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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Bundestagsabgeordnete In Hude Zu Besuch: Fliesenleger wollen den Meister zurück

03.07.2019

Hude Jeder, der beabsichtigt, einen Fliesenlegerbetrieb zu starten, könnte gleich morgen damit anfangen. Es braucht dafür weder einen Gesellenbrief noch eine Meisterausbildung.

So hat Ulf Mosenthin am Dienstag die dramatische Lage im Handwerk der Fliesenleger beschrieben. Er ist Geschäftsführer der Landesfachgruppe Fliesen und Naturstein des Baugewerbe-Verbandes Niedersachsen (BVN). „Der Verband setzt sich dafür ein, dass die Meisterpflicht wiederkommt“, sagte er bei einer Betriebsbesichtigung der Fliesenlegerfirma Voigt und Böhm in Hude. Zu diesem Termin war die Bundestagsabgeordnete Astrid Grotelüschen (CDU) eingeladen. Sie setzt sich für die Wiedereinführung der Meisterpflicht ein und diskutierte dazu mit Vertretern des BVN, der Fliesen und Natursteinleger-Innung-Oldenburg und Fliesenlegern aus der Region.

Darum geht es

Generell gilt der Meister im Handwerk als Voraussetzung für die Selbstständigkeit. Im Jahr 2004 hatte die rot-grüne Bundesregierung von insgesamt 94 Handwerksberufen 53 Gewerke für zulassungsfrei erklärt. Das heißt, in diesen Berufen brauchen Handwerker keine Meisterausbildung mehr, um einen Betrieb zu eröffnen. Darunter fallen Gebäudereiniger, Raumausstatter und eben die Fliesenleger.

2016 sei der Beschluss zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in den Koalitionsvertrag aufgenommen worden, berichtete Grotelüschen. Seit einem Jahr sei man nun dabei, das Thema vorzubereiten. Geplant ist, zum neuen Jahr Veränderungen zu erreichen. Generell werde das Thema kontrovers diskutiert, so Grotelüschen. Zum einen sei der Meistertitel ein Qualitätssiegel, zum anderen schränke er die freie Berufswahl ein, die im Grundgesetz verankert ist.

Was macht eine Meisterprüfung im Fliesenlegerhandwerk aus, wollte die Politikerin beim Ortstermin in Hude erfahren. Im Gespräch mit den Beteiligten fielen viele Argumente für die Wiedereinführung der Meisterpflicht, unter anderem die Qualität der Arbeit, der Ruf des Berufes, der Verbraucherschutz und die Ausbildung.

Erfahrung aus der Praxis

Wie sich aus der Diskussion ergab, ist die Soloselbstständigkeit ein Problem für das Fliesenlegergewerbe. Das zeige sich bei Aufträgen von Generalunternehmern, berichtete Thomas Lustig, Fliesenlegermeister aus Wardenburg. Generalunternehmen nehmen Bauaufträge entgegen und erstellen schlüsselfertige Bauwerke. „Unsere Mitarbeiter sind denen zu teuer. Denn bei Soloselbstständigen gilt ja der Mindestlohn nicht.“ Eigentümer seien vorsichtiger, sagte er: „Irgendwann fragte einer am Telefon, ob wir ein Meisterbetrieb sind und eigene Mitarbeiter haben. Diese Frage kommt mittlerweile häufiger vor.“

Der Verbraucherschutz war ebenfalls großes Thema. Viele solcher Soloselbstständigkeiten hielten sich nicht lange, sagte Mosenthin. Wenn sich Betriebe während der Gewährleistungszeit auflösten, gebe es Probleme mit Reklamationen. „Beim Fliesenlegen werden Schäden meistens erst Jahre später sichtbar“, so Mosenthin.

„Das Schlimme ist, dass jeder, der es nicht gelernt hat, in diesem Beruf arbeiten kann – sogar ohne Gesellenbrief“, ärgerte sich Lars Böhm, Inhaber des Huder Betriebes Voigt und Böhm. Durch den Qualitätsverlust im Handwerk werde auch der Ruf der Fliesenleger geschädigt. So sah es auch Stefan Bohlken, Obermeister der Fliesen und Natursteinleger-Innung Oldenburg: „Da wurde eine Kette durchschnitten. Das muss wieder hergestellt werden. Sonst sehe ich schwarz für unseren Beruf.“ Er sorgte sich auch darum, dass das Fliesenlegerwissen verloren geht.

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Guten Ruf erhalten

Ausbildung sei ein wichtiger Aspekt, so Grotelüschen. „Nur der Meister kann Wissen weitergeben. Wenn immer weniger den Meister machen, bilden immer weniger aus. Das ist eine Fehlentwicklung.“ Man müsse die Innovations- und Leistungskraft des Meistertitels erhalten. „Er hat eine wahnsinnige Signalkraft“, sagte die Bundestagsabgeordnete, „das müssen wir bestärken, um den guten Ruf unserer Dualen Ausbildung in Deutschland zu erhalten.“

Nina Janssen Volontärin, 3. Ausbildungsjahr / NWZ-Redaktion
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