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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Schaftrifte: Wie ein Spinnennetz in der Feldmark

02.06.2020

Harpstedt Ehemalige Schaftriften durchziehen die Feldmarken im Landkreis Oldenburg fast wie ein Spinnennetz. An die einst zwischen 14 und 16 Meter breiten Triften erinnern manchmal nur noch Straßennamen. Die alten Viehtriften wurden früher zum Auf- und Abtrieb von Kühen und Schafen genutzt. Heute sind die breiten Seitenstreifen zum Teil bepflanzt oder werden bisweilen unter den Pflug genommen, was immer wieder für Diskussion unter Landwirten, in Gemeinden und unter Naturschützern sorgt.

Wichtig für Naturschutz

Auf einen solchen Fall machte unlängst Martin Bruns aus Wildeshausen aufmerksam. Er bemerkte in Ostrittrum das Unterpflügen der Seitenränder und wendete sich an unserer Zeitung. Das tat auch Hermann Bokelmann aus dem Flecken Harpstedt, der die Diskussionen um die Viehdriften noch aus seiner Zeit als Landrat, Bürgermeister und Ratsmitglied bestens kennt. Allerdings wurde in Harpstedt deshalb schon vor Jahrzehnten ein anderer Weg eingeschlagen. Die alten Viehdriften wurden durch die Gemeinde bepflanzt und damit nach heutiger Sichtweise für den Klima- und Naturschutz wichtig.

Dass im Flecken Harpstedt in diesem Bereich seit mehr als 30 Jahren erfolgreich praktische Arbeit geleistet wird, machte Bokelmann in einem Gespräch und einer Fahrt durch die Harpstedter Feldmark deutlich. „Die großen 16 Meter breiten Hauptwege in Harpstedt wurden schon von der Kurhannoverschen Landesaufnahme von 1773 aufgezeichnet“, erklärt Bokelmann. Einige der kleineren Wege seien erst bei der Verkoppelung in den Jahren 1911 bis 1914 entstanden. Es waren alles unbefestigte Wege. Erst nach 1935 habe der Reichsarbeitsdienst (RAD) bis 1939 insgesamt 180 Kilometer Feldwege in den Kirchspielen Harpstedt und Colnrade instand gesetzt, planiert und mit Gräben versehen.

Gemeinsame Leistung

„Als ich 1964 Bürgermeister wurde, waren nur wenige Teil-Strecken des Leuchtenburger Wegs, Simmerhauser Wegs und Wunderburger Wegs mit Schotter befestigt. Nach und nach wurden sie gepflastert oder auch asphaltiert“, erzählt Bokelmann. Zuschuss habe es zu einem Drittel über den „Grünen Plan“ gegeben. Auch die Jagdgenossenschaft half in gleicher Größenordnung. Am Ende sei ein Drittel von allen Bürgern über Grund- und Gewerbesteuer finanziert worden. „Später zapften wir andere Töpfe an. Durch die lobenswerte Beteiligung der Jagdgenossenschaft wurde der jetzige gute Zustand erreicht“, sagt Bokelmann und blickt vor Ort am Simmerhauser Weg auf das Grün, das über die Jahre entstanden ist. Links der ehemaligen Schaftrift, vom Ort Harpstedt gesehen, kann heute noch die ursprüngliche Breite optisch erfasst werden. Dort stehen Allee-Bäume in lockerer Folge. Auf der anderen Seite herrscht dichtes Buschwerk vor, als Wind- und Vogelschutz.

„Probleme mit dem Bewuchs der Wegeseitenränder gab es allerdings auch“, betont Bokelmann. Als nämlich in den 1970er-Jahren die Motorsägen aufkamen. „Was zunächst gut gemeint war, artete in Tabula rasa aus. Bäume und Büsche verschwanden. Bis fast an die Fahrbahnkante wurde herangepflügt.“

Um wieder Ordnung und Respekt für Grenzen zu erreichen, ließ der Gemeinderat damals die Wege vermessen. Es gab leider viel Streit über Neuanpflanzung von Büschen. Am Simmerhauser Weg pflanzten junge Paare „Hochzeitsbäume“. „Benjeshecken wurden propagiert“, erinnert sich Bokelmann, die aber nicht erfolgreich waren.

Seitenränder bepflanzt

1989 waren etliche Kilometer der Wegeseitenränder wieder bepflanzt. Was sich in fast 30 Jahren entwickelt hat, davon kann man sich heute überzeugen, wie zum Beispiel am Gemeindeweg Wunderburger Moor. Auch angepflanzte Fruchtgehölze geben heute der Tierwelt dort Nahrung.

Im Rückblick wagt Hermann Bokelmann eine kritische Behauptung: „Schon in den 1980er-Jahren hat der Rat des Fleckens Harpstedt mehr für den Umwelt- und damit auch den Klimaschutz erreicht als heute ein ,Freiraum-Klimakulturprogramm‘ mit Ladenlokal und fast 200 000 Euro Steuergeldern.“

Bokelmann betont aber auch, dass heute als Pflegemaßnahme einmal wieder eine Durchforstung vorgenommen werden müsste. „Mir fehlt außerdem der Ginster, die Brahmbüsche, die in meiner Jugendzeit an allen Wegen standen. Sie sind alle verschwunden.“

Beispiele für Anpflanzungen finden sich an der Gemeindeverbindungsstraße (GVS) von Klein Köhren bis zur ehemaligen Schule: Als dort die hohen Gittermasten der Stromversorgung abgebaut wurden, ließ Bauamtsleiter Horst Horstmann dort Bäume pflanzen.

An der GVS Horstedter Weg (vom Amtsacker bis zur Horstedter Mühle) unterstützte SG-Mitglied Gerd Weidenhöfer (Mahlstedt) die Anpflanzung von Ebereschen (Vogelbeerbäumen). Von Harjehausen bis Winkelsett säumen ebenfalls Bäume die Fahrbahn.

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