Hahn auf Nachfrage von Ratsherr Heinz-Jürgen Greszik.

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Landkreis Oldenburg | Abfallwirtschaft | EU