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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Rentnerbänd: Auf Koems spielt die Musik

09.09.2017

Harpstedt Manchmal, so sagt Bernhard Wöbse, „werden wir gefragt, ob wir Musik machen können“. Doch da muss die Harpstedter Rentnerbänd passen. Was sie aber kann: mauern, zimmern, gärtnern, streichen, Gräben verrohren, Leitungen verlegen, verputzen, restaurieren und, und, und. Seit 1999 ist die Bänd im und für das Koems-Scheunenviertel aktiv und hat es zu einem Besucher-Magneten ausgebaut. Die aktuelle Herausforderung für die immer am Donnerstag zupackende Gruppe: Es gilt, einen Bereich im Osten des Koems-Geländes umzugestalten – um mehr Fläche nutzen zu können und die Pflege zu erleichtern (siehe Kasten).

Rentnerbänd Harpstedt BILD: Karsten Kolloge

Tausende Stunden

Umgestaltet wird derzeit ein Bereich im Osten des Koems-Geländes. Ein 30 Meter langer Graben für das Oberflächenwasser des gesamten Grundstücks wurde verrohrt, auch mauerte die Bänd zwei Schächte (Bild). Eine parallel zum ehemaligen Graben verlaufende Hecke wird entfernt. Ziel ist, den Bereich nach einer Raseneinsaat mit zu nutzen und leichter pflegen zu können. BILD: karsten Kolloge

Über 31 300 Arbeitsstunden habe die Rentnerbänd bis dato für Harpstedter Projekte geleistet, hat Klaus-Dieter Westphal, Vorsitzender der Fördergemeinschaft Koems, ausgerechnet. „Für mich ist dies ein Novum und sucht auch wohl Seinesgleichen.“

Eingebunden ist die Gruppe auch in die Umsetzung der Ex-Kultdisco „Zum Sonnenstein“ von Harpstedt zum Museumsdorf Cloppenburg. So räumte sie alle beweglichen Ausstattungs- und Einrichtungsgegenstände aus und verstaute sie für den Transport in Container.

„Die Arbeit geht nicht aus“, schildert Wöbse seine Erfahrungen. Ganz früh am Morgen und oft auch schon in der Nacht grübelt er, was zu tun ist und welches der 24 Bänd-Mitglieder welchen Part übernehmen könnte. „Wenn einer nur rumsteht, kommt er beim nächsten Mal nicht wieder“, weiß der Bänd-„Motor“.

Rückblick. In einem Zeitungsaufruf hatte die „Fördergemeinschaft Koems“ vor 19 Jahren nach ehrenamtlichen Mitstreitern bei der Pflege des Scheunenviertels gesucht, erinnert sich Wöbse. „Da meldeten sich zwölf Leute.“ Die rüstigen Rentner begannen mit der teils sehr aufwendigen Restaurierung der Scheunen.

Und sie sorgten für eine Vermehrung der Fachwerk-Gebäude. Das erste Projekt: Nach einer großen Bilderschau von Günter Knappmeyer zum Jubiläum „600 Jahre Weichbildrecht Harpstedt“ 1996 in der Schießhalle kam in Harpstedt der Wunsch auf, dass   die    Bilder    auf      dem
Koems bleiben sollten. Eine passende Scheune hatte Klaus Grote (Dreiangel), die „Bänd“ übernahm das Versetzen, die Gemeinde trug die Materialkosten. „20 000 D-Mark“ seien das gewesen, erinnert sich Bernhard Wöbse. „Ich weiß nicht, was eine Firma genommen hätte.“

Ein anderes Projekt: das Backhaus. In Klein Köhren habe man ein passendes Fachwerkgebäude gefunden. Durch Aufrufe via Zeitung sei die „Bänd“ an die noch fehlenden Materialien gekommen: aus Hölingen wurde Holz geholt, nahe Wildeshausen waren Tonpfannen abzugeben. 2003 war das Backhaus fertig, am 25. Juni 2004 wurde „angebacken“. 19 500 Euro habe dieses Projekt die Gemeinde gekostet, so Wöbse.

Natürlich gab und gibt es auch Rückschläge. Zum Beispiel beim Holzlager, ebenfalls von der Bänd errichtet. In Folge einer Brandstiftung ging das Fachwerkgebäude am 16. Juni 2015 in Flammen auf. Aber: Die Bänd baute wieder ein Holzlager auf, mit Holz von Dieter Schnieder aus Beckeln.

Mitunter sind die fitten Ruheständler auch auf ganz anderen Baustellen tätig. So halfen sie bei der Renovierung der Christuskirche oder bauten Unterstände an Wanderwegen.

Und das Erfolgsrezept? „Wir haben drei Maurer dabei, vier Landwirte, zwei Zimmerleute, einen Metallbauer“, zählt Bernhard Wöbse auf. Aktuell könne man alle benötigten Handwerke abdecken – „außer Elektriker, aber da sind wir in Gesprächen“.

Natürlich wird nicht nur gearbeitet. Immer um 10 Uhr machen die Rentner Pause, dafür schmiert Elfriede Wöbse jeweils 60 halbe Brötchen, Erika Horstmann kocht Kaffee. Und: Außerhalb der von April bis Oktober laufenden Saison treffen sich die Männer alle 14 Tage zum Spielenachmittag.

Ein Grinsen kann sich Wöbse nicht verkneifen, als er von einer weiteren Rentnerbänd erzählt, die vor einiger Zeit im Ostfriesischen gegründet wurde und mit ganz ähnlicher Zielsetzung arbeitet. Woher die Ostfriesen die Idee haben? Wöbse zuckt die Schulter: „Die waren mal hier.“

Karsten Kolloge Harpstedt / Redaktion Wildeshausen
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