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NWZonline.de Region Kreis Oldenburg Wirtschaft

Coronakrise: Politik serviert Überraschungs-Menü

05.05.2020

Hude /Vielstedt /Oberhausen In diesen Corona-Zeiten ändert sich die Nachrichtenlage fast stündlich. Und so kam auch für viele Gastronomen in der Gemeinde Hude, die seit fast acht Wochen unter den verordneten Schließungen ihrer Betriebe massiv leiden und bislang noch keine Perspektive sahen, die Aussage von Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann sehr überraschend. Schon ab dem 11. Mai sollen die Gastronomiebetriebe nach einem Stufenplan wieder öffnen dürfen, mit einer Begrenzung der Gästeplätze auf eine Kapazität von 50 Prozent und unter weiteren strengen Auflagen, sowohl im Innen- als auch im Außenbereich.

Erst einmal abwarten

„Wir können es noch nicht wirklich glauben“, sagte am Montag Sara Michel vom Nordenholzer Hof in Hude. Man wolle jetzt abwarten, was Mittwoch konkret für Niedersachsen beschlossen werde. Dann gelte es, Vorbereitungen zu treffen und das Konzept, nach dem das Restaurant vor Corona betrieben wurde, den neuen Bedingungen anzupassen.

„Wir hatten schon gedacht, dass man die Gastronomie vergisst“, freut sich Sara Michel, dass es nun doch wieder eine Perspektive geben soll. Derweil bietet der Nordenholzer Hof zu den Feiertagen besondere Pakete zum Abholen, wie aktuell ein Drei-Gänge-Menü für den Muttertag. „Das wird sehr gut angenommen“, freut sich Sara Michel über tolles Feedback der Kundinnen und Kunden.

Druck wurde zu Groß

„Der Druck auf die Politik wurde zu groß“, meint Ralf Burgdorf vom Restaurant Burgdorf’s in Hude zu der unerwartet schnellen Entscheidung, Restaurants die Möglichkeit zu geben, wieder zu öffnen.

„Gesundheit geht vor“, stellt Burgdorf klar. Er ist aber der Meinung, dass die jetzt durchgesickerten Standards für den Betrieb in Restaurants, Cafés, Gaststätten und Biergärten von Anfang an von den meisten Gastronomen hätten eingehalten werden können, ohne gleich komplett die Schließung zu verordnen. Das Gasthaus Burgdorf will mit einem neuen Konzept an den Start gehen, nicht mehr nur abends und sonntagmittags, sondern täglich auch zum Frühstück und zum Mittagessen öffnen und abends künftig schon ab 17.30 Uhr. Toll findet Burgdorf, dass die von Althusmann angekündigte Öffnung der Restaurants auch für die so vielen seit Wochen freigestellten Mitarbeiter der Gastronomie im Land endlich eine Perspektive darstellt.

ZwangsPause endet

„Ich bin froh, dass es weitergehen darf“, sagt Wolfgang Mertins vom Gasthaus Zur Krone in Oberhausen. Er will aber erst einmal die endgültige Entscheidung auf Landesebene am Mittwoch abwarten. Mertins hofft, dass dann zeitnah detaillierte Vorgaben in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband kommen, wie die Wirte sich genau zu verhalten haben, um geforderte Gesundheitsstandards umzusetzen. Mertins hat die fast achtwöchige Schließung seines Restaurants genutzt, um zu renovieren, berichtet er. So lange habe er noch nie an einem, Stück „Urlaub“ gehabt, stellte Mertins fest.

Gasthaus Renoviert

Die Zeit der Zwangspause zum Renovieren genutzt hat auch Familie Strackerjan. Sie betreibt das traditionsreiche Vielstedter Bauernhaus in Hude in der fünften Generation. „Ich kann mich nicht erinnern, dass wir Ostern schon mal geschlossen hatten“, sagt Küchenchef Christian Strackerjan. Die letzte Kohlfahrt wurde abgesagt. Der beliebte Tanz in den Mai fiel aus, Hochzeiten wurden verschoben. „Aber es geht weiter mit uns. Wir machen das Beste daraus. Und wir sind gesund“, sagte Strackerjan am Montag. Gerade erst ab 1. Mai hat auch das Vielstedter Bauernhaus eine Außer-Haus-Angebot gestartet, weil bislang noch keine Perspektive zu sehen war, wann es wieder Gäste in Gaststube und Garten gibt. Umso überraschender kam denn auch für Christian Strackerjan die Ankündigung von Wirtschaftsminister Althusmann, dass schon ab dem nächsten Montag die Gastronomie wieder öffnen darf. „Das ist schon mal ein ganz guter Anfang“, so Strackerjan.

Strackerjans haben um die 30 Mitarbeiter, inklusive Aushilfen und Minijobber. Sie alle haben bislang ohne Gäste nichts zu tun, die Festangestellten sind in Kurzarbeit.

Bauernhaus-Kost

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Mit der neuen Außer-Haus-Karte möchten Strackerjans ein klein wenig die Einnahmeausfälle ausgleichen. „Wir möchten dadurch aber auch im Gespräch bleiben und zeigen, dass wir weiter da sind für unsere Gäste“, so Christian Strackerjan. Und die Gäste dürfen schon bald nicht nur vorbeikommen, um die in Folie eingeschweißte Bauernhaus-Kost – von Roulade und Schnitzel bis hin zum Lachs und zur Sülze – warm oder auch kalt (zum Aufwärmen zuhause) abzuholen.

Die Gäste dürfen dann wieder in Gaststube und Garten real Platz nehmen und sich verwöhnen lassen. Genug Platz sei vorhanden, um die Abstandsregeln einzuhalten. Strackerjan freut sich schon darauf, Grillgerichte im Biergarten servieren zu können. Der Außer-Haus-Verkauf werde zudem weitergehen, sagte der Vielstedter Gastronom.

Klaus-Dieter Derke Hude / Redaktion Hude
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