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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Wenn nebenan der Garten gerodet wird

13.02.2018

Hude Familie Claußen hat sich im Laufe der Jahre ein grünes Kleinod im langgestreckten Garten hinter ihrem Haus an der Huder Ulmenstraße geschaffen. Claußens sind große Naturliebhaber. Sie freuen sich darüber, wenn es den Tieren im Garten gut geht. Da sind die Igel, die Insekten, der Star und der Zaunkönig, um nur einige zu nennen. Detmar Claußen hat den Starenkasten in den Kirschbaum gehängt. „Einfach schön, wenn der Star in der Sonne singt und sein Gefieder glitzert“, sagt der Naturfreund. Dieses Idyll mitten in Hude erfährt zurzeit eine massive Störung. Und ob der Star wiederkommt? – Detmar Claußen hofft es. Obwohl sich das Umfeld gravierend verändert.

Gleich nebenan wurde nämlich der komplette Garten der Nachbarn gerodet. Die alten Obstbäume und die Hecken sind verschwunden. Die Fläche ist planiert und mithilfe einer neuen Betonmauer zum Nachbargrundstück hin nivelliert worden.

Es war vor Pfingsten 2017, als Claußens erfuhren, dass das verkaufte Nachbargrundstück bebaut werden soll. „Wir haben mit zwei Doppelhäusern gerechnet“, sagt Claußen. Umso größer war der Schreck, als sie feststellen mussten, dass ein Bauträger ein Sieben-Familienhaus errichten wird. Ungefähr 24 mal 15 Meter groß, circa elf Meter hoch. Jeder bebaubare Quadratmeter des Grundstücks, das der Bauträger erworben hat, wird ausgenutzt.

Darf der Bauherr das? – „Das ist rechtlich in Ordnung“, erfuhren Claußens. Der alte Bebauungsplan gebe das her. Claußens werden mit dem Klotz nebenan leben müssen, sagen sie.

Für Karin Rohde, Fraktionschefin der Grünen im Huder Gemeinderat, ist das Bauprojekt an der Ulmenstraße ein Beispiel für den „Wildwuchs“ in der Ortsentwicklung, der sich schon vor Jahren abzeichnete. Davor hätten die Grünen gewarnt. Die alten Bebauungspläne müssten endlich überarbeitet werden.

Grüne warnen

Auf Drängen und Antrag der Grünen habe man seinerzeit schließlich mit dem B-Plan 11 begonnen – seit dem 11. Mai 2016 liege ein Vorschlag des Planungsbüros vor – aber zunächst sei auf Antrag der CDU das zu überplanende Gebiet geteilt worden. „Der Plan wurde öffentlich beraten. Aber nach der Bürgerbeteiligung im letzten Jahr ist bislang gar nichts mehr geschehen“, kritisiert Rohde. Der Beschluss stehe noch aus. So einen halben Bebauungsplan zu überarbeiten, dauere wohl zwei bis drei Jahre. „In diesem Schneckentempo darf es nicht weitergehen“, meinen die Grünen. „Mit übermäßigen Bauten inmitten von idyllischen Gärten, siehe das Beispiel an der Ulmenstraße, werden ungewollte Fakten geschaffen“, stellt Rohde fest. Anfang 2016 sei ein Arbeitskreis eingerichtet worden, der sich mit dem Problem Ortsentwicklung beschäftigte. Ein sogenanntes „Dichtemodell“ vom Planungsbüro sei dem Arbeitskreis im April 2016 – nichtöffentlich – vorgestellt worden. Seitdem sei nichts weiter passiert.

Schnellstmöglich beraten

„Wir von Bündnis 90/Die Grünen fordern nun eine schnellstmögliche Befassung mit dem Dichtemodell und dessen Beschluss, um ein wildes ,Weiter-so’ zu stoppen und eine Grundlage für eine geordnete, nachhaltige Ortsentwicklung bei Erhalt und Förderung einer hohen Wohn- und Lebensqualität in einer grünen Gemeinde zu schaffen“, sagt Rohde.

„Wir brauchen eine Verdichtung, aber eine behutsame“, fügt sie hinzu. Alte Siedlungsstrukturen dürften dabei nicht rücksichtslos zerstört werden. Alte Baumbestände bzw. Grünstrukturen sollen erhalten werden.

Karin Rohde und Fraktionskollegin Kirsten Neuhaus haben einen Antrag eingebracht. Das „Dichtemodell“ soll endlich Grundlage für eine Überarbeitung der Bebauungspläne sein.

Dass in Hude Wohnraum gebraucht wird, sehen auch die Grünen. „Wir streben auf der Grundlage eines nachhaltigen Dichtemodells eine ökologisch qualifizierte, dichte Bebauung an, mit Integration von Neubau und Bestand. Wohn- und Lebensqualität sollen erhalten bzw. gesteigert werden, ortsbildprägende Grünstrukturen beachtet oder auch neu geschaffen werden“, sagen die Grünen.

Seit Jahren werde beobachtet, dass an verschiedenen Stellen inmitten von Einfamilienhaussiedlungen große Mehrfamilienhäuser unter Ausnutzung der noch geltenden alten Bebauungspläne entstünden. Alte Häuser würden abgerissen und neue nach altem, geltenden Recht größtmöglich gebaut. Dazu gebe es Versiegelungen „bis an die äußerste Kante“.

Strukturen erhalten

Siedlungsstrukturen würden zerstört, ortsbildprägenden Bäumen würden durch die Versiegelung Wasser und Nahrung genommen. Die notwendige Regenwasserversickerung könne nicht mehr stattfinden. Anwohnerinnen und Anwohner fühlten sich stark beeinträchtigt. Grundstücke verlören an Wert.

Mit dem vom Rat zu beschließenden Dichtemodell mit seinen abgestuften Dichtebereichen sei eine langfristige Entwicklungsperspektive möglich. Es gebe die Möglichkeit, zum Beispiel mit Veränderungssperren einzugreifen, wenn das zu heftig erscheine, was Bauherren planten.

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