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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Kein Platz für den Wolf am Deich

18.07.2019

Holle /Wüsting Sie halten das Gras kurz und verdichten prima mit ihren kleinen Hufen die Oberfläche. Das können sie besser als alle anderen Huftiere: Die Schafherden der Deichschäferei Holle erfüllen eine sehr wichtige Aufgabe zum Schutz der Menschen. Denn so bleiben die Deiche sicher und schützen ganze Landstriche vor Überschwemmungen. Das machte Schäfermeister Sven Scheffler (31) beim Besuch von FDP-Politikern aus Kreis und Gemeinde deutlich. Die Liberalen waren in Begleitung des agrarpolitischen Sprechers der FDP-Landtagsfraktion, Hermann Grupe, und des stellvertretenden Fraktionschefs der FDP im Bundestag, Christian Dürr, nach Holle gekommen, um sich über die Arbeit der Deichschäferei zu informieren.

Rund 20 Kilometer Deich

Rund 20 Kilometer Huntedeich beweidet Sven Scheffler mit seinen rund 1000 Schafen und ihren Lämmern. Der 1. Oldenburgische Deichband, der für die Sicherheit der Deiche zuständig ist, hat dem Schäfermeister als Pächter die Gebäude und die Flächen am Hollersiel zur Verfügung gestellt.

Die Schafe und das Inventar sind Eigentum des Schäfers. Damit erzielt er sein Einkommen. Es gibt einen Zuschuss für die Deichpflege. Ansonsten sei die Schafhaltung nicht wirtschaftlich zu betreiben, machte Sven Scheffler deutlich. Die Wolle bringe kaum Ertrag. Die Preise für Schaffleisch seien in Deutschland noch immer nicht hoch gut genug, um den Schäfern ein Auskommen zu ermöglichen. Zu viel billiges Fleisch werde zum Beispiel weiterhin aus Neuseeland importiert. Und die Bevölkerung wolle immer nur billig einkaufen, kritisierte Scheffler.

Hier kauft man billig

„Der Grill darf gerne einmal 1000 Euro kosten, aber was an Fleisch drauf kommt, dass muss das billigste sein“, pflichtete ihm FDP-Landtagsabgeordneter Hermann Grupe bei: „In Deutschland kauft man billig!“ Das sei offenbar aus den Köpfen der meisten Verbraucher nicht herauszubekommen. Und weil die Erlöse nicht stimmen, kommt die Schäferei in Holle letztendlich nur durch die Zuwendungen für die Deichpflege über die Runden.

Existenzangst

Ein großes Thema, das dem Holler Schäfermeister Angst macht, ist der Wolf. Der werde kommen, wenn man seiner Verbreitung nicht Einhalt gebiete. Der Wolf werde es den Schäfern wesentlich schwerer machen, „wenn nicht sogar unmöglich“, sagte Scheffler. Dass er auch eines Tages, wie etliche Kollegen, die ersten gerissenen Schafe zu beklagen haben wird, steht für Scheffler fest.

Es gebe zwar mittlerweile einen gewissen Zuschuss für Zaunmaterial. Das reiche aber bei weitem nicht aus. Scheffler rechnet für seinen Betrieb mit zusätzlichen jährlichen Kosten von rund 120 000 Euro, weil er weitere Arbeitskräfte einstellen müsse – nur um den Bestand zu sichern und ohne dadurch zusätzliche Einnahmen zu erzielen. „Wie soll das ein Familienbetrieb erwirtschaften?“, fragte der Schäfer.

Herdenschutzhunde

Von Herdenschutzhunden hält der Holler Schäfer Scheffler nichts. Denn diese sehr großen und sehr kräftigen Hunde seien auf die massive Abwehr von Gefahren getrimmt. Wie so ein Hund reagiere, wenn ein Spaziergänger die Schafweide betrete, um ein Tier zu streicheln. Das möchte sich der Schäfer nicht vorstellen. Wenn der Herdenschutzhund zum Einsatz komme, sei der Deich für die Touristen absolut tabu, denn der Hund unterscheide nicht zwischen Mensch und Wolf, hatte kürzlich Dr. Karsten Padeken, Vorsitzender des Kreislandvolkverbands Wesermarsch, dazu gesagt. „Ich würd’s jedenfalls nicht machen“, sagt Scheffler zum Einsatz von Schutzhunden. Um seine rund 20 kleinen Herden zu schützen, müsste er zudem gleich 40 speziell ausgebildete Schutzhunde haben. Völlig unrealistisch.

Die derzeitigen Wolfsschutzmaßnahmen seien eher ein „Veräppeln“ der Schafhalter, meinte Landtagspolitiker Grupe. Es müsse mehr wolf­freie Zonen geben, sagte er. Zum Beispiel in solchen Bereichen, wo der Deichschutz durch die Schafherden sichergestellt werde. „Wenn sich ein Wolf zeigt, dann muss er weg“, so seine klare Aussage bei dem Besuch in der Deichschäferei.

Das Wolfsmanagement

„Den Wolf wird es geben. Die Frage ist, wie wir den Wolf vernünftig managen“, sagte dazu FDP-Bundespolitiker Christian Dürr mit Blick auf die Diskussionen auf Bundesebene. „Ein Tier, welches objektiv keine natürlichen Feinde hat, wird man jagen müssen“, betonte Dürr. Man müsse gemeinsam mit der Jägerschaft schauen, wie das zu bewerkstelligen sei.

„Artenschutz-Desaster“

Die Ansiedlung des Wolfs werde als Artenschutz verkauft, in seinen Augen aber sei es ein „Artenschutz-Desaster“ stellte Schäfer Scheffler fest.

Andre Heinemann, stellvertretender Vorsitzender der FDP in Kreis und Gemeinde, hatte den Besuch in der Deichschäferei am Hollersiel organisiert.

Klaus-Dieter Derke Hude / Redaktion Hude
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