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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Huder Betrieben gehen die Mitarbeiter aus

19.10.2018

Hude Ein Werbeplakat an der Langenberger Straße in Hude drückt den Fachkräftemangel in den Handwerksbetrieben der Gemeinde wohl am besten aus: „Vermisst!“, heißt es auf dem Transparent. Die Firma GW Bau versucht mit allen Mitteln, potenzielle Mitarbeiter und Auszubildende auf sich aufmerksam zu machen.

Denn auch in der Gemeinde Hude haben die Betriebe damit zu kämpfen: Das Personal fehlt, Aufträge müssen abgesagt werden. Viele Betriebe bangen jedes Jahr aufs Neue, die offenen Ausbildungsstellen besetzen zu können. Die NWZ hat sich umgehört und nach dem Zufallsprinzip mit verschiedenen Unternehmen gesprochen.

„Wir suchen händeringend Mitarbeiter“, erklärt Gerlinde Backer aus dem Büro von GW Bau (Würdemann) das Plakat an der Straße. „In der Hinsicht spüren wir den Fachkräftemangel sehr stark. Wenn wir drei, vier Leute mehr hätten, dann könnten wir viel mehr schaffen“, so die Mitarbeiterin des Straßen- und Tiefbauunternehmens mit 25 Arbeitnehmern auf den Baustellen und im Büro.

Lange Wartezeiten

Mehr schaffen ist ein gutes Stichwort. Denn die Betriebe sind so stark ausgelastet, dass Aufträge nicht zeitnah bearbeitet werden können oder sogar abgelehnt werden müssen. Davon kann auch der Geschäftsführer von Thom Glasbau in Altmoorhausen, Hans-Dieter Thom, ein Lied singen: „Wir müssen die Aufträge stark drosseln.“ Nicht selten komme es vor, dass er größere, auch überregionale Aufträge nicht annehmen könne, weil die Leute fehlen. „Das ist ärgerlich“, sagt er. Verärgert sind häufig auch seine Kunden, die teilweise vier bis acht Wochen auf eine Duschkabine warten müssen.

Bis zu drei Monate sogar mussten Kunden beim Malerbetrieb Peter Becker im Sommer warten. Geduld ist ebenfalls für kleinere Reparaturen an Dach und Schornstein gefragt, denn bei Toma Holzbau und Dachkonzept in Hude gibt es ebenfalls Wartezeiten bis zu drei Monate.

Aus demselben Grund hat sich bei Sanitär-Heizung-Bauklempnerei Horstmann-Werpup schon die Regel durchgesetzt: Alles was nicht tropft, hat vier Wochen Zeit. Auch hier berichtet Geschäftsführer Claas Horstmann-Werpup von wochenlangen Wartezeiten – selbst für die Wartung einer Heizung. „Zu viel Arbeit für zu wenig Personal“, sagt der Chef eines Teams von fünf Mitarbeitern. Seit einem dreiviertel Jahr ist eine Lehrstelle offen. Bisher kamen zwei Bewerbungen.

Der Nachwuchs fehlt

Mit freien Ausbildungsstellen steht die Firma Horstmann-Werpup nicht alleine da. „Uns fehlen die Nachwuchskräfte“, sagt Christian Tönjes vom Malerbetrieb Peter Becker, in dem 16 Mitarbeiter beschäftigt sind. Gesucht werden Auszubildende zum Maler und Lackierer. „Aber es bewirbt sich keiner mehr“, macht Tönjes die schwierige Situation deutlich. Der Beruf sei den jungen Leuten nicht attraktiv genug, die Aufstiegsmöglichkeiten fehlten, viele schrecke die harte Arbeit, schätzt er. „Dabei gibt es auch in diesem Beruf viele Chancen“, ist Tönjes überzeugt und nennt die Möglichkeit, seinen Meister zu machen und vielleicht sogar einen Betrieb zu übernehmen, als Beispiel.

Auch bei dem Unternehmen VM CNC Zerspanungstechnik ist die Bewerberzahl in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. „Wir sind mittlerweile froh, wenn sich so viele bewerben, dass wir die Ausbildungsstellen überhaupt besetzen können“, sagt Fertigungsleiter und Ausbilder Roland Mehldau über fehlenden Nachwuchs. Das Problem sei, dass dieser nicht mehr gewillt sei, handwerklich zu arbeiten. „Die jungen Leute wollen studieren, im Büro arbeiten und viel verdienen.“ Deshalb sei das Handwerk nach seiner Erfahrung für den Nachwuchs nicht mehr so attraktiv.

Für dieses Jahr hat das Unternehmen zwei Auszubildende eingestellt. Doch die Suche fürs nächste Jahr läuft bereits. Und zwar über das Jobcenter hinaus an den Schulen oder bei Veranstaltungen wie dem Tag des offenen Handwerks der Kreishandwerkerschaft. Was laut Mehldau auch funktioniert: Gute Mundpropaganda.

„Heutzutage muss man den Mitarbeitern etwas bieten, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein“, weiß er.

Fertige gibt es nicht

Aber auch die ausgebildeten Fachkräfte fehlen. Besonders schwer zu kriegen: Glaser und Brunnenbauer. „Fertige gibt es nicht“, sagen Kathy Hartmann, Geschäftsführerin von Hartmann Brunnenbau, sowie Hans-Dieter Thom, Inhaber von Thom Glasbau.

Thom beschäftigt zehn Mitarbeiter, davon drei Auszubildende. „Ich hätte gern mehr“, wünscht er sich. Aber: „Fachkräfte sind nicht am Markt zu bekommen, es gibt keine ausgebildeten Glaser“, klagt er. Dabei sei das ein zukunftssicherer Beruf. Deshalb tue er viel, um Auszubildende zu bekommen. „Wir gehen an die Schulen, werben mit Transparenten vor dem Betrieb und verteilen Prospekte“, erklärt er. Um die Ausbildung an sich attraktiver zu gestalten, „versuchen wir, die jungen Leute zu locken“. So fahre einer seiner Lehrlinge bereits einen Firmenwagen. Hans-Dieter Thom blickt sorgenvoll in die Zukunft: „Ich glaube, der Fachkräftemangel wird sich noch verstärken.“

Die schwierige Lage kennt Katy Hartmann, Chefin von sieben Mitarbeitern, nur zu gut von der Suche nach Brunnenbauern und Nachwuchskräften. Aber sie hatte Glück und kann sich freuen: „Wir haben gerade einen Lehrling eingestellt, den Sohn eines Mitarbeiters.“

Lehrlinge übernehmen

Auch Thomas Renken kann von Glück für seinen Betrieb „Toma Holzbau und Dachkonzept“ sprechen. Zwar habe er es leicht, Auszubildende zu finden. Nach Fachkräften habe er allerdings lange vergebens suchen müssen. Deshalb ist er froh, aktuell zwei fertige Lehrlinge als Gesellen übernommen zu haben: „Sonst hätten wir jetzt langsam ein Problem gehabt.“

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Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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