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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Ehrung In Hude: Passionierter Pilot wird Kavalier der Lüfte

28.10.2019

Hude Auf ihrem traditionellen Fliegerabend in Hude verleihen 66 Piloten und Freunde der Fliegerei jedes Jahr die besondere Auszeichnung „Kavalier der Lüfte“ an eine Person, die sich um die Fliegerei verdient gemacht hat. In diesem Jahr erhielt Dieter Krauss die besondere Auszeichnung, die mit dem Wanderpreis „Huder Mönch“ verbunden ist. Gestiftet hatte den Preis der 1991 verstorbene Kunstflieger, Flugzeugbauingenieur und Wahlhuder Gerd Achgelis.

Peter Krupp begrüßte die Teilnehmer auf der Veranstaltung, die erstmals im Nordenholzer Hof stattfand. Dann kündigte Norbert Lautner den neuen „Kavalier der Lüfte“ Dieter Krauss aus Hamburg, an. Heiko Gesierich, im vergangenen Jahr Kavalier der Lüfte, erklärte in seiner Laudatio, Krauss sei „besonders wegen seiner Liebe zu allem, was fliegt, wegen seiner Kameradschaftlichkeit und seines unermüdlichen, vielseitigen Bemühens für die Fliegerei“ vorgeschlagen worden.

Schon als Kind war „Didi”, wie ihn seine Freunden nennen, von Flugzeugen fasziniert. „Während des Zweiten Weltkrieges wohnten wir etwa einen Kilometer entfernt vom Luftwaffeneinsatzhafen der Me 262 und später auch der He 177 in Schwäbisch Hall-Hessental. Durch diese Erlebnisse und die Eindrücke wurde mein Wunsch, Verkehrsflugzeugführer zu werden, entscheidend geprägt“, erzählt der 84-Jährige. Durch eine kuriose Fügung sei er „auf dem wohl außergewöhnlichsten Ort für Berufsplanung, dem ’Stillen Örtchen’, auf eine Annonce gestoßen – abgedruckt auf Toilettenpapier: „Anwärter für Fluglotsen gesucht”.

Am Flughafen München-Riem begann er seine Ausbildung, arbeitete anschließend in Stuttgart-Echterdingen. „Ich erinnere mich, dass ich damals der jüngste deutsche Fluglotse war“, so Krauss. Irgendwann aber reichte ihm das nicht mehr – er wollte selbst fliegen. „Didi“ ist mit Leib und Seele Pilot. Da liegt es nahe, dass er eine Stewardess heiratete. 1970 lernte er seine spätere Ehefrau Barbara auf dem Flug von Frankfurt nach Bremen kennen – daraus wurde eine lebenslange Liebesgeschichte.

In einem Mix aus historischen Filmaufnahmen und Wortbeiträgen fesselte Didi Krauss seine Zuhörer in den Räumen des Nordenholzer Hofs. Der erste Flug führte ihn mit zahlreichen Zwischenstopps bis nach Rio de Janeiro. Über 30 Stunden waren sie damals unterwegs. „Heute wird die Strecke nonstop mit einem Jumbo-Jet in knapp zwölf Stunden geflogen.“

Nach der Ausbildung zum Piloten durfte er 1960 als Co-Pilot auf dem Flaggschiff der damaligen Zivil-Luftfahrt, der Super-Constellation der Firma Lockheed, erstmals im Cockpit Platz nehmen. Didi Krauss schwärmt noch immer von diesem Flugzeugtyp: „Die Super-Constellation ist für mich auch heute noch der eleganteste Airliner.“

Anfang der 60er Jahre verlief die Flugzeugentwicklung in großen Sprüngen – die Boeing 707 wurde das neue Flaggschiff der Lufthansa. „Sie flog doppelt so schnell, doppelt so hoch, mit der doppelten Anzahl Passagiere im Vergleich zur Super-Constellation“, schwärmt Didi Krauss. Nur wenige wirklich brenzlige Situationen hat er in seinem Pilotenberuf erlebt, auf dem Flug von Australien nach Singapur allerdings wollte einmal das Bugfahrwerk nicht ausfahren. „Doch das war kein dramatisches Ereignis, denn kurzerhand kletterte ein Crewmitglied in den sogenannten ,Keller’ unter dem Cockpit, um das Bugrad von Hand herauszukurbeln. Einzig ein hochrotes Gesicht und ein durchgeschwitztes Hemd zeugten vom kräftezehrenden Einsatz. Die Landung erfolgte ohne Probleme unter dem Beifall der am Flugfeld wartenden Techniker“, erinnert sich Krauss. Unvergessen für ihn ist, dass er zum Ende seiner beruflichen Laufbahn „in einem der schönsten historischen Flugzeuge, der 1986 restaurierten Ju 52, als Flugkapitän im Cockpit gesessen hat“, blickt er zurück.

Sein Beitrag über die Super-Constellation hätte an diesem Abend kaum aktueller sein können: Nur wenige Tage alt ist die Pressemeldung, dass die Restaurierung der Super-Constellation in den USA abgebrochen und sie in Einzelteile zerlegt nach Bremen verfrachtet wurde. Die anwesenden Gäste erfuhren, dass Krauss und ein befreundeter Journalist dieses kühne Projekt vor mehr als zehn Jahren ins Leben gerufen haben.

Die Ju 52 hatte 2018 ein gleiches Schicksal ereilt. Geplant gewesen war, dass beide Flugzeuge zum 100. Geburtstag der Lufthansa im Jahr 2026 als Prestigeobjekte und Werbeträger positive Schlagzeilen machen sollten.

An einen Ruhestand denkt Didi Krauss aber noch nicht. Seine große Leidenschaft gehört schon länger der „kleinen Fliegerei” – den kleinen einmotorigen und historischen Flugzeugen

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